VfL Wolfsburg

Magaths gnadenloses Casting ist noch nicht zu Ende

Nach der Degradierung von Stürmer Patrick Helmes droht weiteren Profis des VfL Wolfsburg die Ausmusterung. Die Verunsicherung nimmt Felix Magath dabei in Kauf.

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Das Böse mit Charme zu verkünden, gehört zu seinen Stärken. Es klang gewohnt souverän, wie Felix Magath die Karriere eines weiteren Spielers beim VfL Wolfsburg beendete . „Er hat es nie gelernt, defensiv zu arbeiten“, sagte der strenge Fußball-Routinier über Patrick Helmes. Der Stürmer wird nicht mehr gebraucht und ist deshalb öffentlich demontiert worden. „Ich glaube nicht, dass er uns bis zur Winterpause helfen kann“, befand Magath, der zuletzt auch dem Tschechen Jan Polak und dem Griechen Sotirios Kyrgiakos die nötige Qualität absprach , um den VfL voranzubringen. Es bleibt dabei, dass der 58-Jährige seine Untergebenen so lange scheucht und aufrüttelt, bis entweder Gutes für den Verein oder Unschönes für in Ungnade gefallene Spieler dabei herauskommt.

Die Gemeinheiten des Fußballs, dafür heuern Deutschlands führende Klubs Magath seit Jahren an, werden von ihm eiskalt den großen Zielen untergeordnet – so läuft es auch in Wolfsburg wieder. Die Niedersachsen wollen zurück auf jene Tabellenplätze der Bundesliga, die eine hohe Aufmerksamkeit und möglichst viel Ruhm garantieren. Und dank der Finanzkraft des Volkswagen-Konzerns, zu dessen gehobenen Ansprüchen kein Mittelmaß wie der derzeitige 13. Rang passt, darf Magath auch in diesem Winter noch einmal an seinem Kader nachbessern. Es geht dabei um die Beseitigung von Mängeln, die sein Vorgänger Dieter Hoeneß, aber auch der Manager Magath selbst zu verantworten haben. Keiner von beiden hat es geschafft, aus international erfahrenen Berufsfußballern eine funktionierende Wolfsburger Einheit zu formen.

Wie man mit wenig viel erreicht, macht dem VfL Wolfsburg ausgerechnet ein niedersächsischer Rivale vor. „Wir haben unseren Kurs. Wir suchen spielen, die zu 96 passen und die sich mit Hannover identifizieren“, sagt Trainer Mirko Slomka, wenn man ihm die Frage stellt, ob man sich Erfolg im Fußball eigentlich kaufen kann. Dem aktuellen 96-Team, am Samstag am 13. Spieltag zu Gast in Wolfsburg, muss ein Mangel an Stars und Großverdienern bescheinigt werden.

Aber sie können sich angesichts weniger personeller Veränderungen auf einen Teamgeist verlassen, der vieles ausgleicht und den man nicht kaufen kann. Im VfL-Ensemble ist nach zahlreichen Umstellungen keine Struktur zu erkennen. Magaths zarter Anflug von Selbstkritik, trotz zahlreicher Einkäufe im Sommer möglicherweise zu wenig Geld für neue Spieler ausgegeben zu haben, heißt für die Mehrheit der vorhandenen Profis nichts anderes, als dass sie seinen Anforderungen nicht gerecht werden.

Die ständig wechselnden Aufstellungen, mit denen Magath in dieser Saison selbst eingefleischte Wolfsburger Fans verblüfft, kommen wie ein gnadenloses Casting daher. Der bullige Kyrgiakos, vor drei Monaten vom FC Liverpool geholt, ist gerade durchgefallen. Der Brasilianer Chris, für das Heimspiel gegen Hannover als neuer Abwehrchef angekündigt, darf sich als nächster Routinier in der Innenverteidigung vorstellen. Bis auf wenige Ausnahmen wie Defensiv-Spezialist Marcel Schäfer, Torhüter Diego Benaglio und Stürmer Mario Mandzukic spielen alle VfL-Profis dauerhaft auf Bewährung.

„Der eine oder andere fühlt sich missverstanden und nicht richtig aufgehoben“, hatte Magath mit der üblichen Prise Zynismus festgestellt, als seine Mannschaft vor kurzem ein Testspiel gegen Zweitligist Energie Cottbus mit 0:2 verlor. Mit seiner jüngsten Ankündigung, während der winterlichen Transferperiode erneut den einen oder anderen Zugang zu verpflichten , zieht er die Daumenschrauben immer fester und nimmt weitere Verunsicherungen in Kauf. Der Abschied des Kollegen Helmes sendet eine klare Botschaft. Wer nicht mitzieht, zieht den Kürzeren.