Revierderby

Nach dem BVB-Sieg spottet Stevens über sein Team

Meister Dortmund gewinnt das einseitige Revierderby und zieht an Bayern vorbei. Schalkes Trainer Huub Stevens nennt sein Team "eine Schulmannschaft".

Die Gesänge begannen bereits eine halbe Stunde vor Spielende. Die berühmte schwarz-gelbe Wand bespöttelte das jahrzehntelange Warten des Gegners auf die Meisterschale. Gegeben wurde Deutschlands bedeutendstes Derby, und Borussia Dortmund feierte einen ungefährdeten 2:0-Sieg.

Anders als Schalke 04 wartet der BVB ja nicht, er hat die Meisterschale in der Vitrine stehen. Und wenn es so weiter geht, dann kann er sie am Saisonende für ein weiteres Jahr behalten. Durch den Sieg im Revierduell übernahm der Titelverteidiger zumindest bis zum Spiel der Bayern am Sonntag in Mainz die Tabellenführung. Erstmals in dieser Saison.

„Schalke ist nie so richtig ins Spiel gekommen“, freute sich Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach Spielende, und das war noch eine ziemlich höfliche Beschreibung für eine bedenklich schwache Vorstellung der Königsblauen. So einseitig war es zwischen den beiden Pottrivalen noch selten zugegangen. Schonungslos analysierte Schalke-Coach Huub Stevens: „Nur drei oder vier Spieler haben ihr normales Niveau erreicht. Wir haben das Spiel hergegeben, das ist eine große Enttäuschung für mich.“ Insbesondere in der ersten Halbzeit habe er eine „erwachsene Mannschaft gegen eine Schulmannschaft“ gesehen.

Beide Trainer hoben natürlich auch den Dortmunder Anteil an dem klaren Verlauf hervor, der vor allem darin bestand, „den Gegner nicht hinten raus spielen zu lassen“, wie Klopp sagte, und das Tempo konsequent hochzuhalten. Wie immer, wenn eine Mannschaft das tut, bekommt Schalke massive Probleme. Die Blauen mochten von den letzten 28 Derbys nur drei verloren und zuletzt ansprechende Form gezeigt haben – gestern waren sie schlichtweg überfordert. Bei den Toren durch Robert Lewandowski (16.) und Felipe Santana (61.). Aber auch in vielen anderen Szenen.

Sie werden sich dafür wohl noch so manche Stichelei gefallen lassen müssen. Als ob er ahnte, dass es ein Tag ganz nach seinem Geschmack werden würde, hatte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schon vor Spielbeginn gut gelaunt damit begonnen. Nach einem über die letzten Tage ausgebreiteten Verbalscharmützel mit Schalke-Chef Clemens Tönnies bezüglich dessen Präsenz in Klatschpostillen („Wenn ich zuletzt etwas von ihm gelesen habe, dann sehr häufig auch in der ‚Bunten‘“) belustigte er sich vor Anpfiff darüber, dass sich Tönnies zu einer etwas schnippischen Replik („Vielleicht ist der Herr Watzke ja ein intensiver ‚Bunte‘-Leser, ich bin es nicht“) hinreißen ließ. „Der Clemens“, dozierte Watzke nun also, „ist ja eigentlich ein ganz netter Kerl. Er ist nur manchmal ein bisschen humorfrei.“

Pause für Kevin Großkreutz und Shinji Kagawa

Tatsächlich gab es dann ja auch nur für die Dortmunder etwas zu lachen. Die Verve, mit der sie sich in Richtung Schalker Tor aufmachten, war dabei die gewohnte, das Personal hingegen stark verändert. Nicht nur Sven Bender musste nach seinem doppelten Kieferbruch aus der Champions League pausieren, Klopp verordnete auch Kevin Großkreutz und Shinji Kagawa eine Schaffenspause.

Für sie rückten Kuba Blaszczykowski und – in seinem ersten Saisonspiel von Beginn an – Lucas Barrios in die Formation. „Wenn wir jetzt nicht rotieren, brauche ich den Jungs nichts mehr zu erzählen“, räsonierte Klopp angesichts des dritten Topspiels innerhalb von sieben Tagen nach den Auftritten in München und London. Großkreutz war dennoch wenig angetan von seiner Reservistenrolle. Der gebürtige Dortmunder und glühende BVB-Fan lebt die Rivalität mit Schalke 04 wie kaum ein anderer. Klar, „er war sehr enttäuscht“, berichtete Klopp.

Großkreutz’ Miene erhellte sich dann erstmals nachhaltig in der 16. Minute. Marcel Schmelzers Freistoß aus dem Halbfeld war eine gefühlte Ewigkeit in der Luft, dennoch konnte Robert Lewandowski im Strafraum unbehelligt zum 1:0 einköpfen. BVB-Torwart Roman Weidenfeller hatte zu diesem Zeitpunkt nicht einmal den Ball berührt, und das Spiel blieb weiterhin ein Monolog in Schwarz-Gelb. So schwer er sich in Europa tut, so sehr dominiert der BVB in der Bundesliga nach seinem holprigen Saisonstart inzwischen wieder nach Belieben.

22 von 24 Punkten geholt

22 der letzten 24 Punkte haben die Dortmunder geholt bei 22:3 Toren. Nächsten Samstag kommt es nun zu einem absoluten Spitzenspiel bei der punktgleichen Borussia aus Mönchengladbach. Dann dürfte man auf deutlich mehr Gegenwehr stoßen.

Am Samstag sah Tönnies, der das Spiel publikumswirksam aus dem Schalker Fanblock verfolgte (Watzke: „Wenn ich etwas mit unseren Fans zu besprechen habe, mache ich das nicht während des Spiels“), erst nach der Pause die erste Torchance seiner Elf. Lewis Holtby traf nach Vorlage von Klaas-Jan Huntelaar das Außennetz (53.). Daneben konnte auch Schalkes Boss nicht verhindern, dass nach einer Woche im Zeichen der Debatte um Fanverhalten im Gästeblock bengalische Feuer gezündet wurden. Schiedsrichter Florian Meyer musste die Partie nach 80 Minuten sogar kurzzeitig unterbrechen. Am Stadion kam es zu Schlägereien, bis Spielende nahm die Polizei 28 Personen fest.

Auf dem Platz herrschte zu diesem Zeitpunkt längst wieder das bekannte Prozedere. Es stand 2:0, nachdem die Schalker in Anschluss an einen BVB-Eckball eine Slapstick-Version von Abseitsfalle aufgeführt hatten. Rául rückte nicht raus, der freistehende Mats Hummels köpfte quer auf den freistehenden Barrios, dessen Schuss Keeper Unnerstall zwar parieren konnte. Doch Innenverteidiger Felipe Santana jagte ihm im Nachschuss den Ball durch die Beine. Ein Tor als Belohnung für die treuen Dienste eines Mannes aus der zweiten Reihe, der momentan als Ersatz des verletzten Subotic tadellose Arbeit abliefert.

Und so ging es dann dahin. Eine Minute vor Schluss kam doch noch Kevin Großkreutz. Ersatzspieler hin oder her – er strahlte wie ein Honigkuchenpferd.