Zweite Liga

Erst Union und dann vielleicht ein Tattoo-Studio

Vor fünf Jahren war Christopher Trimmel noch Gelegenheitskicker, der sich mit Fußball das Studium finanzierte. Mittlerweile österreichischer Nationalspieler überzeugt er bei Union durch harte Arbeit.

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Einen Stift und ein Blatt Papier. Wenn es zwei Dinge gibt, die Christopher Trimmel auf eine einsame Insel mitnehmen würde, sind es wohl diese beiden Utensilien. „Mir ist sehr wichtig, dass ich zu Hause viel zeichne. Ich habe schon als Kind immer gern gezeichnet“, sagt der 27-Jährige. Es ist etwas, das dem Österreicher unter die Haut geht. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Union hat man sich in den vergangenen Wochen davon überzeugen können. Seine Tattoos an Armen und Beinen sind auch nur schwer zu verbergen. „Einer meiner besten Freunde ist Tätowierer, er hat natürlich auch mich tätowiert“, erzählt Trimmel: „Durch ihn habe ich auch neue Zeichentechniken gelernt, die man ins Tätowieren umsetzen kann. Das ist für mich ein megainteressantes Thema.“

So geschehen in Wien. Aus dem Burgenland hatte es Trimmel in die österreichische Hauptstadt gezogen, des Studiums wegen. „Meine Überlegung war tatsächlich, Kunst zu studieren. Ich habe dann aber doch Sport studiert“, sagt Trimmel. Fußball? Der sollte eigentlich nur dazu dienen, das Leben in Wien zu finanzieren. Doch bei Rapid erkannte man schnell, dass in Trimmel mehr schlummert als ein Gelegenheitskicker. Das war 2009 – und dann ging alles ganz schnell. Erst der Profivertrag, und „innerhalb eines Jahres war es fast schon so, dass ich Nationalspieler war“, erinnert sich Trimmel. Auf drei Einsätze hat er es im Nationaltrikot gebracht. „Irgendwie war es gut, dass man keine Zeit hatte, um nachzudenken“, sagt Trimmel heute. Geholfen hat ihm die Medien- und Mentalschulung bei Rapid, „das war für junge und neue Spieler Pflicht“.

Der Österreicher sieht sich als Arbeitstier

Bei Union hat sich Trimmel in den vergangenen Wochen auf sein erstes Gastspiel in Deutschland vorbereitet. Ein Burgenländer wagt den Schritt ins Piefke-Land – wie groß war da der Kulturschock? „Den gab es nicht“, sagt Trimmel, „ich liebe Berlin, man kann immer etwas unternehmen. Man hat immer alles in jedem Bezirk. Wien ist eine Superstadt mit viel Lebensqualität. Aber in Berlin ist alles viel größer, das ist der Unterschied.“

Groß rauskommen könnte Trimmel in der bevorstehenden Saison auch bei Union. Im Spielsystem von Trainer Norbert Düwel, das schnellen und gradlinigen Fußball verspricht, spielt er auf der rechten Seite eine wichtige Rolle. Der neue Union-Coach hält große Stücke auf den Österreicher, hat ihn als Stellvertreter des neuen Kapitäns Damir Kreilach bestimmt. Trimmel bringe menschlich alles mit, um eine Mannschaft zu führen: „Er bringt sich hervorragend ein und ist eine echte Verstärkung für uns ist.“

Der Künstler im Privatleben sieht sich auf dem Platz eher als Arbeitstier. Das hatte ihm schon in Wien den Ruf eingebracht, sehr deutsch zu sein. Für Trimmel kein Problem: „In Deutschland ist es einfach so, dass Fitness und Disziplin Grundvoraussetzungen zum Fußballspielen sind. Viele österreichische Talente, die ins Ausland gegangen sind, sind deswegen gescheitert, weil sie zu faul waren oder geglaubt haben, dass es einfach nur mit Technik geht. Als ich damals angefangen habe, war ich technisch sicher drei Level unter allen anderen. Es war nur die Einstellung bei mir.“

Trimmel hat schon selber tätowiert

Immer mit der richtigen Einstellung auf dem Platz – das kommt an bei den Union-Fans, erst recht, wenn es ihm gelingt, das von Düwel geforderte schnelle Offensivspiel auf der rechten Seite umzusetzen. „Es geht immer weiter weg von diesem Tiki Taka der Spanier“, sagt Trimmel, das habe auch die WM in Brasilien gezeigt: „Es wird schneller und athletischer, das gefällt mir viel besser und ist eigentlich genau meins. Es gibt viele Torszenen auf beiden Seiten.“

Als Ausgleich warten zu Hause ein Blatt Papier und ein Stift auf Trimmel. Und die hohe Kunst des Tätowierens. In Wien habe er seinem besten Freund „zwei-, dreimal im Studio zugeschaut und ihn auch schon selbst ein bisschen tätowiert“. Doch wie inzwischen der Fußball soll auch dies nichts nur für nebenbei sein. „Ich hätte schon Kunden, aber ich habe gesagt: Wenn ich das mache, dann zu hundert Prozent.“ So lange wird er sich mit dem Zeichnen begnügen müssen. „Das ist die Grundlage für diesen Beruf“, sagt Trimmel: „Schaun mer mal nach der Karriere, ob ich Tätowierer werde.“