5:0 gegen Bremen

Gladbachs Marco Reus spielt Werder an die Wand

Reus' drei Tore beim Kantersieg von Borussia Mönchengladbach sind ein Beispiel dafür, welche Konstanz und Effektivität das Team in sein Spiel gebracht hat.

Wenn Lucien Favre schon nach einer halben Stunde am Spielfeldrand ein Lächeln in sein Gesicht zaubert, steht es meist außerordentlich gut um Borussia Mönchengladbach. Die Mimik des Trainers ist so etwas wie der Seismograph des Spiels, und am Samstag glichen Favres Gesichtszüge mit zunehmender Spieldauer einem Dauergrinsen.

Beim 5:0 (2:0) über Werder Bremen durfte sich der Schweizer nicht nur über den achten Saisonsieg der Seinen freuen, vor allem die Art und Weise versetzte ihn und die Borussen-Anhänger unter den 53.465 Zuschauern in der Arena in Ekstase.

Mönchengladbach spielte den Gegner zeitweise an die Wand, leicht wäre auch ein 7:0 oder 8:1 möglich gewesen. „Alle, die heute mit Borussia gefühlt haben, haben einen Festtag erlebt“, sagte Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl nach der Partie.

Bremens Trainer Thomas Schaaf war sehr unzufrieden: „Natürlich sind wir enttäuscht und frustriert. Wir sind unseren Aufgaben auf dem Platz nicht nachgekommen und haben in den Zweikämpfen nicht gegengehalten.“

Von Beginn an hatten beide Teams zu dokumentieren versucht, warum sie derzeit zu den spektakulärsten Vereinen der Liga zählen. Mönchengladbach agierte meist über den abermals fantastisch aufspielenden Marco Reus forsch und wollte die rasche Führung.

Werder hielt – angetrieben von Sturmführer Claudio Pizarro – anfangs gut dagegen. Nach Einschussmöglichkeiten für Roman Neustädter auf Seiten der Hausherren und Mehmet Ekici für Bremen war es U-21-Nationalspieler Patrick Herrmann vorbehalten, das erste wirkliche Ausrufezeichen an diesem denkwürdigen Nachmittag zu setzen. Eine Flanke von Juan Arango beförderte der Außenbahnspieler mit dem Kopf ins Tor (16.). Werder-Keeper Tim Wiese hatte in jener Szene ebenso zögerlich agiert wie Hermanns Gegenspieler Aleksandar Ignjovski.

Desolate Gäste

Möglicherweise war die insgesamt desolate Vorstellung der Gäste in Halbzeit eins auch dem Fehlen von Abwehrchef Naldo zuzuschreiben. Der Brasilianer hatte Freitag zwar noch das Abschlusstraining absolviert, war aufgrund einer hartnäckigen Bronchitis aber zu geschwächt für einen Einsatz.

Zum Leidwesen der Gäste. Denn während Bremen noch über den Rückstand zu grübeln schien, zeigte Borussia, warum die Mannschaft binnen weniger Monate vom Fast-Absteiger zum Spitzenteam geworden ist. Zunächst vergaben Mike Hanke und Filip Daems zwar noch gute Möglichkeiten, dann aber kam die Zeit für die One-Man-Show von Nationalspieler Reus.

In der 23. Minute schnappte sich der Außenstürmer den Ball kurz hinter der Mittellinie, ließ seine Gegenspieler Sebastian Prödl und Andreas Wolf aussehen wie C-Jugendliche und schob nach einem beherzten Solo auch noch clever gegen den diesmal chancenlosen Torwart Wiese ein.

Dass Reus inzwischen wie die gesamte Gladbacher Mannschaft eine schon seltsame Konstanz und Effektivität in sein Spiel gebracht hat, bewies er eine Viertelstunde später. Diesmal agierte Herrmann als Vorbereiter, Reus vollendete in der Mitte mühelos, Bremens Defensive hatte wohl vorher den Auftrag erhalten, ja nicht einzugreifen bei diesem feinen Spielzug und dem Treffer zum 3:0 (38.) – anders war der Geleitschutz für Herrmann und Reus kaum zu erklären.

Es war der vierte Doppelpack von Reus in dieser Saison. Und nicht zuletzt deshalb wird er heftig umworben. Neben dem FC Arsenal zeigt auch Bayern München heftig Interesse, was einige Berichterstatter dazu veranlasst, den noch bis 2015 bei den Gladbachern unter Vertrag stehenden Ausnahmekönner in Bälde schon beim Rekordmeister zu wähnen. Unentwegt fragen sie nach Neuigkeiten in der Personalie, was nicht nur Sportdirektor Eberl „langsam ein bisschen nervig findet“.

Täglich grüße das Murmeltier, sagte Eberl nur – und lächelte. Hans Meyer, Ex-Trainer der Borussia, meinte zu der Wechseldebatte um Reus: „Der Junge wird ganz sicher seinen Weg gehen. Ich hoffe nur, dass die vielen, vielen Themen, die ihn in den Mittelpunkt dieser Diskussion stellen, ihn nicht verändern: Dass er so bescheiden und coachbar bleibt, wie er das bisher ist und dass er sich weiterentwickelt.“

Reus fühlt sich wohl

Reus werde noch besser, „er wird irgendwann mal das Zeug dazu haben, bei einer großen Mannschaft zu spielen. Wann das sein wird, sollte man der Situation und seiner Entwicklung überlassen. Man sollte ihn nicht zwei, drei Jahre, bevor er einmal bei einem großen Klub auftaucht, verrückt machen“, so Meyer.

Der gelobte Angreifer Reus sagte: „Wir wussten, dass Bremen nach einem Rückstand jederzeit zurückkommen kann. Deshalb haben wir vor dem Spiel gesagt, wenn wir führen, dann dürfen wir nicht nachlassen. Das haben wir eindrucksvoll geschafft.“ Zu Spekulationen über einen möglichen Vereinswechsel erklärte der umworbene Stürmer: „Ich fühle mich bei der Borussia sehr wohl. Mehr sage ich dazu nicht.“

Dabei folgen inzwischen die Lobeshymnen im Wochenrhythmus. Auch am Samstag legte Reus noch einen drauf und beförderte mit seinem Tor zum 4:0 die Mönchengladbacher endgültig auf die Siegerstraße (51.). Diesmal traf er locker mit dem linken Fuß aus zwölf Metern, nachdem Wiese zuvor einen Schuss von Hanke nur nach vorn hatte abwehren können.

Das schönste Tor des Tages allerdings blieb einem anderen Gladbacher vorbehalten. Der Venezuelaner Arango traf zwei Minuten später wunderbar per Außenrist in den rechten Winkel des Tores. Ein Sonntagsschuss am Samstagnachmittag, den das komplette Team inklusive Torhüter Marc-André ter Stegen am Strafraumeck des Gegners ausgiebig feierte.

Für Keeper ter Stegen war der Ausflug in des Gegners Hälfte vermutlich die anstrengendste Tat am gestrigen Arbeitstag– denn bei seiner originären Aufgabe war er kaum gefordert und darf sich nun weiter über nur neun Gegentreffer in dieser Saison freuen – die zweitwenigsten der Liga.

Was folgte, war überschwänglicher Jubel, auf den Rängen sangen sie das Lied von der Nummer eins am Niederrhein, und unten auf dem Feld kontrollierten die Gastgeber clever und abgezockt die letzte halbe Stunde der Partie. Für den letzten Höhepunkt sorgten dagegen die Gäste: Rechtsverteidiger Sokratis erhielt nach einem Foul an Hermann die Gelb-Rote Karte (76.).