Kult-Verteidiger

Dante nennt Gladbachs Höhenflug ein kleines Wunder

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Lars Wallrodt

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Kult-Verteidiger Dante erklärt im Interview mit Morgenpost Online, wie Mönchengladbach am Samstag im Borussia-Duell Meister Dortmund besiegen kann.

In der vergangenen Saison kämpfte Borussia Mönchengladbach gegen den Abstieg, am Samstag (15.30 Uhr, Sky) tritt der Klub als Zweiter zum Bundesliga-Spitzenspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund an. Eine der Garanten des Erfolges ist der brasilianische Verteidiger Dante (28), der in dieser Saison noch keine Spielminute versäumt hat.

Morgenpost Online: Erinnern Sie sich noch an den 31. Spieltag der vorigen Saison?

Dante: Klar, das war doch das Spiel gegen Dortmund, oder? Unser 1:0-Sieg?

Morgenpost Online: Genau.

Dante: Das war ein Meilenstein im Kampf um den Klassenerhalt. Wenn ich mich recht erinnere, waren wir danach zum ersten Mal seit langer Zeit nicht mehr Letzter.

Morgenpost Online: Erstmals seit dem 12. Spieltag.

Dante: Ja. Aber noch wichtiger war, dass wir durch dieses Spiel enorm viel Selbstvertrauen bekommen haben. Wir hatten den designierten Meister besiegt. Das hat uns den entscheidenden Schub gegeben, in der Relegation das Unmögliche möglich zu machen. Da haben wir endgültig an unsere Chance geglaubt.

Morgenpost Online: Nun treffen Sie wieder auf die Dortmunder, die erneut Tabellenführer sind. Gladbach allerdings ist diesmal nicht Letzter, sondern Zweiter.

Dante: Das ist ein kleines Wunder. Wir können es noch gar nicht so richtig glauben, dass wir nun das Spitzenspiel bestreiten – und das an einem Wochenende, wo auch noch München auf Bremen trifft . Aber wir freuen uns, uns so gesteigert zu haben. Wir wollen jetzt auch gegen Dortmund zeigen, was wir können.

Morgenpost Online: Ist es ein Spiel auf Augenhöhe?

Dante: Nein, da müssen wir ehrlich sein und sagen, dass Dortmund eine Klasse besser ist als wir. Der BVB spielt seit Monaten auf Spitzenniveau, ist Meister. Wir sind vor einem halben Jahr fast abgestiegen. Es wäre ungerecht den Dortmundern gegenüber, wenn ich jetzt sagen würde: „Wir sind gleich stark.“ Das heißt aber nicht, dass wir Samstag chancenlos sind. Im Gegenteil: Wir wollen gewinnen, und wenn wir kompakt stehen und konzentriert sind, kann uns das auch gelingen.

Morgenpost Online: Bei aller Zurückhaltung: Was ist Gladbachs Geheimnis? Wie kann eine Mannschaft, die knapp den Abstieg vermieden hat, ein halbes Jahr später um Platz eins mitspielen? Personell hat sich ja nicht viel verändert.

Dante: Ich denke, dass es uns gelungen ist, zu einer Mannschaft zusammenzuwachsen. Wir spielen seit neun Monaten, seit unser Trainer Lucien Favre zu uns gekommen ist, fast in der gleichen Formation. Wir haben uns kennengelernt, auch außerhalb des Platzes. Wir sprechen sehr viel miteinander, wir kümmern uns umeinander. Außerdem hat es uns viel Kraft gegeben, durch diese schwierige Saison gekommen zu sein, ohne abzusteigen. Wir behalten das im Kopf und glauben auch an uns, wenn es mal nicht so läuft.

Morgenpost Online: Also liegt der Schlüssel des Erfolges im Kopf?

Dante: Nicht nur, aber auch. Wir haben großes Selbstvertrauen und wissen, dass uns nicht viel passieren kann, wenn wir hart und konzentriert arbeiten. Wir glauben an uns. Diesen Glauben hatten wir lange Zeit verloren.

Morgenpost Online: Welchen Anteil hat Trainer Favre am Gladbacher Höhenflug?

