"Ich werde Weltmeister"

Arthur Abraham über Auto, Müsli und Unsterblichkeit

Die höhere Gewichtsklasse brachte kein Glück. Zurück im Mittelgewicht kämpft Ex-Profibox-Weltmeister Arthur Abraham nun um seine letzte Chance. Ein Interview.

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Am 14. Januar 2012 entscheidet sich für Ex-Profibox-Weltmeister Arthur Abraham die Zukunft als Sportler. Er trifft nach einer langen Pause in Offenburg auf den Argentinier Pablo Oscar Natalio Farias (23). Eine Niederlage, und seine Karriere dürfte beendet sein. Mit einem Sieg kann der 31-jährige Berliner hingegen die Weichen für ein Comeback an der Weltspitze stellen.

Auf den Tag acht Monate zuvor hatte Abraham beim Super-Six-Turnier der weltbesten Super-Mittelgewichtler in Los Angeles seinen dritten Kampf verloren und war ausgeschieden. Der damalige Gegner Andre Ward entschied nun das zwei Jahre dauernde Turnier für sich .

Am 17. Dezember besiegte der Amerikaner den Engländer Carl Froch in Atlantic City einstimmig nach Punkten. Abraham selbst probt nun den Neuanfang. Im Gespräch mit „Morgenpost Online“ erläutert der einst unbesiegte Champion, dass er sich keinesfalls damit abfinden will, seine Karriere als Nobody zu beenden.

Morgenpost Online: Herr Abraham, 2011 war für Sie eindeutig ein Jahr zum Vergessen. Dennoch haben Sie sich in der Öffentlichkeit stets gelassen gezeigt. Wie cool sind Sie ob der vielen Enttäuschungen wirklich?

Arthur Abraham: Ich bin nicht cool. Ich bin aber auch nicht aufgeregt. Ich habe mir viel überlegt, habe viel mit meinem Trainer Herrn Wegner und mit meinem Manager Herrn Sauerland gesprochen. Beide haben mir ein paar Sachen gesagt, die mir zwar nicht gut gefallen haben, aber ich finde es gut, wenn man ehrlich zueinander ist. Und nun geht es wieder ums Boxen. Ich schaue lieber nach vorn als zurück.

Morgenpost Online: Haben Sie deshalb noch mal einen Vertrag bis 2014 unterschrieben?

Abraham: Ich glaube nicht, dass ich woanders noch mal einen Vertrag als Boxer unterschreiben werde. Drei Jahre sind eine gute Zeit. Und ich bin sicher: Ich werde noch einmal Weltmeister.

Morgenpost Online: In drei Jahren?

Abraham: Nein, ich will, dass es 2012 passiert.

Morgenpost Online: Ulli Wegner hat einmal gesagt, Sie hätten 21 Berufe, einer davon wäre Boxer. Sind Sie tatsächlich mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt?

Abraham: Mein Trainer hat immer Recht.

Morgenpost Online: Ist das alles?

Abraham: Was soll ich dazu sagen? Ich habe in Deutschland und in Armenien, wo ich geboren bin, viele Freunde und Partner. Ich möchte mit meinem verdienten Geld gut umgehen. Ich habe mich gern mit Wirtschaft beschäftigt und bin daran interessiert. Ich habe also auch Geschäfte gemacht. Und wenn ein Stein ins Wasser fällt, dann werden die Kreise immer größer. Aber es hat mich, denke ich, nie vom Boxen abgelenkt.

Morgenpost Online: Aber Sie müssen schon einiges neben dem Boxen im Auge behalten.

Abraham: Ich werde irgendwann nicht mehr boxen. Da ist es nicht schlecht, wenn man viele andere Kontakte hat.

Morgenpost Online: Neben den Geschäften sind auch Termine mit Sponsoren zu absolvieren.

Abraham: Klar, aber das geht doch vielen erfolgreichen Sportlern so. Wenn mir einer hilft, dann kann er doch auch eine Gegenleistung erwarten. Das ist doch normal. Und manchmal sind es doch auch Termine für gute Sachen, wenn man was für Kinder tun kann, für kranke Menschen oder einfach anderen eine Freude macht, wenn man bei ihnen ist.

Morgenpost Online: Sie haben gerade in der Nähe von Offenburg mit einer vierten Klasse eine Unterrichtsstunde absolviert. Können Sie gut mit Kindern?

Abraham: Ja, die Kinder sind nämlich immer ehrlich. Sie sind neugierig, und wenn sie etwas fragen, wollen sie auch wirklich eine Antwort haben. Wir haben am Ende ein paar Fotos gemacht, und vielleicht erinnert sich eines der Kinder in 20 Jahren mal an den Boxer. Das fände ich toll.

Morgenpost Online: Lenkt Sie Ihr Ferrari vom Boxen ab?

Abraham: Nein. Ich verstehe auch nicht, warum das ein Thema ist. Das Auto ist mit hundert Litern Schweiß und ein paar Litern Blut bezahlt. Ich lebe manchmal ein halbes Jahr im Trainingslager. Warum soll ich mir nicht so ein tolles Teil gönnen? Ich nehme meinen Job trotzdem ernst.

Morgenpost Online: Da müssen Sie demnächst eine Entscheidung treffen. Rückkehr ins Mittelgewicht oder Verbleib im Supermittel, wo Sie bisher aber noch nicht richtig Fuß fassen konnten.

Abraham: Ich boxe im Januar im Supermittel oder ein bisschen darunter. Es ist kein Titelkampf, und man kann das mit dem Gegner absprechen. Ich will versuchen, wieder ins Mittelgewicht zu kommen.

Morgenpost Online: Der Unterschied zwischen 72 Kilo und 76 Kilo hört sich nicht schlimm an. Wie schwierig ist es, das zu schaffen? Wie sieht Ihr Alltag aus? Was dürfen Sie essen?

Abraham: Ich stehe gegen acht Uhr auf, frühstücke meist Obst und Müsli. Um zehn beginnt das Training, zwei Stunden. Mittags gibt es ein Stück Fleisch und Gemüse, dann wieder zwei Stunden Training am Nachmittag. Abends esse ich ein Stück Fleisch und ein bisschen Salat. Und ich verzichte auf Süßigkeiten.

Morgenpost Online: Mit dem Ziel, bereits 2012 wieder Weltmeister zu werden, setzen Sie sich gehörig unter Druck.

Abraham: Druck gibt es immer, mit und ohne Titel. Aber es hat doch für mich keinen Sinn, mit weniger zufrieden zu sein. Ich war Weltmeister und glaube fest daran, dass ich es wieder schaffen kann.

Morgenpost Online: Haben Sie einen Wunschgegner für einen Weltmeisterschaftskampf? Oder vielleicht einen besonderen Ort, den Sie sich wünschen?

Abraham: Ich boxe da, wo mein Manager es will. Einen Wunschgegner habe ich nicht. Auch nicht Felix Sturm. Natürlich würde ich ihn akzeptieren. Ein Revanche gegen Andre Ward wäre auch okay. Um eine WM würde ich gern in Berlin boxen.

Morgenpost Online: Gibt es einen Boxer, dessen Leistung Sie besonders hoch einschätzen?

Abraham: Ja, Sven Ottke. Der hat in 34 Kämpfen 22 Mal seinen WM-Titel verteidigt und nie einen Kampf verloren. Und den jungen Mike Tyson.