American Football

Ein Berliner Junge auf dem Weg zum Super Bowl

Das Footballspielen lernte Björn Werner einst bei den Adlern in Reinickendorf. Sonntagnacht spielt der 24-Jahre alte Berliner im Halbfinale der US-Profiliga NFL – und trifft dort auf einen Landsmann.

Foto: Cj Gunther / dpa

Vor einer Woche haben sie sich im Viertelfinale noch gegenseitig die Daumen gedrückt, Sonntagnacht (Montag 0.40 Uhr, Sat.1) sind Sebastian Vollmer und Björn Werner in der National Football League NFL aber erbitterte Rivalen.

Im ersten deutschen Duell der Play-off-Geschichte geht es um nichts Geringeres als das Ticket zum Endspiel, den Super Bowl in Glendale/Arizona. Right Tackle Vollmer empfängt mit den New England Patriots die Indianapolis Colts von Outside Linebacker Werner. Heißt: Auf der größten Football-Bühne wird am 1. Februar nur einer von beiden stehen.

Während der frühere Düsseldorfer Vollmer schon seit sechs Jahren fester Bestandteil im New-England-Team ist, machte der Berliner Werner in dieser Saison einen großen Sprung nach vorn. In seinem zweiten NFL-Jahr avancierte der 24-Jährige zur Stammkraft.

Von Reinickendorf zu den US-Profis

Das Footballspielen gelernt hat Werner bei den Berlin Adlern in Reinickendorf. „Seine körperliche Überlegenheit hat man schon damals gesehen“, sagt Pierre von Rymon-Lipinsky, ehemaliger Mitspieler aus der Jugend. „Die größten Schmerzen hat mir Björn zugefügt.“

Über ein Football-Austauschprogramm kam Werner in die USA. Dort durchlief er die komplette amerikanische Football-Schule, zwei Jahre Highschool, drei Jahre College. Mit 18 trieb ihn das Heimweh allerdings kurzzeitig zurück nach Berlin.

Dort gewann er mit den Adlern 2009 den Junior Bowl – eine Sensation. „Die Düsseldorfer Panther hatten über acht Jahre alle Spiele und Titel gewonnen“, sagt Werner, „aber wir haben sie entthront.“

Inspiration für junge Spieler

Einer der damals mit auf dem Feld stand, ist Lars Samjeske. „Björn ist das beste Beispiel dafür, dass man es mit viel Arbeit auch als Deutscher in den USA schaffen kann“, meint der enge Freund des NFL-Cracks. Erst kürzlich lud Werner einen deutschen Nachwuchsspieler zum Colts-Spiel ein. „Er will junge Spieler inspirieren, etwas zurückgeben“, sagt Samjeske.

Nach dem völlig überraschenden Sieg gegen die Denver Broncos zogen die Colts erstmals seit 2009 wieder ins Halbfinale ein. Die Patriots hingegen stehen zum vierten Mal in Folge unter den letzten Vier. 1,91-Meter-Hüne Werner und der zwölf Zentimeter größere Vollmer werden sich auf dem Feld des Öfteren gegenüberstehen. Dennoch wiegelt Werner ab. „Das Spiel lautet Colts gegen Patriots, nicht Werner gegen Vollmer.“

In der regulären Saison entschieden die Patriots das Duell noch klar für sich. Diesmal aber soll es anders laufen. Als Extra-Motivation dient ein Erfolg aus der Vergangenheit. Denn wie man übermächtige Gegner aus Düsseldorf bezwingt, hat Werner schon in der Jugend gezeigt.