Sieg beim Club

Last-Minute-Erfolg – Freiburg sendet Lebenszeichen

Dank eines Foulelfmeters in der Nachspielzeit gewinnt Schlusslicht SC Freiburg beim 1. FC Nürnberg. Die Franken warten jetzt seit sieben Partien auf einen Sieg.

„Ich mach ihn, ich mach ihn“ sagte Papiss Cisse und nahm sich in der Nachspielzeit den Ball. Ausgerechnet der senegalesische Nationalstürmer trat für den Fußball-Bundesligisten SC Freiburg zum Strafstoß an. Zuvor war er in drei von sieben Versuchen gescheitert. Doch gegen den 1. FC Nürnberg behielt er die Nerven, schoss den Siegtreffer, führte den Sportclub zum ersten Auswärtssieg in dieser Saison und löste bei den Franken erneut Diskussionen um den Schiedsrichter aus.

Jan Rosenthal zweifelte kurz, als sich Cisse den Ball schnappte: „Naja, er hat vom Punkt nicht die beste Quote.“ So hatte Cisse erst am 9. Spieltag beim 1:2 gegen Hamburg gepatzt. Vor der Partie gegen Nürnberg gab Trainer Marcus Sorg daher die Devise aus: „Cisse schießt nur, wenn er sich danach fühlt.“ Er fühlte sich danach und schoss Freiburg zum 2:1 – dem vierten Sieg in den letzten fünf Bundesliga-Partien gegen Nürnberg und einem wichtigen Lebenszeichen im Tabellenkeller.

Nürnberg durchlebt dagegen die längste Durststrecke seit Jahren. So wartete der Club in den vergangenen drei Spielzeiten nie länger als sechs Spiele auf einen Sieg. Die Niederlage gegen Freiburg war bereits die siebte erfolglose Partie in Serie. Einen Schuldigen für den erneuten Misserfolg machten die Spieler in Schiedsrichter Christian Dingert aus. Er hatte in der 69. Minute ein Tor von Alexander Esswein nicht gegeben, da er zwei Nürnberger im aktiven statt im passiven Abseits gesehen hatte. Der wegen Adduktorenproblemen ausgewechselte Raphael Schäfer sprach von einer klaren Benachteiligung: „Der Torwart wird nicht behindert, daher war es ein reguläres Tor.“ Selbst Freiburgs Mittelfeldspieler Jan Rosenthal bestätigte: „Ja, es war ein Tor.“

Es wäre der Treffer zum 2:1 für Nürnberg gewesen. Ob sein Team danach noch einmal zurückgekommen wäre? „Ehrlich gesagt: Nein“, gestand Rosenthal. Der Torschütze zum 1:1 (34.) sprach von einem „dreckigen Sieg“. Doch diesen habe der Sportclub nach zuletzt sechs Niederlagen aus sieben Partien gebraucht. Dass die Freiburger nicht gerade mit Kurzpassspiel glänzten, lag seiner Meinung nach auch an den schlechten Platzverhältnissen: „Ich weiß nicht, ob das von den Nürnbergern so geplant war, aber der Ball ist bei jedem Flachpass geholpert.“

Trainer Marcus Sorg schob solchen Diskussionen einen Riegel vor: „Das glaube ich nicht, wir sind nicht der FC Bayern München.“ Für ihn war es ein „emotionsreiches und kampfbetontes Spiel“, in dem sein Team das nötige Glück gehabt habe. Glück, das zuletzt fehlte. Freiburg wurde zwar immer wieder für seine gute Spielanlage gelobt, punktete aber nicht. Die Breisgauer sind für ihre langfristige Planung bekannt. Die Führung des Sportclubs tendiert nicht zu Kurzschlussreaktionen. So erstickte Klubchef Fritz Keller aufkommende Kritik am Trainer zuletzt im Keim: „Darüber diskutiere ich nicht, das finde ich lächerlich.“

Doch im Spiel der Breisgauer sind deutliche Schwäche zu erkennen. Die Abwehr zählt zu den Anfälligsten der Liga, für Tore sorgt der abwanderungswillige Cisse fast im Alliengang. Daher hat Manager Dirk Dufner für die Winterpause Verstärkungen angekündigt. Vorerst jedoch freuten sich die Veranwortlichen über den ersten Dreier nach zuletzt drei Niederlagen. Dennoch wollten die Freiburger nicht abheben. „Bier gibt es auf der Rückfahrt von Nürnberg nicht“, sagte Sorg.