Schwer gefallen dürfte ihm die Entscheidung kaum sein. Eine Sperre von zwei Spielen forderte der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für den Düsseldorfer Mittelfeldspieler Andreas Lambertz im Nachgang des unter chaotischen Bedingungen beendeten zweiten Relegationsspiels der Fortuna gegen Hertha BSC. Zwei Spiele und dazu 5000 Euro Strafe, nur, für das Hochhalten einer Fackel, wo doch der Einsatz von Feuerwerk in den Stadien vom DFB strikt abgelehnt wird.
Lambertz nahm das Strafmaß am Donnerstagmittag an. Damit verpasst er die ersten beiden Spiele von Fortuna in der Bundesliga. Die Berliner, ohnehin schon gestraft genug durch den Abstieg in die Zweite Liga, soll es dagegen wesentlich härter treffen. Merkwürdig finden das einige bei Hertha, unverhältnismäßig. Aber derzeit fühlt sich sowieso alles an bei den Berlinern, als hätte sich die ganze Welt gegen sie verschworen. Gleich vier Profis sind angeklagt: Levan Kobiashvili soll für ein ganzes Jahr aus dem Verkehr gezogen werden, Christian Lell für sechs Spiele, Torhüter Thomas Kraft für fünf und Kapitän André Mijatovic für vier Partien.
Sportwidriges Verhalten
Anders als Düsseldorf nimmt Hertha die Strafen nicht hin. Bis zum Mittag legten die Spieler durch ihren vom Klub bestellten Anwalt Christoph Schickhardt Einspruch ein. Zumindest auf drei Profis trifft das zu, denn Christian Lell lässt sich durch einen eigenen Rechtsbeistand vertreten, aber auch er lehnte die Sperre ab. Zwar hatte Hertha angeboten, das zu übernehmen. Doch Lell, der keinen Vertrag für die Zweite Liga besitzt und wohl im Zwist liegt mit dem Klub, wollte das nicht. Wie das Urteil gegen den Abwehrspieler ausfällt, ist am Ende ohnehin nicht relevant für Hertha.
Ob es das für Mijatovic sein wird, ist derzeit noch nicht zu sagen. Am Mittwoch saßen Manager Michael Preetz und der neue Trainer Jos Luhukay lange zusammen und berieten über die Kaderausrichtung. Noch ist unklar, ob Mijatovic wirklich eine Rolle spielt bei Luhukay. Der hatte am Dienstag bei seiner Vorstellung ein Korsett genannt, auf dem er aufbauen wolle. Dazu gehören Spieler wie Roman Hubnik, Fabian Lustenberger und Peter Niemeyer. Ebenso aber Kraft und Kobiashvili. Er sei einer der Leistungsträger, „die uns zurück in die erste Liga bringen sollen“, stellte Preetz bei der Mitgliederversammlung klar.
Insofern würden drastische Sperren die Planungen des Klubs behindern. „Wir haben schon zwei Wochen verloren“, sagte Luhukay bei seiner Präsentation und wies auf die widrigen Umstände für die Neustrukturierung hin. Der Ausfall von Kraft, dem wie Mijatovic Schiedsrichterbeleidigung vorgeworfen wird – bei Lell kommt noch sportwidriges Verhalten hinzu –, für fünf Partien wäre schon heikel. Für den 34-jährigen Kobiashvili, mit 336 Spielen der am meisten einsetzte Ausländer in der Bundesliga (mit Ze Roberto), wäre die Sperre gleichbedeutend mit dem Karriereaus in Deutschland. Noch nie ist ein Profi so lange gesperrt worden. Die bisherige Höchststrafe erhielt Timo Konietzka, der 1966 sechs Monate zuschauen musste, weil er den Schiedsrichter getreten, gestoßen haben soll.
Entscheidung nächste Woche
Kobiashvili wird unterstellt, Referee Wolfgang Stark (Ergolding) bei der Partie in Düsseldorf geschlagen zu haben. Stark hatte das ausgesagt im ersten Relegationsprozess vor dem Sportgericht des DFB. Angesichts des möglichen Ausmaßes der Sanktionen, so ist zu hören, sei der Georgier derzeit psychisch fertig. „Levan Kobiashvili schwört Stein und Bein, dass er nicht geschlagen hat“, betonte Hertha-Präsident Werner Gegenbauer auf der Mitgliederversammlung.
An Anwalt Christoph Schickhardt ist es nun, entlastendes Material vor allem für Kobiashvili beizubringen. „Ich arbeite in Ruhe, alle Schritte werden intensiv beraten“, sagt der Jurist. Mehr will er wegen des laufenden Verfahrens nicht von sich geben. Vielleicht keine schlechte Strategie, nachdem er bei den beiden Verhandlungen wegen der Spielwertung der Partie in Düsseldorf jeweils vor den Prozesstagen hochemotionale Äußerungen getätigt hatte.
Die Strafanträge werden nun dem Einzelrichter des DFB-Sportgerichts vorgelegt. „Dieser will spätestens Anfang nächster Woche darüber entscheiden“, teilt der DFB mit. Hertha setzt unter anderem darauf, dass die Aussagen des Schiedsrichters und seiner Assistenten schon in der Verhandlung von dem Bundesgericht nicht mehr so eindeutig waren wie noch beim ersten Prozess. Der Klub strebt eine schnelle Lösung an, allerdings ist nicht absehbar, inwieweit nach einer Entscheidung des Einzelrichters neue Einsprüche geltend gemacht werden.
Auf die schriftliche Urteilsbegründung des DFB-Bundesgerichts wartet Hertha derweil noch immer, sogar nachgefragt, wann damit zu rechnen sei, hat der Klub. Allerdings sind die Aussichten, dass die Berliner noch einmal wegen der Spielwertung in Berufung gehen, gleich null. Mit der Zweiten Liga hat sich Hertha abgefunden, mit den Spielerstrafen längst nicht.





