Super Bowl

„Ein Triumph Vollmers wäre super für Deutschland“

Der Berliner Björn Werner schied im NFL-Halbfinale gegen Sebastian Vollmers Team New England Patriots aus. Beim Super Bowl am Sonntag drückt er dem Landsmann aber die Daumen.

Foto: Cj Gunther / dpa

Amerika fiebert seinem Football-Endspiel Sonntagnacht entgegen (1.15 Uhr, Sat.1) entgegen. Beim Super Bowl in Arizona wäre auch Björn Werner, 24, gern aufgelaufen, doch seine Indianapolis Colts schieden im Halbfinale gegen die New England Patriots mit 7:45 aus. In der Berliner Morgenpost spricht der Berliner Defensivspieler über seine zweite Saison in der National Football League (NFL).

Berliner Morgenpost: Der große Traum vom Super Bowl schien so nah. Haben Sie das Aus schon verdaut, Herr Werner?

Björn Werner: Ich bin gerade dabei. Ich konnte leider nicht spielen. Deswegen ist das Ganze noch ein bisschen härter, weil ich nicht draußen auf dem Spielfeld sein konnte, um dem Team zu helfen. Ich wollte den Super Bowl gewinnen. Deswegen spielen wir das Spiel.

Warum hatte Sie Cheftrainer Pagano denn so kurzfristig auf die Bank gesetzt?

Björn Werner: Meine Leistung war zuvor schon beeinträchtigt gewesen durch Verletzungen an Schulter und Knie. Meiner Meinung nach war ich gut genug, um zu spielen, aber am Ende des Tages war es eine Entscheidung der Coaches. Das muss ich akzeptieren. Das war leider schlechtes Timing.

Was ging in diesem Moment in Ihrem Kopf vor?

Björn Werner: Das war der Tiefpunkt meiner Karriere. Es war ja nicht das, was ich hören wollte, und er hat es mir auch erst ganz kurz vor dem Spiel gesagt. Ich wollte durchziehen, anstatt einfach nur zu sagen, ja, ich kann nicht spielen. Das kann ich jetzt aber auch nicht ändern. Aber daraus lernt man, das motiviert mich. Und jetzt geht es nächste Saison weiter.

Ärgert Sie, dass es trotz der Verletzungen Kritik von Experten oder in Fanforen gab?

Björn Werner: Das ist immer so. Jeder ist ein Experte. Jeder weiß es besser, vor allem im Social-Media-Bereich. Aber man muss das auch einfach ausschalten und seinen Weg gehen. Man muss einfach immer besser werden als Spieler.

Die amerikanischen Medien stürzen sich im Vorfeld des Super Bowls nun auf den Deflate-Gate-Skandal. Denn den Patriots wird vorgeworfen, als Gastgeber im Halbfinale elf der vorhanden Spielbälle mit zu wenig Druck aufgepumpt zu haben, um sich dadurch einen Vorteil zu gewähren. War das bei in der Umkleidekabine nach dem Spiel ein Thema bei den Colts?

Björn Werner: Ach, gar nicht. Wir waren in dem Moment schon alle raus, als das dann irgendwann mal im Fernsehen aufkam. Wir hatten eine Klatsche bekommen, das hat nichts mit den Bällen zu tun, das ist egal. Die NFL wird jetzt wahrscheinlich den Patriots eine Strafe aufbrummen, und das war es dann auch.

Statt Ihnen kann nun Sebastian Vollmer, der als Offensive Tackle der Patriots nach 2012 zum zweiten Mal im Finale steht, als erster Deutscher den Super Bowlgewinnen. Wer ist denn Ihr Favorit?

Björn Werner: Ich hoffe, Sebastian kann es gewinnen. Das wäre einfach super für Football-Deutschland. Im Super Bowl stehen einfach zwei total verschiedene Teams. Die Seattle Seahawks sind jung und hungrig. Die Patriots haben die Erfahrung, die Weisheit, das Alter und spielen einfach ausgeglichenen Football. Es wird auf jeden Fall interessant und wird so ein bisschen Oldschool versus Newschool. Quarterback Tom Brady ist mit den Patriots in seinem sechsten Super Bowl! Auch die restlichen Jungs in dem Team waren schon ein paar Mal dabei. Das wird auf jeden Fall ein interessantes Spiel, das ich vielleicht als Studiogast von Sat.1 live in Arizona verfolgen werde.

Worauf freuen Sie sich nach acht Monaten NFL am meisten?

Björn Werner: Dem Körper eine kleine Pause zu geben, um mal wieder etwas herunterzukommen. Und probieren, möglichst gesund zu werden, bis die nächste Saison anfängt. Ich werde ein paar Freunde treffen, etwas faulenzen. Aber das ist genau das Schwere. Du lebst monatelang eiskalt nach Plan, Football, Football, Football. Und dann hört es auf und das hast am nächsten Tag nichts mehr zu tun. Da braucht man manchmal ein paar Tage, um wieder herunterzukommen. Selbst jetzt, fast eine Woche danach, bin ich immer noch die ganze Zeit am Herumzappeln.

Ist ein Heimatbesuch in Berlin geplant?

Björn Werner: Noch ist nichts Genaues geplant. Aber auf jeden Fall geht es für eine Woche nach Deutschland, nach Berlin.

Gibt es dann wie im Vorjahr ein Football Camp mit den Berlin Adlern?

Björn Werner: Ich hatte etwas geplant, eventuell mit unserem Quarterback Andrew Luck. Aber es ist nicht immer einfach, die verschiedenen Pläne unter einen Hut zu bringen. Da müssen wir mal gucken.

Ihr Vertrag in Indianapolis läuft noch bis 2016, würden Sie danach gern noch länger bei den Colts bleiben?

Björn Werner: Ja, auf jeden Fall, für immer. Die Indianapolis Colts sind eine super Organisation, super Trainer, super Familie. Man will natürlich immer bei dem Team bleiben, das einen gedraftet hat. Leider bleibt das nicht oft so. Es gibt echt nur Wenige, die ihre komplette Karriere bei nur einem Team spielen, weil es nun mal ein Business ist. Aber auf jeden Fall wünscht man sich das.