Imagewandel

Drogentests sollen die Surferromantik beenden

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Robert Dunker

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/ZUMA_Press

Die Surferszene ist in Aufruhr: Nach mysteriösen Todesfällen müssen sich die wilden Wellenreiter in diesem Jahr Drogentests unterziehen.

Von Peter Davi hieß es, dass er nicht viel mehr brauche als ein Brett, einen Neoprenanzug und eine Wasserpfeife zum Frühstück, aus der er reichlich Marihuana zu sich nahm. Am 4. Dezember 2007 wollte der Amerikaner zu hoch hinaus. Eine 20 Meter hohe Welle vor der Küste Kaliforniens riss den Surfer in den Tod.

Infolge eines Aufschlags, wahrscheinlich auf einen spitzen Felsen, erlag er seinen Kopfverletzungen. Die Obduktion warf ein Schlaglicht auf den ausschweifenden Lebenswandel der Wellenreiter. Im Blut des 45-Jährigen Davi fanden sich Spuren der Modedroge Crystal Meth.

Als im November 2010 das Idol der Szene, der dreimalige Weltmeister Andy Irons, im Alter von 32 Jahren an einem Herzinfarkt starb , war das Milieu der Paradiesvögel vollends in Verruf geraten. Ein hoch giftiger Cocktail aus Methadon und Crystal Meth soll laut Gerichtsakten den Tod Irons zumindest indirekt herbeigeführt haben.

Das frühe Ende des exzessiven Doppellebens führte zutage, dass hinter der schillernden Fassade allen Draufgängertums Abgründe lauern.


Die letzten Rebellen des Sports

Immer noch gelten Surfer als die letzten Rebellen des Sports, Vertreter einer Aussteigersportart wie früher Skateboarding. Weil sie machen, was sie wollen. Weil sie für ihre Leidenschaft leben – und sterben. So stellen sich die Wassermänner selbst gern dar.

Mit ihren wohl definierten Körpern gleiten sie auf Wellen dahin, mit dem Surfboard unterm Arm laufen sie den Strand entlang, braun gebrannt und mit lockigem Haar. Grenzenlose Freiheit heißt ihr Credo. Da ist das Drogen-Image nicht weit.

Doch von diesem Jahr an wird es wohl vorbei sein mit der Surferromantik. Die Vereinigung der Profisurfer (ASP) setzte durch, dass sich ihre Athleten künftig vor großen Wettkämpfen Drogentests unterziehen müssen. Dabei will sich der Verband an den Maßstäben der Weltantidopingbehörde Wada ausrichten, Details sollen im Februar bekannt gegeben werden.


"Surfen wird immer professioneller"

Die Maßnahmen werden „die Botschaft in die Welt tragen, dass das Surfen immer professioneller wird“, glaubt ASP-Direktor Randy Rarick. Mit dem Tod der Galionsfigur Irons habe die Nulltoleranzpolitik gleichwohl nichts zu tun, behauptet der Funktionär. „Wir sind schon seit drei, vier Jahren dabei, diese Standards einzuführen.“

Sie haben es all die Jahre allzu locker gesehen, denn auch vor Dopingmitteln machen die Surfer nicht Halt. Der Brasilianer Neco Padaratz zum Beispiel flog auf, weil er seine Brettakrobatik mit der Einnahme von anabolen Steroiden aufpeppen wollte.

Die ASP hat aber vor allem andere Sünder im Visier. Männer wie Anthony Ruffo. Bei dem Freund von Andy Irons, einem 47 Jahre alten Pionier der Szene, wurden rund 30 Gramm Crystal Meth sicher gestellt. Jetzt wird er wegen Drogenhandels angeklagt.


Hinter vorgehaltener Hand wird gemurrt

Laut ASP würden sämtlich Profisurfer die neuen Kontrollen befürworten, doch hinter vorgehaltener Hand wird auch gemurrt, schließlich sind zumindest die so genannten weichen Drogen in der Surferszene seit Jahrzehnten tief verwurzelt. Andy Martin, selbst passionierter Surfer und Bestsellerautor, fragte im „Guardian“ provokant. „Wie stark muss sich das Surfen anpassen, bevor es seine Seele verliert?“

Vor zehn Jahren, als Martin Mitglied der hawaiianischen Surfergemeinde war, verstieg man sich in den Bungalows am Strand zur Theorie, dass Rauchen das Lungenvolumen vergrößere.

Laut Martin galt die Devise: „Je mehr Marihuana, desto besser der Surfer.“ Er glaubt, dass es heute noch einige dieser „Grenzgänger“ gibt, auch unter den Profis.

In den 60er- und 70er-Jahren war das Surfen so etwas wie eine Protestbewegung exzentrischer Amateure gegen den kommerziellen Sport. Seit trendige Marken die knackigen Kerle als Werbeträger eingespannt haben, stiegen die Begehrlichkeiten.


Kelly Slater befürwortet Drogentests

Wenn Veranstalter bei Wettkämpfen bis zu 100.000 Dollar an Preisgeld ausschütten, brauchen sie saubere Stars. Champion Kelly Slater, Irons ehemaliger Rivale, hat begriffen. Er fordert seit Jahren eine Professionalisierung: „Dazu gehören auch Drogentests.“

So gibt sich die Elite gelehrig. „Wir nehmen den Sport ernst und trainieren hart“, sagt der Australier Kieren Perrow, seit elf Jahren Profi. „Es gibt immer mehr Kids, die sich aufs Brett stellen und schwierige Dinge machen. Sie wissen, dass man mit Drogen keine Leistung abrufen kann.“

Die ASP ist sich ihrer durchaus heiklen Mission bewusst und betont, niemanden an den Pranger stellen zu wollen. „Wir wissen, dass es da ein Problem gibt“, sagt Direktor Rarick: „Denen, die ein Problem haben, bieten wir Hilfe an.“