Handball-Prozess

Storm belastet Schwenker und Serdarusic schwer

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Jens Bierschwale

Foto: dpa/DPA

Im Prozess um angebliche Spielmanipulation hat der heutige Löwen-Manager Thorsten Storm gegen Kiels Ex-Manager Schwenker und Ex-Trainer Serdarusic ausgesagt.

Die Verbindung nach Kiel ist noch immer recht eng. In Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt beendete Thorsten Storm einst seine Karriere als Handballspieler, danach war er bis 2002 als Marketingleiter für Werbemaßnahmen rund um den THW Kiel zuständig.

Die Zusammenarbeit mit seinem Vorgesetzten Uwe Schwenker verlief schon damals nicht immer problemlos. Storm habe unter anderem mal Reklamebanden in der Ostseehalle an den Kunden bringen wollen, die gar nicht mehr zu haben waren, berichtete Schwenker noch vor einiger Zeit amüsiert.

Dass sich die Wege später trennten und Storm erst bei der SG Flensburg-Handewitt und dann bei den Rhein-Neckar Löwen in Mannheim als Manager anheuerte, empfand Schwenker daher als wenig tragisch. Die beiden Alpha-Tiere begegneten sich in den vergangenen Jahren meist mit einer Mischung aus Argwohn und alter Verbundenheit.

Storm 2007 Flensburg-Manager

Am Montag dagegen war die Rollenverteilung eindeutig geregelt. Schwenker (52) saß als Angeklagter im Kieler Landgericht, Storm (47) war als Zeuge geladen. Im Prozess um angebliche Spielmanipulation muss sich Kiels Ex-Manager ebenso wie der ehemalige Trainer Zvonimir „Noka“ Serdarusic wegen Untreue und Bestechlichkeit verantworten.

Im Kern geht es um die Frage, ob das erfolgreichste Duo des deutschen Handballs mit Klubgeld 2007 die beiden polnischen Schiedsrichter des Finalrückspiels bestochen und den Champions-League-Sieg erkauft hat. Schwenker und Serdarusic streiten dies ab. Auch die Unparteiischen weisen die Vorwürfe zurück .

Dass Storm 2007 als Manager in Flensburg fungierte, macht die Sache zusätzlich pikant – denn er wäre quasi ein Mitgeschädigter. Die Flensburger hatten seinerzeit das Rückspiel in Kiel 27:29 verloren und waren nach dem 28:28 im Hinspiel als traurige Verlierer vom Feld gegangen.

Es lag also einige Spannung im Raum, als Storm am Montagmorgen vor der 5. Großen Strafkammer mit seinen Ausführungen begann. Bei einem Gespräch im Haus von Serdarusic am 11. Februar 2009 habe er Beweise gesehen, die auf eine Manipulation des Champions-League-Finales 2007 zu Gunsten des THW Kiel hingewiesen hätten, sagte Storm.

So soll zwischen den Belegen unter anderem eine Selbstanzeige von Serdarusics Mittelsmann Nenad Volarevic gewesen sein, in der um Schuldminderung im Fall des angeblich verschobenen Finales gebeten wurde. Volarevic soll nach Erkenntnissen der Ermittler den polnischen Schiedsrichtern vor dem Rückspiel das Geld für die Bestechung (angeblich 92.000 Euro) übergeben haben.

Storm war im Februar 2009 in seiner Funktion als Löwen-Manager zusammen mit dem Gesellschafter Jesper Nielsen und Rechtsanwalt Christian Wiegert nach Kiel gereist, um den Gerüchten um mögliche Bestechung im Europapokal nachzugehen.

"Eine Welt zusammengebrochen"

Schließlich hatten die Löwen einen Vorvertrag mit dem einige Monate zuvor in Kiel geschassten Trainer Serdarusic geschlossen, von Sommer 2009 an hätte der gebürtige Kroate die Löwen betreuen sollen. Doch so weit kam es nicht, denn Storm und Co. nahmen hernach Abstand von einer Verpflichtung.

Bei den Gesprächen im Haus von Serdarusic im Februar 2009 sei ihm, Storm, nicht klar gewesen, ob die Aussagen „der Wahrheit entsprachen oder bloß Rache für den Rauswurf beim THW waren“.

Die angebliche Manipulation, so habe es Serdarusic dargelegt, sei 2007 von Manager Schwenker ausgegangen. Der Trainer selbst habe sich nur als Mitwisser des Ganzen dargestellt. Für Storm sei dennoch „eine Welt zusammengebrochen“ und die geplante Zusammenarbeit mit dem verdächtigen Trainer nicht mehr möglich gewesen.

Wiegert sagt am 30. November aus

Mit seinen Aussagen bestätigte Storm teilweise die zuvor schon im Landgericht getätigten Ausführungen von Löwen-Gesellschafter Nielsen. Der Däne hatte zuvor erklärt, dass sich Schwenker und Serdarusic die Urheberschaft für die vermeintliche Manipulation gegenseitig zuschieben wollten.

„Ich war verwirrt, weil der eine sagte, dass es der andere war. Und der andere sagte, dass es der war“, so Nielsen bei seiner Aussage im September . Als dritter Gesprächsteilnehmer des ominösen Treffens im Haus von Ex-Trainer Serdarusic soll Rechtsanwalt Wiegert am 30. November aussagen. Der Prozess ist zunächst auf 21 Verhandlungstage angesetzt und soll im Februar des kommenden Jahres abgeschlossen werden.