Olympia 2012

Berlin will in London zehn Medaillen holen

In 100 Tagen starten die Olympischen Spiele - viele Berliner Athleten müssen sich noch qualifizieren. Die Erwartungen sind gemischt.

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Andre Höhne hat's gut. Der Geher vom SC Charlottenburg wird sicher bei den Olympischen Spielen in London (27. Juli bis 12. August) dabei sein. Der Plan des 34-Jährigen ist genau aufgegangen.

„Ich wollte gleich bei der ersten Qualifikationsmöglichkeit die Olympia-Norm schaffen“, sagt der Berliner. Und Ende März hat das beim Wettkampf in Dudince (Slowakei) dann über 50 Kilometer auch geklappt.

„Das gibt einem natürlich die nötige Sicherheit.“ Um sich auch noch die von heute an verbleibenden 100 Tage bis zu den Spielen in London in Ruhe vorzubereiten. Es werden nach 2004 und 2008 die dritten Spiele für ihn sein.

Olympia-Premiere feiern hingegen die beiden Berliner Boxer Stefan Härtel und Enrico Kölling, die nach entsprechenden Ergebnissen bei einem Qualifikationsturnier ebenfalls ihren Platz sicher haben. Irene Ivancan hat vor einigen Tagen mit einem Erfolg beim Tischtennis-Turnier in Luxemburg dafür gesorgt, dass ein deutsches Team in London an den Start gehen kann, in dem sie wohl stehen wird.

Kriterien teilweise unübersichtlich

Andere Berliner, die sich am Olympiastützpunkt (OSP) in Berlin vorbereiten, haben es noch nicht so gut. Natürlich zweifelt niemand daran, dass Athletinnen wie Britta Steffen, zweimalige Goldmedaillengewinnerin in Peking 2008 im Schwimmen, oder Lena Schöneborn, die vor vier Jahren im Modernen Fünfkampf gewann, in London starten werden.

Aber auf der wirklich sicheren Seite sind sie erst, wenn die letzten Qualifikationskriterien erfüllt sind. Auch auf Diskus-Weltmeister Robert Harting trifft dies zu. Nach einer Knieoperation hat er wertvolle Zeit für die Vorbereitung verloren, die Qualifikations-Norm dürfte für ihn dennoch ein Klacks sein.

Von Sportart zu Sportart völlig unterschiedlich und teils recht unübersichtlich sind besagte Kriterien. Steffen wird bei den Anfang Mai in Berlin stattfindenden Deutschen Meisterschaften entsprechende Zeiten schwimmen müssen, im Modernen Fünfkampf werden die Olympia-Tickets über Ergebnisse im Weltcup und der resultierenden Rangliste verteilt.

Schöneborn liegt da sehr gut. In manchen Sportarten werden lediglich Quotenplätze für ein Land vergeben, der Verband selbst entscheidet dann, wen er schickt. Über die Tennis-Weltrangliste kann Sabine Lisicki den Sprung schaffen.

Kleinste Mannschaft seit der Wiedervereinigung

Auch Sara Goller und Laura Ludwig, die Beachvolleyballerinnen von Hertha BSC, können sich direkt über die Weltrangliste qualifizieren. „Wir stehen gut da“, sagt Laura Ludwig mit Blick auf die momentane Platzierung, „da sollte uns nicht mehr viel passieren.“

Sie starteten gestern beim Weltserienturnier in Brasilia in die neue Saison. In Südamerika haben die beiden Gelegenheit, ihrem olympischen Traum ein weiteres Stück näher zu kommen. „Olympia ist einfach das große Ziel, von dem wir schon als Jugendliche geträumt haben.“

Auch Harry Bähr, der Berliner OSP-Leiter, hatte einen Traum. „50 plus X“, so lautete seine Prognose für die Berliner Teilnehmerzahl ein Jahr vor der Eröffnung am 27. August. Inzwischen haben vor allem die Ballsportler gepatzt – allein acht Wasserballer aus Spandau sowie mindestens zwei Alba-Basketballer werden fehlten.

„Aber wir halten an unserer Prognose fest“, sagt Bähr und verweist darauf, dass zum Beispiel wohl mehr Ruderer als erwartet dabei sein werden. Mit 54 Sportlern schickte Berlin nach Peking seine bisher seit der Wiedervereinigung kleinste Mannschaft.

Acht Teams in der Qualifikation gescheitert

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) rechnet für London mit einem Team von insgesamt knapp über 400 Athleten. Noch nie seit 1992 waren es so wenige, in Peking starteten 441, in Sydney 2000 umfasste die bisher kleinste Mannschaft 428 Sportler.

Es schlägt besonders durch, dass eben acht von zwölf deutschen Mannschaften in der Qualifikation gescheitert sind. Lediglich die beiden Hockeyteams sind sicher dabei; die beiden Volleyballteams haben noch eine nicht allzu große Chance, sich zu qualifizieren.

An seinem Medaillenziel hält Bähr ebenfalls fest. „Wir haben die Chance, mindestens zehn Medaillen zu holen.“

Wobei in der Vergangenheit die Bilanz der Berliner Athleten rückläufig war: In Peking gab es acht Medaillen (viermal Gold, einmal Silber, dreimal Bronze), in Athen 2004 13 (7/2/4) und in Sydney 18 (5/5/8).

Natascha Keller weiß, wie's gemacht wird. Die 34-Jährige, mit mehr als 400 Einsätzen Hockey-Rekordnationalspielerin, gewann 2004 Gold. Für sie werden es ihre fünften Spiele sein.

Vielleicht fällt ihr sogar der „Job“ als Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier zu: „Das wäre natürlich eine große Ehre für mich.“