Dante: Er hat uns diesen Schlüssel in die Hand gegeben. Als er im Februar zu uns kam, hat er angefangen, uns unser Selbstvertrauen zurückzugeben. Mit klaren taktischen und technischen Vorgaben. Er hat unsere Köpfe und unsere Beine stark gemacht. Sein Anteil am derzeitigen Erfolg ist groß. Er arbeitet sehr hart an kleinen Details. Wir sind sehr froh, dass er bei uns ist.

Morgenpost Online: Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat Ihre Mannschaft bereits als Titelkonkurrent bezeichnet. Hat er recht?

Dante: Diese Spielchen sind doch bekannt. Wenn ich mir den Kader der Bayern und unseren anschaue, muss ich über diese Aussage schmunzeln. Aber auch, wenn die Münchner Mannschaft vermutlich doppelt und dreifach so viel kostet wie unsere: Wir haben derzeit mehr Punkte als München. Und darum nehmen sie uns als Rivalen wahr. Wir werden versuchen, es so lange wie möglich zu bleiben. Langfristig aber können und wollen wir uns mit den Bayern nicht vergleichen.

Morgenpost Online: Das Gladbacher Saisonziel lautet: 40 Punkte holen, Klasse sichern. Nun haben Sie aber nach 14 Spielen schon 29 Punkte auf dem Konto. Ist es Zeit für eine Kurskorrektur?

Dante: Nein. Wir haben nicht vergessen, wo wir herkommen. Warum sollten wir da nach 14 Spielen plötzlich durchdrehen und sagen, wir wollen Meister werden? Wir bleiben auf dem Boden und versuchen, so schnell wie möglich 40 Punkte zu erreichen. Dann können wir uns gern über neue Ziele unterhalten.

Morgenpost Online: Die ganze Bundesliga schwärmt von Ihrem Kollegen Marco Reus.

Dante: Er ist unser auffälligster Mann, spielt eine überragende Saison. Doch Marco weiß, dass er ohne die anderen nicht so glänzen könnte. Er braucht ein gutes Umfeld. Darum ist er derzeit der beste Bundesliga-Spieler auf seiner Position.

Morgenpost Online: Besser als Thomas Müller oder Mario Götze?

Dante: Das sollen andere beurteilen. Am besten ist es, wenn diese Spieler zusammenspielen – in der deutschen Nationalmannschaft. (lacht)

Morgenpost Online: Klasse weckt Begehrlichkeiten. Wenn Marco Reus Sie fragen würde: „Was soll ich tun? Zum FC Bayern München wechseln oder in Mönchengladbach bleiben?“ Was würden Sie ihm antworten?

Dante: Ich würde antworten: „Marco, konzentriere dich auf deine Arbeit, nicht auf irgendwelche Angebote, die an dich herangetragen werden.“ Er hat einen Vertrag bis 2015, und ich hoffe, dass er lange bei uns bleibt. Jetzt geht es darum, in jedem Spiel das Niveau zu halten. Das ist schwer genug.

Morgenpost Online: Muss ein Spieler wie er irgendwann Mönchengladbach verlassen, um ein ganz Großer zu werden? Oder ist das auch bei der Borussia möglich?

Dante: Warum sollte das bei uns nicht möglich sein? Borussia Mönchengladbach ist ein Verein mit großer Tradition, viele große Spieler haben hier gespielt. Wenn es uns irgendwann gelingen sollte, in die Champions League zu kommen, können wir auch Spieler wie Marco Reus halten. Dass einer wie er in der Champions League spielen muss, ist allerdings klar. Für dieses Ziel haben wir theoretisch Zeit bis zu seinem Vertragsende. Aber Marco wird ja bestimmt frühzeitig sehen können, wohin die Reise mit Gladbach geht.

Morgenpost Online: Gladbachs zweiter Aufsteiger ist Torwart Marc ter Stegen . Er steht seit dem 29. Spieltag der Vorsaison zwischen den Pfosten und hat seither nur einmal mehr als ein Gegentor hinnehmen müssen.

Dante: Marc ist ein herausragendes Talent, aber er ist auch noch sehr jung, 19 Jahre alt. Es ist toll, was er für eine Entwicklung genommen hat. Aber wir tun ihm keinen Gefallen, wenn wir ihn jetzt in den Himmel loben. Er hat einen super Charakter, und wenn er sich weiter so entwickelt, kann er zum besten Torwart der Welt werden. Aber auch für ihn gilt: Das klappt nur mit Konzentration und harter Arbeit.