Sieg gegen Wolfsburg

Götze lässt den BVB von der Titelverteidigung träumen

Mit Shinji Kagawa führt Mario Götze Borussia Dortmund zum Kantersieg gegen erschreckend schwache Wolfsburger. Neven Subotic fällt bis zum Jahresende aus.

Mario Götze hat seine Zukunft selbst in der Hand. Das ist, bei allem Einfluss der Spielerberater heutzutage, für einen 19-Jährigen zum einen ganz selbstverständlich. Zum anderen kann der Dortmunder Jungstar mit seinen Leistungen entscheidend dazu beitragen, dass das unter der Woche von ihm angedeutete Szenario nicht eintritt. Sollte sein aktueller Klub Borussia Dortmund die Champions League verpassen, hatte Götze da nämlich zu verstehen gegeben, dann müsse er sich über einen Vereinswechsel Gedanken machen.

Götze hat damit für einige Aufregung gesorgt, dabei ist das Thema so groß wohl auch wieder nicht. Denn eigentlich hat Götze ja nur einen Anspruch formuliert, den sie in der BVB-Führungsetage zwar scheuen auszusprechen, der für eine so begabte Mannschaft aber inzwischen als normal gelten darf. Zumal die Bundesliga künftig wieder vier Teilnehmer stellt, gehört Borussia Dortmund natürlich in die Champions League. Diese Diagnose unterstreicht auch die Momentaufnahme namens Tabelle. Mit einem souveränen 5:1 (2:0) gegen den VfL Wolfsburg übernahm der Deutsche Meister zumindest vorübergehend den zweiten Platz im Klassement.

Alles in Ordnung also für den Moment, und Götze gab sich denn auch alle Mühe, die Debatte um seine Zukunft so schnell zu beenden, wie sie gekommen ist. „Ich habe noch Vertrag bis 2014, und ich bin hier mehr als glücklich“, sagte er. „Wir versuchen in jedem Spiel und in jedem Training an unsere Leistungsgrenze zu gehen. Das macht großen Spaß. Ich fühle mich in Dortmund wohl und glaube, das sieht man auch.“

Und so war es Götze höchstselbst, der gegen Wolfsburg den Torreigen eröffnete. Nach unerwartet feurigem Beginn der Gäste – zwei Ecken in ebenso vielen Minuten – nutzte er gleich die erste Dortmunder Chance. Infolge eines Einwurfs und einer klugen Ablage von Shinji Kagawa übernahm er im Strafraum mit seiner typisch engen Ballführung und schob den Ball durch die Beine von Wolfsburgs’ Abwehrbrocken Sotirios Kyrgiakos diagonal ins lange Eck (12.). Endlich mal kein Effizienzproblem also beim BVB, die forsche Wolfsburger Überraschungstaktik war damit schon besiegt, wie VfL-Routinier Hasan Salihamidzic süffisant einräumte: „Die ersten zehn Minuten haben wir gut angefangen – aber das war es dann auch.“


VfL mit zwei defensiven Viererketten

Fortan verlief das Spiel so, wie man es auch von Beginn an erwartet hätte. Wolfsburg, von Trainer Felix Magath („Ich wünsche mir weniger Gegentore“) mit zwei defensiven Viererketten auf das Feld geschickt, versuchte zu verhindern, was zu verhindern ging, und griff dabei auch zu rustikalen Mitteln. Jan Polak bewarb sich mehrmals um einen Platzverweis, ehe ihn Magath in der 40. Minute vom Feld nahm, und Christian Träsch hätte sich in derselben Minute für seine brutale Sense gegen Sven Bender an der Seitenlinie über Rot erst recht nicht beschweren können.

Allein, den Wolfsburgern halfen alle Einschüchterungsversuche nicht weiter. Wenige Minuten später eroberte Bender, nach überstandenem Sprunggelenksproblem wieder im Team, den Ball und passte schnell durch zu Robert Lewandowski, der auf Kagawa verlängerte. Ein Blick, ein überlegter Flachschuss, 2:0 – die Entscheidung noch vor der Pause (45.).

Einen Dortmunder allerdings konnten die Gäste doch aus dem Spiel nehmen – mit bösen Folgen. Nachdem er in der 42. Minute Kyrgiakos’ Ellenbogen ins Gesicht bekommen hatte, musste Innenverteidiger Neven Subotic, blau und rot angelaufen, nach der Pause in der Kabine bleiben. Wie Trainer Jürgen Klopp nach Spielende berichtete, erlitt der Serbe einen Mittelgesichtsbruch. „Damit wird er uns mindestens sechs Wochen fehlen“, sagte Klopp. „Das wirft einen Schatten auf diesen Tag.“

Weitere Negativerlebnisse blieben ihm erspart – sieht man von Wolfsburgs zwischenzeitlichem Anschlusstreffer ab. Magath hatte Alexandr Hleb für Polak gebracht, was wiederum – nach den eigenwilligen Bestimmungen des Wolfsburger Leihgeschäfts – den FC Barcelona um 100.000 Euro reicher machte. Aber immerhin bekam Magath diesmal Rendite auf sein Investment. Nach einer Stunde nutzte Hleb eine Vorlage von Träsch, einen Ausrutscher von BVB-Keeper Roman Weidenfeller und ein insgesamt extrem gedankenverlorenes Dortmunder Abwehrverhalten zum 1:2. Es war Hlebs erstes Bundesligator seit dem Januar 2005, als er für den VfB Stuttgart spielte.


Auslaufen mit Sahnestücken

Ein Hauch von Spannung wehte über das Spielfeld – eine Minute lang. Dann gab es Ecke durch Götze, eine Verlängerung von Lukas Piszczek, und Bender krönte seine starke Leistung mit einem Kopfball zum 3:1 (61.). Der BVB betrieb nun ein Auslaufen vom Champions-League-Sieg gegen Piräus , das er mit gelegentlichen Sahnestücken garnierte. Wie in der 66. Minute, als der überragende Kagawa einen famosen Außenristpass in den Lauf von Lewandowski spielte. Der anschließende Lupfer des Polen war nicht perfekt – aber gut genug, um Diego Benaglio im Wolfsburger Tor ein viertes Mal zu überwinden (66.). Lewandowskis achtes Saisontor – wie alle zuvor vor heimischem Publikum erzielt.

Es folgten noch ein paar Wechsel – Dortmunds neuestes Juwel, der 18-jährige Moritz Leitner machte nach ordentlicher Leistung Platz für Teamsenior Sebastian Kehl – und noch ein Tor. Rechtsverteidiger Piszczek durfte auch einmal die Wolfsburger Verteidigung narren und bediente Götze, der mit seiner souveränen Technik locker ins kurze Eck verwandelte (78.). Nach dem eher pragmatischen 1:0 gegen Piräus bekamen die 80.000 Fans diesmal wieder die hausübliche Show geboten.

„Deutscher Meister wird nur der BVB“, sangen die Zuschauer. Dortmund träumt wieder vom Titel – da sollte das mit der Qualifikation für die Champions League doch allemal klappen.