Fortuna gegen Bayern

Campino will ein Autogramm von Bayern-Boss Uli Hoeneß

Die Toten Hosen pöbelten einst gegen die Bayern. Nun erleben die Fortuna-Fans wieder ein Pflichtspiel gegen Bayern - und wollen Autogramme.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Es war am Abend des 14. Mai, die Spieler von Fortuna Düsseldorf steckten mitten in der Vorbereitung auf das Relegationsrückspiel gegen Hertha BSC am Tag darauf, als die Mannschaft Besuch bekam. Die Toten Hosen waren ins Hotel gekommen, um sich mit dem Team auf eines der wichtigsten Spiele des Klubs in den vergangenen Jahrzehnten einzustimmen. Die Band gab ein Privatkonzert und spielte ihre neue Single „An Tagen wie diesen“. Die Spieler bezeichneten den Auftritt als „magischen Moment“, schließlich holte die Fortuna nach dem 2:1 in Berlin ein 2:2 im Rückspiel und schaffte nach 15 Jahren Abstinenz und dem Absturz bis in die vierte Liga den Aufstieg in die Bundesliga. Als das Spiel beendet war, ertönte „An Tagen wie diesen“ aus den Lautsprechern, seitdem ist der Song die inoffizielle Vereinshymne.

Die Anekdote erzählt, wie eng die Verbundenheit zwischen dem Fußballklub und den Musikern ist. Vor dem Spiel gegen den FC Bayern wurde den Bandmitgliedern diese Woche sogar die Ehrenmitgliedschaft verliehen. „Die Gruppe stand von Anfang an hinter uns und hat immer an uns geglaubt“, sagte Präsident Peter Frymuth und fügte hinzu: „Die Toten Hosen haben uns international bekannt gemacht, als wir in unteren Ligen spielten.“ Es sei jetzt an der Zeit, so Frymuth, „zurückzublicken und diese Leistung zu würdigen“. Campino erklärte: „Als Fans von Fortuna haben wir über die Jahre immer wieder versucht, den Verein im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen. Wir freuen uns, wenn uns das hier und da gelungen sein sollte.“ Es sei besonders schön, nun zu erfahren, „dass man nicht vergessen hat, was hier in den dunkelsten Stunden los war. Wir sind zu einer echten Familie zusammengewachsen.“

Hoeneß außer sich

Die offizielle Ehrung findet am Freitag statt. Dass es danach gegen die Bayern geht, ist kein Zufall. Pflegten die Hosen zu den Münchnern doch einst eine ganz besondere Abneigung. Im Jahr 1999 komponierten sie das Lied „Bayern“, dessen Message lautete: „Ich würde nie zum FC Bayern München gehen.“ Uli Hoeneß war außer sich, als der Song erschien. „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft mal ersticken wird“, sagte Hoeneß über das Lied, in dem es heißt: „Was für Eltern muss man haben, um so verdorben zu sein, einen Vertrag zu unterschreiben, bei diesem Scheißverein?“ Campino sagt heute: „Wir haben das damals als Drittligist gebraucht, weil wir es lustig fanden, als Hund den Mond anzubellen.“ Und Hoeneß? „Wenn ich zu ihm durchkomme, werde ich mir ein Autogramm holen.“

Ob der Campino eines geben wird? Wahrscheinlich schon. Schließlich hat Hoeneß etwas übrig für Menschen, die leidenschaftlich ihren Verein unterstützen. Und dies haben die Punkrocker mit erstaunlicher Vehemenz getan. Eigentlich können sie sich auf die Fahnen schreiben, dass die Fortuna überhaupt noch existiert. Als im Sommer 2001 angesichts von acht Millionen Mark Schulden die Pleite drohte und die Düsseldorfer Unternehmen ihrem örtlichen Drittligisten ihre Unterstützung versagten, sprang die Band als Haupt- und Trikotsponsor ein.

Die Geldsumme, die die Toten Hosen von ihrem Sponsor, einer Brauerei, erhielten, leiteten sie an die Fortuna weiter. Zwei Jahre lang prangte auf den Trikots der ersten Mannschaft das Totenkopf-Logo der Band, danach sponserten sie bis zum Jahr 2008 die Juniorenteams weiter. Schon unmittelbar nach Verkaufsbeginn hatten die Shirts Kultcharakter, in der ersten Saison wurden im deutschen Profifußball nur die Trikots des FC Bayern öfter verkauft – obwohl Düsseldorf in die vierte Liga abstieg. Wer heute solch ein Trikot kaufen will, muss in Internet-Auktionshäusern Hunderte Euro hinblättern.

Eine Mark pro Eintrittskarte

Bereits in der Saison 1989/1990 hatten die Toten Hosen ihrem Lieblingsklub geholfen und dafür gesorgt, dass der Wunschspieler Anthony Baffoe verpflichtet werden konnte, indem sie bei ihrer Tournee eine Mark pro Eintrittskarte für die Fortuna einbehielten. So kamen 150.000 Mark zusammen, knapp die Hälfte der geforderten Ablöse war damit finanziert. Vier Jahre später spendeten die Bandmitglieder, von denen vor allem Andreas Frege alias Campino und Michael Breitkopf alias Breiti bis heute kaum ein Pflichtspiel verpassen und bei Konzerten regelmäßig Fortuna-Lieder anstimmen, 80.000 Mark für die Gründung des „Fanprojekts Düsseldorf“.

Dass sie nun nach 15 Jahren wieder ein Pflichtspiel gegen die Bayern erleben, ist ein besonderer Moment. Das wissen auch die Münchner und lassen Gnade walten. „Campino ist nicht nur ein guter Musiker, sondern war auch Fan, als Fortuna in der Amateurklasse war“, sagte Trainer Jupp Heynckes: „Mir imponiert Campino. Wenn er von Uli ein Autogramm holen will, dann soll er das tun.“