Eiskunstlauf-WM

Berliner Paar: Erst Reißverschluss gerissen, dann Patzer

Die Kanadier Duhamel/Radford sind neue Weltmeister im Paarlauf. Schwach endete die Eis-Karriere von Vartmann/van Cleave. Einen Klasse-Einstand feierte dagegen Ex-Weltmeister Szolkowy an der Bande.

Foto: Tatyana Zenkovich / dpa

Die Kanadier Meagan Duhamel und Eric Radford sind die würdigen Nachfolger der fünfmaligen Eiskunstlauf-Champions Aljona Savchenko und Robin Szolkowy auf dem WM-Thron. Nach dem Karriere-Ende der Chemnitzer zeigten die Nordamerikaner in Shanghai, dass die Entwicklung auf dem Eis immer akrobatischer wird.

Mit einem vierfachen Wurfsalchow gewannen sie am Donnerstag vor Sui Wenjing/Han Cong und den zweimaligen Titelträgern Pang Qing/Tong Jian aus China. Nur auf Platz 15 beendeten die Berliner Mari Vartmann und Aaron van Cleave ihre gemeinsame Laufbahn.

„Das war ein ganz guter Abschluss, auch wenn wir viel Aufregung vorher hatten“, erzählte Vartmann, die vor der Kür über Schwindel und Übelkeit klagte. Zudem riss der Reißverschluss am weinroten Kleidchen. Teamarzt Stefan Pfrengle nähte ihn auf die Schnelle zusammen. Van Cleave patzte vor 17.000 Zuschauern im ausverkauften Oriental Sports Center bei den Einzelsprüngen. In Zukunft wird ihn der Wahl-Oberstdorfer Ruben Blommaert ersetzen, von dem sich Vartmann mehr verspricht.

Szolkowy zufrieden

Einen guten WM-Einstand als Coach feierte Ex-Weltmeister Szolkowy mit den Russen Jewgenia Tarassowa/Wladimir Morosow auf Platz sechs. „Ich bin sehr glücklich“, sagte der Chemnitzer, der wochenweise in Moskau mit dem Duo übt. „Ich versuche zu helfen. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die ich anspreche. Man muss ehrlicherweise sagen, dass ich ja ein fertiges Paar übernommen habe“, betonte der 35-Jährige.

Sein Ex-Coach Ingo Steuer belegte mit dem amerikanischen Nachwuchspaar Haven Denney/Brandon Frazier Rang zwölf. „Ich habe verdammtes Glück, denn meine jungen Schüler sind ähnlich wie Aljona und Robin. Sie haben Spaß an der Arbeit“, sagte der Sachse, der seit einem halben Jahr in Florida arbeitet und sich eine Rückkehr in naher Zukunft nach Deutschland schwer vorstellen kann.

Wegen der Stasi-Vergangenheit kann er nicht aus Bundesmitteln finanziert werden. „Wenn die Qualität, die ich habe, nicht benötigt wird, sollen sie es lassen“, sagte der Ex-Weltmeister. Auf lange Sicht würde er eine Lösung begrüßen und gern wieder in Chemnitz arbeiten.

Steuer enttäuscht

Während er für Jung-Coach Szolkowy nur lobende Worte fand, blickte Steuer enttäuscht auf sein ehemaliges Olympia-Projekt Savchenko/Bruno Massot: „Was heißt hier Top-Paar? Aljona ist Weltmeisterin, mehr aber auch nicht. Der Franzose ist kein Robin.“ Aus der Presse habe er erfahren, dass die beiden von 2016 an für Deutschland starten wollen. Nach dem Krach mit Steuer wechselten die derzeit noch Gesperrten nach Oberstdorf.

Zuvor hatte die 18-jährige Nicole Schott aus Essen bei ihrer Premiere auf Rang 19 das Kür-Finale der Damen am Sonnabend erreicht. Wegen eines abgebrochenen Rittbergers bekam sie nur 49,29 Punkte. „Ich war schon aufgeregt, aber es war auch ein schönes Gefühl, vor so vielen Leuten zu laufen“, sagte die in Pink gekleidete Debütantin nach ihrem Kurzprogramm zur Musik aus dem Film „Die Geisha“.

Die russische Europameisterin Elisaweta Tuktamyschewa übernahm mit einem exzellenten dreifachen Axel und 77,62 Punkten die Führung vor ihrer Teamkameradin Jelena Radionowa (69,51) und Satoko Miyahara (67,02) aus Japan.