Der anstehende Saisonauftakt in Hoppegarten ist im Terminkalender von Jozef Bojko dick angestrichen. Denn am Sonntag geht für den 43 Jahre alten Jockey der Stress so richtig los. Acht Rennen stehen ab 14.15 Uhr auf dem Ablaufplan, und achtmal wird der gebürtige Slowake, der seit 1993 in Deutschland lebt, sein Lieblingsprozedere durchlaufen. Rennkleidung anziehen, mit Sattel und eventuellem Zusatzgewicht auf den Waagestuhl, das Rennen bestreiten. Die Rennkleidung wechseln (jeder Besitzer hat eigene Kleidungsfarben), mit Sattel und eventuellem Zusatzgewicht auf den Waagestuhl...
„Besser kann es gar nicht sein“, sagt Deutschlands meist beschäftigter Berufsrennreiter. Acht Rennen, acht Ritte, das zeugt vom Rückhalt durch Trainer und Besitzer, die Bojko ihre Pferde anvertrauen. Mehr als 1000 Siege (den Jubiläumserfolg feierte er am 23. November 2013 in Krefeld) haben ihnen Recht gegeben. „Viele Ritte vergrößern die Chance auf Siege. Viele Siege bedeuten mehr Ritte. Im Prinzip ist unser Metier sehr, sehr einfach“, sagt Bojko.
Und auch sein Erfolgsrezept im Rennen fasst er in sehr wenigen Worten zusammen: „Es gibt nur zwei Taktiken. Die richtige oder die falsche.“ Etwa 500 Auftritte im Sattel pro Jahr sind sein Arbeitspensum. 500-mal gilt es, sich richtig zu entscheiden. Die richtige Taktik bringt auf jeden Fall fünf Prozent der Gewinnsumme aus einen Rennen in die Privatschatulle des Jockeys, dazu gibt es ein Reitgeld. Bojko und nahezu alle seiner Berufskollegen haben aber einen weiteren Arbeitsbereich. Sie arbeiten mit den Pferden ihres Rennstalls nach Plänen und Anweisungen der jeweiligen Trainer.
Bojko beginnt in der Regel um 6.30 Uhr mit dem ersten von fünf bis sechs Pferden, die er pro Tag reitet. Ein Trainingsdurchgang dauert – Faustregel – 45 bis 60 Minuten. Stehen keine Rennwochenenden an, gilt der Trainingsbetrieb für eine Sieben-Tage-Woche.
Pokale lagern in Umzugskartons
Großer sportlicher Erfolg bringt für jeden Aktiven, egal in welcher Sportart, ein Problem mit sich. Wohin mit den Pokalen? Bojko wäre nicht Bojko, wenn er nicht auch dafür ein probates Mittel parat hätte. „Momentan verwahre ich sie in sechs Umzugskartons“, lacht er. Momentan heißt bei ihm aber eigentlich immer. Das gilt auch für die bislang wertvollste Trophäe seiner Karriere. 2011 sicherte er sich im Sattel von Waldpark den Sieg im Deutschen Derby. Macht Erfolg süchtig?
„Ich bin eigentlich immer zufrieden, wenn ich meinen Job auf der Rennbahn machen kann. Aber irgendwie süchtig nach der Arbeit mit den Pferden sind wir alle schon. Unser Beruf bedingt Leidenschaft. Aber Profisportler im allgemeinen können ja auch von sich behaupten, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben.“ Jozef Bojko ist Stalljockey bei Andreas Wöhler in Gütersloh. Stalljockey bedeutet unter anderem: Gehen zwei Pferde aus dem gleichen Stall in einem Rennen an den Start, hat er das Wahlrecht, welches er satteln will.
Zum Saisonauftakt 2014 zeigt sich Deutschlands schönste Rennbahn in teilweise neuem Glanz. Auffälligste Veränderungen: Der Zielrichterturm direkt an der Bahn und der Musikpavillon hinter den Tribünen sind entsprechend dem jeweiligen Originalzustand restauriert worden. Für Stephan Buchner, neuer Geschäftsführer an der Seite von Rennbahneigentümer Gerhard Schöningh, zwei gelungene Maßnahmen im Rahmen des Denkmalpflegeprogramms für „national wertvolle Kulturdenkmäler“, aus dem Hoppegarten, bei entsprechender Eigenbeteiligung, insgesamt 750.000 Euro abrufen kann. Buchner: „Beide sind hervorragend gelungen, und auch der Fortschritt im Bereich der Sanierung der zweiten Tribüne ist erfreulich.“
Dreijährige Pferde im Mittelpunkt
Sportlich stehen am Sonntag zwei Rennen für dreijährige Pferde im Mittelpunkt. Da jeweils drei der Starter noch eine Derbynennung besitzen, dürfen deren Besitzer den Traum vom Derbysieg träumen. Was beispielsweise mit Novellist 2012 einmal zur Realität wurde. Einer der aussichtsreichen Kandidaten ist Stanley. Der Hengst startet auf der 2000-m-Distanz. Über 1600 m versucht sich mit Magic Artist ebenfalls ein hoch gehandelter Hengst. Höhepunkt des Tages könnte das Vanjura-Rennen werden, mit dem an die legendäre Hoppegartener Stute erinnert wird. Jozef Bojko ist mit der vierjährigen Stute Quaduna ein chancenreicher Anwärter auf die 15.000 Euro Siegprämie. Heiße Favoriten sind aber Ars Nova, Daksha und Si Luna.
Bereits ab 12 Uhr ist Erholung und Unterhaltung angesagt. Neben einer aufregenden Schleppjagdvorführung mit einer 40 Hunde starken Beaglemeute können Besucher den Nachmittag im gemütlichen Biergarten mit Live-Musik der Brassband des Jugendorchesters Bad Freienwalde – gespielt wird im neuen Pavillon – genießen oder auf der großen Rasenfläche direkt an der Rennbahn picknicken.
Besucher werden von Stelzenläufern begrüßt, die eine kleine Überraschung bereithalten. Kinder werden auf Wunsch der Eltern von Fachkräften betreut, Ponyreiten, Bastelstraße oder Spielplatz sind Standard. Mit Blick auf das vergangene Rennjahr 2013 scheinen die Hoppegarten-Fans das Konzept der Bahn anzunehmen. Die Besucherzahlen sind erneut nach oben gegangen. 2013 waren im Schnitt 8463 Galoppfans pro Renntag anwesend.





