Relegationsspiel

Hertha BSC und der Abstieg ohne Gnade

Das DFB-Bundesgericht hat entschieden: Es gibt kein Wiederholungsspiel. Lutz Teske über das Urteil und Herthas Niederlage.

Wirklich, es ist vollbracht! Die Sportjustiz des Deutschen Fußball-Bundes hat auch in zweiter Instanz das Urteil gefällt, dass Hertha BSC kommende Saison zweitklassig spielen muss. Und ohne endloses Urteilspapier zu studieren: Dieser Entscheid kann keinen Fußballfan überraschen. Ein Verein, der 36 Fußballspiele nicht nutzen konnte, den Klassenerhalt zu sichern, durfte nicht ernsthaft darauf hoffen, angesichts der Skandale in der Nachspielzeit im Gerichtssaal noch Gnade zu finden.

Natürlich, in Düsseldorf ist nicht alles mit sportlich rechten Dingen zugegangen. Natürlich, die Sicherheit war im Chaos nicht gewährleistet. Aber, und das bleibt festzuhalten: Allein „Halb-Angst“ (Rehhagel) und „Fußball-Angst“ (Mijatovic) und vielleicht 90 Sekunden nicht gespielte Overtime waren einfach zu schwache Argumente für ein drittes Relegationsspiel.

Immerhin waren es doch wenige unverbesserliche Hertha-Fans, die mit Bengalos für den ersten Skandal sorgten und damit Gedanken an einen Spielabbruch erst ins Stadion warfen. Es waren auch Hertha-Spieler, die Schiedsrichter Stark körperlich und verbal heftigst attackierten. Und mit alldem die Stimmung auch der DFB-Richter zusätzlich gegen Berlin richteten. Fortuna-Spieler im Jubelrausch mit Leuchtfackeln, ein geklauter Elfmeterpunkt, jubelnde Fans im Aufstiegstaumel auf dem Platz – Verfehlungen, die der DFB in einem getrennten Verfahren hart bestrafen muss, die aber nicht ausreichten, den Spielausgang und damit auch die Tatsachenentscheidung zu revidieren. Nachvollziehbar.

Hertha hat auch gekämpft, weil gekämpft werden musste. Ein mittelständisches Unternehmen ist dazu verpflichtet, alle juristischen Chancen zu nutzen, um wirtschaftlichen Schaden abzuwenden, um etwa eine Klagewelle von Sponsoren oder Mitgliedern wegen entgangener Einnahmen zu vermeiden. Erste oder Zweite Liga – es stehen eben Millionen von Euro auf dem Spiel.

Doch nun ist gut. Hertha sollte nach zwei Instanzen die Akte Bundesliga für dieses Jahr schließen und sich auf das konzentrieren, was wichtig ist. Etwa, das ramponierte Image zu verbessern. Das gewaltig schaurige Saisonfinale hat dem Klub, der eh schon nicht zu den beliebtesten im Lande zählt, neuerlich Schaden zugefügt. Kaum auszudenken, wäre Hertha als in die Bundesliga geklagter Klub durch die Lande gezogen. Nun besteht wenigstens die Chance, mit einer neuen Mannschaft in Liga zwei wieder Sympathien zu gewinnen. Wobei, und das ist das Dilemma: Genau die Protagonisten, die den Niedergang zu verantworten haben, wollen diesen Umschwung einleiten. Insofern ist es vielleicht das einzig Gute an Herthas schrecklicher Endlos-Saison, dass sich Präsident Gegenbauer und sein Erfolglos-Manager Preetz am Dienstag den Mitgliedern mit ihrer Bilanz des Grauens stellen müssen. Denn Volkes Stimme kann noch gnadenloser sein als jedes DFB-Urteil.

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