Hurrikan „Sandy“

Bloomberg sagt New-York-Marathon nach heftiger Kritik ab

Zum ersten Mal seit vier Jahrzehnten wird es in diesem Jahr keinen New-York-Marathon geben. Michael Bloomberg sagte ihn überraschend ab.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hat wegen der immensen Schäden durch Hurrikan „Sandy“ den für Sonntag geplanten Marathon-Lauf durch die Stadt abgesagt. Zuvor hatte es massive Kritik von Opfern des Superstrums gegeben. Der Lauf soll nicht nachgeholt werden, wie in der Nacht zu Sonnabend bekannt wurde. Zahlreiche Pop- und Rock-Stars sammelten derweil bei einem Wohltätigkeitskonzert in der Millionenmetropole Spenden für die Opfer von „Sandy“. Mit von der Partie waren unter anderem Bruce Springsteen, Mary J. Blige, Jon Bon Jovi und Sting.

„Wir wollten nicht, dass eine dunkle Wolke über dem Lauf und seinen Teilnehmern schwebt. Deswegen haben wir uns entschieden, den Marathon abzusagen“, teilte Bloomberg mit. Viel wichtiger sei es jetzt, „keinen Streit über ein Leichtathletik-Event zuzulassen – selbst wenn es so bedeutsam wie der New York Marathon ist – und so die Aufmerksamkeit von der wirklich entscheidenden Arbeit wegzulenken, nämlich uns von den Folgen des Sturms zu erholen und unsere Stadt wieder auf Vordermann zu bringen.“ Ein Rennen soll es den Angaben zufolge erst im kommenden Jahr wieder geben.

Einsatzkräfte durch Marathon abgehalten

Hintergrund der Absage ist die anhaltende Kritik von Opfern des Megasturms und anderen Bewohnern der Stadt. Angesichts der Verwüstungen und der noch nicht abgeschlossenen Suche nach Toten sei es unsensibel und würde Einsatzkräfte von wichtigeren Aufgaben abhalten, hatten Kritiker argumentiert.

„Wir können keine Kontroverse über ein sportliches Ereignis zulassen, die die Aufmerksamkeit ablenken würde von all der wichtigen Arbeit, um New York wieder aufzubauen und unsere Stadt wieder in die Spur zu bringen“, heißt es in der kurzen Erklärung. Gleichzeitig wurde der seit 1970 jährlich stattfindende Lauf als „integraler Teil des Lebens dieser Stadt“ gewürdigt.

Die Verlegung des Marathons wurde bereits zuvor besprochen

„Der Marathon hat unsere Stadt immer zusammengebracht und uns inspiriert mit seinen Geschichten des Mutes und der Entschlossenheit“, hieß es weiter. In der Tat hatte der Lauf jedes Jahr stattgefunden – auch 2001, nur wenige Wochen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Für dieses Jahr wurden 47 000 Läufer und zwei Millionen Schaulustige erwartet. Dabei ist der Lauf mehr als ein Sportereignis: Tausende Läufer sind zum Beispiel in Kostümen unterwegs.

„Das war eine unglaublich schwere Entscheidung“, sagte Organisationschefin Mary Wittenberg. „Aber Läufer aus der ganzen Welt haben Monate für dieses Ereignis trainiert. Dass sie sich jetzt die Kritik zuziehen würden, wäre nicht fair.“

New Yorks stellvertretender Bürgermeister Howard Wolfson sagte, dass über eine Verlegung gesprochen worden sei. „Wir haben das diskutiert. Wir haben auch über eine verkürzte Route diskutiert, etwa eine Zehn-Meilen-Strecke. Aber das wäre nicht unser Marathon.“ Zum New-York-Marathon gehöre es, dass er durch alle fünf Stadtteile führe. „Es tut mir leid für alle Läufer, die sich auf dieses Ereignis gefreut haben. Bitte kommen Sie nächstes Jahr wieder.“

Der Marathon habe aus der Schusslinie genommen werden müssen, sagte Wolfson. „Wenn zwei New Yorker zusammen sind, haben sie drei Meinungen. So sind wir, wir streiten gern. Das gilt nicht beim Marathon. Ich kenne niemanden, der ihn nicht liebt. Das schien sich gerade zu ändern und das durften wir nicht zulassen.“ Die Diskussion sei schmerzvoll gewesen. „Und Schmerz hat New York diese Woche schon genug gehabt.“

Bloomebrg verteidigte Start des Marathons

Bei dem verheerenden Wirbelsturm „Sandy“ waren in der Nacht zum Dienstag etwa 40 Menschen in New York getötet worden. Tausende sind obdachlos, Hunderttausende waren auch Tage später noch ohne Strom und Wasser. Auch Benzin ist extrem knapp. Der Marathon hätte nicht direkt durch das Katastrophengebiet geführt. Zudem ist die Versorgung der Läufer aufwendig.

