Olympische Spiele in jetziger Form sind in demokratisch geführten Ländern nicht mehr vermittelbar. Gerade erst entschied sich Norwegens Regierung mangels Zustimmung der Bürger dagegen, die für Oslos Bewerbung um Winterspiele für 2022 nötigen Staatsgarantien von 3,04 Milliarden Euro bereitzustellen. Da deswegen zuvor bereits Graubünden (Schweiz), München, Stockholm (Schweden) und Krakau (Polen) ihre Bewerbungsinitiativen eingestellt hatten, verbleiben als Bewerber nur noch Almaty, das unter der Herrschaft des kasachischen Autokraten Nursultan Nasarbajew steht, und wieder mal Peking.
Mit dem Holmenkollen als Herz der Spiele hätte Oslo allerbeste Chancen auf den Zuschlag gehabt, denn es war die einzige Alternative zu erneuten Spielen in Asien. Doch mit dem Verzicht dienen die Norweger der olympischen Bewegung letztlich noch viel mehr. Denn nun ist das Internationale Olympische Komitee (IOC) gezwungen, die andiskutierte Reformagenda bei der außerordentlichen Vollversammlung im Dezember tatsächlich nachhaltig anzugehen. „Niemand muss sich Sorgen um die Olympischen Spiele machen“, sagte IOC-Chef Thomas Bach zwar, „wir sehen weltweit, wie diese Spiele mehr denn je als Premiumprodukt wahrgenommen werden. Es würden sonst nicht sehr kühl kalkulierende Firmen oder TV-Anstalten Verträge bis ins Jahr 2032 abschließen.“
Doch der clevere Anwalt weiß sicher, dass er nicht mehr allein Herr des Verfahrens ist. Und eine Bewerbung aus seiner Heimat – egal, ob Berlin oder Hamburg – würde ohne glaubhafte Abkehr vom Gigantismus jedenfalls nicht mal mehr zur Startlinie gelangen.





