Trotz Improvisation

Schalke schießt Nürnberg in den Abstiegskampf

Alle Bedenken eines zu hohen Substanzverlust erwiesen sich als unbegründet. Schalke zeigte nach den Ausfällen von Höwedes und Farfan eine Trotzreaktion.

Foto: dapd/DAPD

Personell in Not, aber sportlich weiter im Soll – der FC Schalke 04 steuert trotz großen Verletzungspechs noch immer auf Kurs Richtung Europa. Unbeeindruckt von den langfristigen Ausfällen der Leistungsträger Benedikt Höwedes und Jefferson Farfan gelang dem Revierklub ein nie gefährdetes 4:0 (2:0) über den schwachen 1. FC Nürnberg.

Die positive Reaktion seiner Mannschaft auf die schlechten Nachrichten aus dem Krankenlager sorgte bei Trainer Huub Stevens für Erleichterung, aber nicht für Euphorie: „Wir haben zwar sehr effektiv, aber nicht gut gespielt. Das war spielerisch nicht das, was ich mir vorstelle.“

Vor 61.673 Zuschauern in der ausverkauften Veltins-Arena sorgten Klaas Jan Huntelaar (13./66.), Rául (38.) und Lewis Holtby (84.) am Samstag für den verdienten Sieg der Gastgeber, die sich damit fürs Erste in den oberen Tabellenregionen festsetzten.

Dagegen geht die Talfahrt der Franken weiter: Nach nunmehr acht sieglosen Spielen in Serie droht dem Vorjahres-Sechsten ein Kampf um den Klassenverbleib. „Einige Spieler müssen im Schnelldurchlauf lernen, dass sie sich wie Männer wehren müssen, auch wenn sie erst 19 Jahre alt sind. Sie müssen aufwachen“, klagte Trainer Dieter Hecking.

Drei Tage nach den unerfreulichen medizinischen Diagnosen bei Höwedes und Farfan war Schalke-Coach Huub Stevens zur Improvisation gezwungen. Für die beiden verletzten Profis rückten Atsuto Uchida und Alexander Baumjohann in die Startformation.

Diese Umstellung bereitete jedoch weniger Probleme als befürchtet. Das war allerdings weniger ein Verdienst der Schalker Spielkunst, als vielmehr Resultat der Nürnberger Unzulänglichkeiten. Leichte Ballverlust der Gäste im Mittelfeld nutzte der Gastgeber eiskalt zum Ausbau der Führung. „Jetzt stehen wir wieder wie die Blöden da. Es ist verdammt bitter, wie es im Moment läuft“, sagte der Nürnbergs Mittelfeldspieler Philipp Wollscheid.

Nutznießer Huntelaar

Erster Nutznießer der vielen Nürnberger Ballverluste war Torjäger Huntelaar. Zunächst scheiterte Baumjohann nach schönem Zuspiel von Lewis Holtby an Gäste-Keeper Raphael Schäfer, doch im Nachschuss erzielte der Niederländer aus spitzem Winkel seinen elften Saisontreffer.

Den Gästen mangelte es zwar nicht an Ballbesitz, wohl aber an Torgefahr und Kreativität. Bis auf einen Schuss von Christian Eigler (28.) aus 16 Metern, den Schalke-Schlussmann Lars Unnerstall problemlos parierte, blieben Offensivaktionen Mangelware.

Dagegen waren die Schalker dem 2:0 schon bei Chancen von Huntelaar (26.) und Raul (32.) nahe. Doch anders als bei seinem ersten Versuch ließ der Spanier dem Nürnberger-Torhüter sechs Minuten später keine Chance: Mit einem platzierten Flachschuss aus 15 Metern sorgte Rául für die beruhigende Pausenführung.

Schlusspunkt durch Holtby

Anders als nach den bisherigen Länderspiel-Pausen in dieser Saison mit Niederlagen in Wolfsburg und gegen Kaiserslautern ging der Rhythmus der „Königsblauen“ diesmal nicht verloren. Auch ohne die Effektivität der ersten 45 Minuten kontrollierten sie auch nach Wiederanpfiff Ball und Gegner.

Ein schulmäßiger Konter über Holtby und Julian Draxler brachte die Entscheidung. Mit einem platzierten Schuss aus 14 Metern beseitigte Huntelaar alle Zweifel am fünften Heimsieg seiner Mannschaft. Den Schlusspunkt setzte der starke Holtby aus kurzer Distanz. „Wir haben gezeigt, dass in unserem Kader reichlich Qualität steckt“, kommentierte der Schütze des letzten Tores.