Hertha-Fandialog

Gegenbauer knüpft sein Schicksal an die Personalie Preetz

Vor der Mitgliederversammlung haben die Bosse von Hertha mit den enttäuschten Fans gesprochen und sich ihren Fragen gestellt.

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Dann platzte Werner Gegenbauer doch noch der Kragen. Als der Präsident von Hertha BSC gleich mehrmals auf seinen Treueschwur für Michael Preetz angesprochen wurde und am Ende gar zu möglichen familiären Verbindungen mit dem kritisierten Manager Auskunft geben sollte, rief er ins Mikrofon: „Irgendwann ist der Topf voll, irgendwann hören die Gerüchte auf – sonst ist Schluss!“ In den insgesamt drei Stunden vor und nach dem Mini-Ausraster ging es beim Fan-Treffen mit den Hertha-Verantwortlichen eigentlich recht gesittet zu. Dabei rumort es im Verein und in der Fanszene gewaltig.

Gegenbauers Gefühlsausbruch – der im Affekt sogar als indirekte Rücktrittsdrohung verstanden werden kann – war womöglich nur ein kleiner Vorgeschmack auf nächsten Dienstag. Die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung samt Präsidiumswahl ist längst zu einer Veranstaltung für oder wider Manager Preetz verkommen. Und Gegenbauer verknüpft sein Schicksal unumwunden mit dem von Preetz.

Preetz-Fürsprecher Gegenbauer

Bei der „Generalprobe“ am Donnerstagabend wurde Gegenbauer immer wieder gefragt, ob denn der Manager nach wohl zwei Abstiegen aus der Fußball-Bundesliga in drei Jahren und einem unwürdigen Trainerchaos in dieser Saison nicht endlich die Verantwortung übernehmen und zurücktreten müsse. Aber Gegenbauer durchschaute die Fragen: „Sie wollen ein Schlachtfest“, sagte der Hertha-Boss, „aber das kommt mit mir nicht infrage!“

In den Berliner Zeitungen hatten sich in dieser Woche gleich mehrere Präsidiumsmitglieder und -kandidaten zu Wort gemeldet, die Preetz vor die Tür setzen wollen. Der hat in Gegenbauer aber seinen mächtigsten Fürsprecher: „Ich stehe zu Michael Preetz, weil ich glaube, dass er der richtige Mann für Hertha BSC ist.“ Am Mittwoch hatte der Hertha-Boss bereits angekündigt, die Präsidentenwahl sei auch ein Votum über Preetz. Sollte der einzige Kandidat Gegenbauer die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang verfehlen, schmeißt er hin.

Bei den offiziell gezählten 608 Zuhörern im Palais am Berliner Funkturm wechselten sich am Donnerstag Applaus und vereinzelte Pfiffe stetig ab. „Es steht außer Frage, das wir uns nicht mit Ruhm bekleckert haben“, räumte Preetz ein und ergänzte: „Ich bin mir im Klaren, dass ich heute zu vielen Themen schlechte Argumente habe.“

Vor allem ein Rückblick auf die Abschiedsposse um Markus Babbel erhitzte die Gemüter. Der Manager warf dem inzwischen verhassten Ex-Coach mangelnde Identifikation mit Hertha BSC vor: „Hier hat jemand ein Sprungbrett gesucht, um dann den Absprung zu machen“, giftete Preetz und erntete dafür laute Buh-Rufe aus dem Auditorium.

Entscheidung am Dienstag

Freilich keine Antworten hatten Manager und Präsident auf die Fragen einiger Anhänger, wie denn der dramatische Leistungsabfall in diesem Jahr zu erklären sei. Auch ein Rezept für eine Verbesserung der Lage in Zukunft blieben die beiden schuldig. Einzig wie er den Neuanfang angehen wolle, wusste Gegenbauer. „In dieser Besetzung“, sagte der Präsident und blickte auf dem Podium zu Preetz.

Die Entscheidung darüber dürfte am Dienstag fallen. Ein Aspekt kommt dem kriselnden Führungsduo zugute: Überzeugende Alternativen zu Preetz und Gegenbauer kann die Opposition nicht präsentieren. So ist das Selbstbewusstsein des Präsidenten zu erklären, der auf den Kommentar eines Fans etwas schnippisch entgegnete: „Sie fordern mich zum Rücktritt auf, dieser Aufforderung werde ich nicht nachkommen.“

Am Dienstag könnte sich der Sachverhalt ändern, zumal dann noch mehr Fan-Vertreter sprechen wollen, die sich am Donnerstag zunächst zurückhielten. Wie es hieß, wollten diese Anhänger ihre Munition nicht schon bei dem Vorgeplänkel verschießen.

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