Drei Platzverweise

Kölner besiegen Hertha trotz Unterzahl

Drei Rote Karten gab der Polizeibeamte Guido Winkmann und wurde damit ungewollt zur Hauptfigur des hektischen Abstiegsduell. Beim 1:0 des 1. FC Köln gegen Hertha BSC sprach der 38 Jahre alte Schiedsrichter Platzverweise gegen Mato Jajalo wegen eines Foulspiels sowie gegen Levan Kobiashwili und Lukas Podolski aus.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Trotz altbekannter Mauer-Taktik hat Trainer Otto Rehhagel mit Hertha BSC Berlin einen Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt hinnehmen müssen. Als Tabellen-15. verlor die Hertha das hektische Kellerduell beim direkt davor platzierten 1. FC Köln nach insgesamt drei Platzverweisen hochverdient mit 0:1 (0:1) und kassierte die zweite Niederlage im dritten Spiel unter dem 73 Jahre alten Meistertrainer.

Die Kölner verschafften sich durch den ersten Heimsieg im Jahr 2012 nach einer wieder einmal turbulenten Woche mit üblen Fan-Krawallen auf der Autobahn und dem wohl fixierten Wechsel von Nationalspieler Lukas Podolski zum FC Arsenal etwas Luft im Tabellenkeller. Den Siegtreffer schoss das starke Eigengewächs Christian Clemens mit seinem fünften Saisontor (36.). In der hektischen Schlussphase sahen der erst neun Minuten zuvor eingewechselte Kölner Mato Jajalo (66./grobes Foulspiel) und Lukas Podolski (76./Tätlichkeit) Rot, der Berliner Lewan Kobiaschwili (76./unsportliches Verhalten) Gelb-Rot. Der Platzverweis für Podolski war allerdings höchst umstritten.

Köln hatte auf Ammar Jemal (Muskelfaserriss) verzichten müssen, aber auf seine beiden etatmäßigen Stürmer zurückgreifen können: Milivoje Novakovic rückte nach seinen Hüftproblemen wieder ins Team, Lukas Podolski, der trotz des als sicher gelten Wechsels ohne einen einzigen Pfiff begrüßt wurde, konnte trotz einer Magen-Darm-Grippe spielen. Bei Hertha hatte Rehhagel den von ihm als „Paradise“ bezeichneten Fanol Perdedaj im Team gelassen, obwohl die etatmäßigen „Sechser“ Andreas Ottl und Peter Niemeyer wieder einsatzbereit waren.

Die Statistik hatte alles andere als einen Fußball-Leckerbissen versprochen. Schließlich trafen in der Kölner WM-Arena das drittschlechteste und schlechteste Rückrundenteam aufeinander, zudem war es das Duell der beiden Mannschaft mit den ligaweit wenigsten Torchancen. Doch zumindest der FC spielte engagiert und couragiert gegen diese Zahlen an.

Rehhagel absolut unzufrieden

Das Spiel der Kölner wirkte im ersten Durchgang strukturiert wie selten, das Mittelfeld wurde ungewohnt schnell und passsicher überbrückt. Doch vor allem der emsige Novakovic tat sich als „Chancentod“ hervor, setzte zwei Kopfbälle aus kürzester Distanz (19./26.) über und neben das Tor und scheiterte nach einem tollen Zuspiel von Podolski völlig freistehend an Thomas Kraft im Hertha-Tor (40.). Besser machte es der ebenfalls kurz zuvor an Kraft gescheiterte Clemens, der den Ball nach kurzer Ablage von Miso Brecko unter die Latte donnerte.

Rehhagel war mit dem Auftreten seiner Mannschaft, deren beiden Chancen im ersten Durchgang von Roman Hubnik (31.) und Pierre-Michel Lasogga (41.) FC-Keeper Michael Rensing mit Glanzparaden vereitelte, offenbar absolut unzufrieden. Schon nach 25 Minuten schickte er sämtliche Ersatzspieler zum Warmlaufen, in der Pause brachte er in Änis-Ben Hatira für Tunay Torun und Ramos für Lasogga dann auch zwei von ihnen.

Die Hertha nahm nun mehr am Spiel teil, den nächsten Treffer hatte aber erneut Novakovic auf dem Kopf. Doch auch diesmal scheiterte der Slowene an Kraft, der den Ball an den Pfosten lenkte (53.). Rehhagel, der die erste Halbzeit weitgehend ruhig auf der Bank verbracht hatte, sprang nun einige Male auf und beorderte seine immer noch zu zaghafte Mannschaft energisch nach vorne. Doch der „Running Gag“ des Spiels blieben Novakovic und die Kopfbälle; auch der in der 63. Minute aus sieben Metern flog am Tor vorbei. Nach der harten Roten Karte gegen Jajalo nach einem Tritt in die Wade von Kobiaschwili wurde die Partie hektisch. Änis Ben-Hatira (89.) vergab die große Chance zum 1:1.

Während beim FC vor allem Clemens und Rensing überzeugten, verdiente sich bei der Hertha neben dem sehr starken Kraft Perdedaj noch die beste Note.

Stimmen, Noten, Diskussion – mehr über Hertha finden Sie unter www.immerhertha.de