Morgenpost Online: Herr Hanning, was müssen die Spieler von Hertha BSC oder Alba Berlin am Dienstagabend tun, damit sie das Wunder von Düsseldorf oder Würzburg schaffen?

Bob Hanning: Nun, es steht uns nicht zu, anderen großen Klubs Ratschläge zu geben. Bei Hertha habe ich aber ein gutes Gefühl. Auch weil die Düsseldorfer schon ihre Aufstiegsfeier geplant haben. Das sollte Ansporn genug für die Berliner sein und spricht nicht gerade für eine maximale Fokussierung auf den Erfolg. Genau diese Eigenschaften aber wird Hertha zeigen.

Morgenpost Online: Was waren die entscheidenden Faktoren für die gelungene Aufholjagd der Füchse gegen Ademar Leon/Spanien?

Bob Hanning: Allen voran die große Leidenschaft. Dieses Wort beinhaltet das Wort Leiden, und genau dazu muss man bereit sein, wenn man Erfolg haben will.

Morgenpost Online: Müssen Trainer und Manager die Spieler vor solch großen Entscheidungsschlachten bei der Ehre packen?

Bob Hanning: Auf jeden Fall. Aber ich gehe grundsätzlich davon aus, dass jeder Profisportler generell immer Spiele gewinnen will. Das ist eine Frage der Persönlichkeit und des Charakters. Jeder Spieler muss dabei stets aus seiner Komfortzone heraustreten und sich aufs Wesentliche konzentrieren. Und natürlich muss man immer an sich glauben und darf nie aufgeben.

Morgenpost Online: Bei Alba war die Rede davon, dass die Angst vor einer Blamage die Spieler hemmt.

Bob Hanning: Grundsätzlich kann man Druck als Rückenwind nehmen oder als Gegenwind verspüren. Das ist im Sport immer wieder zu beobachten. Wenn der Druck zur Belastung wird, dann werden die Beine schwer, und wenn der Druck Spaß macht, dann ist man zu Außerordentlichem in der Lage.

Morgenpost Online: Würden die Füchse von Herthas Abstieg in Bezug auf Sponsoren profitieren?

Bob Hanning: Rein wirtschaftlich gesehen wäre dies ein Gewinn, aber das wäre viel zu kurz gesprungen. Denn Hertha ist ein Klub, der alle anderen Vereine in Berlin mitnimmt. Wenn man im Ganzen denkt, wäre der Abstieg von Hertha eine Katastrophe für Berlin.