Doping

Jan Ullrich will Armstrongs Tour-de-France-Siege nicht

Der deutsche Ex-Radsportprofi will sich nach dem Doping-Eklat um Lance Armstrong „nicht mit fremden Federn schmücken”.

Jan Ullrich erhebt keine Ansprüche auf drei Tour-de-France-Titel seines seit Freitag aus allen Ergebnislisten ab 1998 gestrichenen ehemaligen Rivalen Lance Armstrong.

„Ich werde mich sicherlich nicht mit fremden Federn schmücken“, sagte Ullrich dem Nachrichtenmagazin Focus. Der selbst als Dopingsünder verurteilte Tour-Sieger von 1997 hatte bei Armstrongs Erfolgen 2000, 2001 und 2003 jeweils den zweiten Platz belegt. Dadurch gilt Ullrich formal für den Fall der Aberkennung von Armstrongs Erfolgen als ein Anwärter auf die jeweiligen Titel.

Ullrich begründete seine Haltung mit sportlichen Aspekten und nicht mit moralischen Problemen aufgrund seiner Doping-Vergangenheit. „In den Jahren war Lance einfach besser als ich. Das akzeptiere ich - damals wie heute“, sagte der Wahl-Schweizer.

Armstrongs Absetzung als Sieger von insgesamt sieben Frankreich-Rundfahrten ist trotz der Annullierung seiner Ergebnisse aus den vergangenen 14 Jahren und seiner lebenslangen Sperre durch die US-Anti-Doping-Agentur USADA noch nicht offiziell. Als einzige Instanz könnte der Weltverband UCI dem Texaner die Erfolge aberkennen, allerdings hat die UCI noch keine konkrete Stellung zur Entwicklung im Fall Armstrong genommen.

Fraglich ist außerdem, ob angesichts der Doping-Problematik auch anderer Tour-Zweiter in den Jahren von Armstrongs Siegen überhaupt neue Gewinner ernannt würden. Nach dem Dopinggeständnis des 1996er Siegers Bjarne Riis (Dänemark) kürte der Tour-Veranstalter ASO vor fünf Jahren keinen neuen Titelträger.

Der Weltverband UCI lehnte eine Annullierung von Riis' Titel ab, da das betreffende Dopingvergehen zum Zeitpunkt des Geständnisses des dänischen Rennfahrers im Jahr 2007 bereits verjährt war. Die Verjährungsfrist der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA für Dopingverstöße beträgt acht Jahre. Diesem Kriterium zufolge könnte Armstrong nur noch sein letzter Tour-Titel von 2005 aberkannt werden.

Armstrong-Stiftung: Spenden vervielfacht – Sponsoren bleiben

Die Spenden für die Krebs-Stiftung von Lance Armstrong sind deren Angaben zufolge sprunghaft angestiegen, nachdem der siebenmalige Tour-de-France-Sieger angekündigt hatte, sich nicht mehr gegen Dopingvorwürfe zu wehren. Geschäftsführer Doug Ulman sagte dem US-Sportsender ESPN am Freitag im texanischen Austin, bis zum Nachmittag seien 78.000 Dollar an Spenden eingegangen. Am Donnerstag seien es nur 3200 Dollar gewesen.

„Es war überwältigend. Die vielen E-Mails, Anrufe und Mitteilungen haben uns einfach sprachlos gemacht“, sagte Ulman. Im vergangenen Jahr hatte die Stiftung mit dem Namen Livestrong 51 Millionen Dollar gesammelt. Ihr Ziel ist die Unterstützung von an Krebs erkrankten Menschen. Die Unterstützer der Stiftung, die für ihre gelben Armreifen bekannt ist, würden die Entscheidung von Armstrong akzeptieren und nun auf ihrem Weg weitergehen wollen.

Mehrere Sponsoren kündigten an, die Zusammenarbeit mit Armstrong fortzusetzen, darunter der Sportartikelhersteller Nike und der Bierkonzern Anheuser-Busch. Andere wollen die weitere Entwicklung zunächst abwarten oder äußerten sich noch nicht.

In einer Nike-Erklärung hieß es, Armstrong habe seine Unschuld beteuert und sei in diesem Punkt standhaft geblieben. Nike plane, Armstrong und dessen Stiftung weiterhin zu unterstützen, zitierte die Agentur Reuters aus der Erklärung. Nike hilft der Stiftung seit 2004 und erfand das gelbe Armband, von dem bereits 84 Millionen Stück weltweit verteilt wurden. Der bei Anheuser-Busch für das US-Marketing zuständige Vizepräsident Paul Chibe meinte über Armstrong: „Er hat Millionen mit seinen sportlichen Erfolgen und seinem Engagement für Krebs-Überlebende und deren Familien inspiriert.“

Armstrongs Manager Bill Stapleton zeigte sich überzeugt, dass sein Klient weiterhin bestens zu vermarkten sei. Pro Vortrag erhalte er ein Tages-Honorar von 150 000 Dollar, pro Jahr absolviere Armstrong etwa solche 20 Auftritte gegen Gage. „Seine vielen Fans werden zu ihm halten“, betonte Stapleton.