Formel-1-Finale

Sogar Schumacher kann noch einen Titel gewinnen

Vor dem letzten Rennen in Brasilien schaut die Formel 1 auf eine Saison der Superlative zurück. Vor allem die Unfälle waren spektakulär.

Am Ende doch ein Titel in Ehren, den Michael Schumacher 2011 gewinnen kann. In einer Saison, in der noch nie so viel überholt wurde wie in dieser Saison, liegt der Altmeister in der Kategorie Platztausch vorn. 111 Überholmanöver schmücken die durchwachsene Bilanz des WM-Achten. Vor dem Finale in Brasilien führt noch Sebastien Buemi, der Schweizer machte im Toro Rosso 112 Plätze gut.

Bester Starter ist Schumacher bereits, der Rekordweltmeister verbesserte sich um insgesamt 34 Positionen. Diese Bestmarke ist nicht nur schmeichelhaft. Sie lässt auch den Schluss zu, dass Schumacher in der Qualifikation hinter seinen Möglichkeiten blieb. Je weiter ein Fahrer hinten steht, wenn die Lichter der Startampel ausgehen, desto mehr Gegner muss er aus dem Weg räumen.

In Interlagos geht am Sonntag eine Saison der Superlative zu Ende. Noch nie gab es soviel Überholmanöver wie in dieser Saison (1436) noch nie bogen die Autos öfter zum Boxenstopp ab, 1040 Reifenwechsel zählte das Mercedes-Team. RTL verzeichnete einen durchschnittlichen Marktanteil von 40,1 Prozent pro Rennen, auch das ist Rekord. Und das trotz des „Vettel-Knicks“, wie RTL-Sportchef Manfred Loppe sagt, denn durch eine frühe Titelentscheidung wie in diesem Jahr nehme das Zuschauerinteresse generell ab. Vettel und seine Kollegen konnten das deutsche Publikum auch danach begeistern. Loppe sagt: „Wir haben bei allen Zielgruppen zugelegt.“

Die Branche führte fast in jedem Rennen ein unterhaltsames Spektakel auf. In Spa rauscht Mark Webber ausgerechnet in der gefährlichen Eau Rouge unwiderstehlich an Doppelweltmeister Fernando Alonso im Ferrari vorbei. Der Australier wurde für seine Mutprobe teils gefeiert, teils getadelt. An derselben Stelle hatte 1985 bei einem ähnlich riskanten Manöver das deutsche Supertalent Stefan Bellof versucht den Belgier Jacky Ickx zu überholen. Beide fuhren bei den „1000 Kilometern von Spa“ einem Porsche 962. Bellof verunglückte dabei tödlich.

In Monza wird Alonso in der Curva Grande von Sebastian Vettel waghalsig überholt. Der deutsche Titelverteidiger, dem bis dahin eine Überholschwäche nachgesagt wird, gerät dabei mit zwei Rädern auf den Grünstreifen. Trotzdem bleibt er voll auf dem Gas. Am Ende des Rennens platzt Vettel vor Stolz: „Na, wie hab ich das gemacht?“ Der Spanier lächelt bewundernd zurück. „ Das war weltklasse, absolute weltklasse.“

Bei demselben Rennen stockt den Zuschauern noch einmal der Atem, als Michael Schumacher eine Attacke von Lewis Hamilton abwehrt. Bei Tempo 270 drückt der Mercedes-Pilot den zum Überholen ansetzenden Hamilton im McLaren auf die Wiese. Zuvor wurde Schumacher mehrmals von seinem Team ermahnt, dem schnelleren Hintermann mehr Platz zu lassen.

Die entscheidende Runde von Sebastian Vettel in der Qualifikation zum Großen Preis von Abu Dhabi war laut Experte Niki Lauda dessen „beste Trainingsrunde, die er jemals gefahren ist“. Sein Red Bull ist dem McLaren erstmals unterlegen, dennoch erkämpft er sich die 14. Pole-Position der Saison und stellt die Bestmarke des Briten Nigel Mansell von 1992 ein.

Der Titel für den Sieg des Jahres gebührt zweifellos Jenson Button. Der Brite gewinnt den verregneten Großen Preis von Kanada, obwohl er zur Hälfte des Rennens auf dem letzten Platz liegt. Dank einer cleveren Taktik und einem großartigen Fahrstil überholt er in der letzten Runde den führenden Sebastian Vettel. Mit etwas mehr als vier Stunden war es das längste Formel-1-Rennen der Geschichte. Es war auch ein Sieg über den zu Beginn der Saison stärker eingeschätzten Teamkollegen Lewis Hamilton. Nach Sebastian Vettel ist er der stärkste Fahrer der Saison.