Bloombergs anfängliche Verteidigung des Laufs hatte New Yorks Senatorin Liz Krueger als eklatante Fehlentscheidung kritisiert. „Er bindet erhebliche Kräfte. In keinem der Bezirke läuft es auch nur annähernd normal“, hatte sie der „New York Times“ gesagt. James Molinaro, der Chef des Stadtbezirks Staten Island, war noch deutlicher geworden: „Mein Gott. Was wir hier haben, ist schrecklich, eine Katastrophe. Wenn sie laufen wollen, lasst sie für sich selbst laufen. Das ist nicht die Zeit für eine Parade.“

Bloomberg hatte hingegen von einer „großartigen Veranstaltung für New York“ gesprochen. „Jene, die wir verloren haben, hätten wohl gewollt, dass wir eine Wirtschaft und eine Stadt haben, die für die Hinterbliebenen weitermacht.“ Einer Studie zufolge beschert das Rennen New York normalerweise etwa 340 Millionen Dollar.

Nach dem Wirbelsturm hatte der Marathon von den Veranstaltern den Untertitel „Lauf für den Wiederaufbau„ bekommen. Der Countdown zum Startschuss lief noch lange nach der Absage weiter.

Obama ordnet Treibstofflieferungen für Krisen-Gebiete an

Erstmals seit den massiven Stromausfällen infolge von „Sandys“ Wüten war die Skyline von Manhattan Freitagnacht unterdersseb wieder überwiegend erleuchtet. Doch auf den Straßen staute sich der Verkehr und an Tankstellen bildeten sich endlose Schlangen. Im Streit um das knappe Benzin gingen manchem die Nerven durch, es kam zu Reibereien und Handgreiflichkeiten.

Um die Lage zu entspannen und den von der Verwüstung betroffenen Gebieten zu helfen, ordnete Präsident Barack Obama zusätzliche Treibstofflieferungen an. Obama habe den Kauf von rund 45 Millionen Litern Benzin und knapp 38 Millionen Litern Diesel angeordnet, teilte die Katastrophenschutzbehörde mit. Der Treibstoff soll demnach vor allem nach New York und New Jersey gebracht werden.

Vier Tage nach der verheerenden Verwüstung durch den Hurrikan waren am Freitag an der US-Ostküste noch immer knapp vier Millionen Menschen ohne Strom. Der Gesamtschaden könnte Schätzungen zufolge bis zu 50 Milliarden Dollar (etwa 39 Milliarden Euro) betragen.

US-Stars sammeln mit Benefizkonzert Spenden

US-Sängerin Christina Aguilera eröffnete derweil das Benefizkonzert des Fernsehsenders NBC mit ihrem Song „Beautiful“. Viele der Musiker auf der Bühne hatten eine persönliche Verbindung zu den schwer von dem Hurrikan verwüsteten Staaten New York und New Jersey. Aguilera kommt beispielsweise aus Staten Island, einer New Yorker Gemeinde, die der Supersturm bis zur Unkenntlichkeit zerstört hatte.

Der Erlös sollte dem Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen zugutekommen. Das Konzert sollte auf mehreren Kanälen von NBC Universal Networks ausgestrahlt werden. Auch andere Sender waren eingeladen, das Konzert zu übertragen. Viele lehnten das Angebot jedoch ab. Der Unterhaltungskonzern Walt Disney, dem der Sender ABC gehört, kündigte an, ohne das Konzert zwei Millionen Dollar an das Rote Kreuz zu spenden. Zahlreiche Sendungen auf ABC sollen am kommenden Montag für einen „Tag des Gebens“ werben. Auch CBS, Viacom, MTV und das Fox Network kündigten Spenden an.

NBC hatte bereits nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und nach dem Wüten von Hurrikan „Katrina“ je ein Benefizkonzert veranstaltet.