"Auszeit"

Wie Kelly Slater zu früh über den WM-Titel jubelte

Siegesfeiern machen Spaß. Trotzdem empfiehlt es sich, vermeintliche Gewinne in Ruhe zu überprüfen und mit dem Jubeln bis zur absoluten Gewissheit zu warten.

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Sonntag, 0.46 Uhr. Sofi Montez schreibt mir (unbekannterweise) an meine private E-Mail-Adresse. Betreff: „Collect Now your Godly Gifts“. Göttliche Geschenke? Für mich? Zum Sammeln? Nur einen Tag, nachdem Colosseum Casino mich benachrichtigte: „Ihr eCheque ist eingetroffen, Jens“ und fünf Tage, nachdem ein Absender namens Gewinnmitteilung gratulierte: „Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“ Vielleicht kann ich bald doch BetVictors Angebot annehmen, das er mir – unbekannter- aber freundlicherweise – neulich zumailte: „Jetzt anmelden im Millionaires Club – keine Grenzen!“ Das Glück, manchmal scheint es sich mit Händen greifen zu lassen.

Wer kräftig zulangt, stößt gleichwohl schnell an die Grenzen seiner eigenen Naivität, nach dem Motto: zu früh gefreut und rasch bereut. Entweder, er fängt sich beim Öffnen solcher Mails Viren, Trojaner oder andere ungebetene Gäste ein. Oder er wird fortan von noch mehr Spam-Mails bombardiert.

Die Peinlichkeit voreiliger Fanfaren

Ohnehin empfiehlt es sich im Leben ja, nicht zu jubeln, bevor das Fell des Bären nicht gelutscht, der Drops nicht bestellt, die Messe nicht verteilt, das Feld nicht gelesen ist (oder so ähnlich). Wir bleiben sonst schnell verwirrt zurück – oder grämen uns. Frag nach beim Vier-Minuten-Meister der Herzen.

Sogar Glückskinder wie Kelly Slater sind vor der Peinlichkeit voreiliger Fanfaren nicht gefeit. Seinen vermeintlichen elften WM-Titelgewinn hatte der Surfer mitsamt Trophäe und Tausenden Fans bereits krachend gefeiert, als die Profiorganisation ASP kleinlaut einen „Fehler im Berechnungssystem“ zugab: Es fehlt noch ein Laufsieg.

Seither schließe ich nicht aus, dass Sofi Montez und Colosseum Casino ihre E-Mails in Kürze zurückziehen wollen.