Hamburger SV

Im Abstiegskampf sind Unentschieden zu wenig

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Bei der Aufholjagd in Leverkusen bewies der HSV Moral. Doch in der Tabelle kommen die Hanseaten unter Thorsten Fink nur in Trippelschritten voran.

Wieder Moral bewiesen, wieder einen Rückstand aufgeholt – aber wieder nur ein Pünktchen. So sehr sich der Hamburger SV auch müht, aus dem Keller der Fußball-Bundesliga findet er nur in Trippelschritten. Immerhin ist die Mannschaft unter Trainer Thorsten Fink unbesiegt: drei Spiele, drei Remis. Nach dem 2:2 beim Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen konnten die Hamburger erhobenen Hauptes und mit Zuversicht die BayArena verlassen. „In Leverkusen nach einem 0:2 zurückzukommen – das zeigt, dass man Qualität und Charakter hat“, lobte Fink sein Team. Auch Mittelfeldspieler Marcell Jansen war begeistert: „Man hat endlich mal gesehen, was eigentlich in uns steckt.“

Damit haben beide Recht. Leverkusen ist schließlich nicht Augsburg und ein Auswärts-0:2 eigentlich schon der gefühlte Genickbruch. Deshalb ist die Aufholjagd, die Kapitän Heiko Westermann per Kopf (34.) und anschließend Jansen (57.) gekrönt hatten, aller Ehren wert. Doch im Kampf gegen den Abstieg ist das einfache Punkten auf Dauer zu wenig. Denn den löblichen Charakter hatte Finks Team auch schon gegen Wolfsburg und gegen Kaiserslautern – da sogar mit lediglich zehn Mann - bewiesen, als es 0:1-Rückstände jeweils in Unentschieden umwandelte. Der Sprung auf die nächsthöhere Qualitätsstufe jedoch steht noch aus. Wohl deshalb hatte Fink schon vor dem Spiel gefordert: „Wir fahren nicht nach Leverkusen, um nur einen Punkt zu holen.“

Der Trainer fand denn auch ein Haar in der Suppe. In der ersten halben Stunde habe seine Mannschaft eine „katastrophale“ Vorstellung abgeliefert. Im Strafraum ging es in der Anfangsphase wild durcheinander. Warum, so fragt sich der Beobachter, muss die Mannschaft immer erst zurückliegen, bevor sie Dampf macht? Das war selbst im Pokalspiel beim Viertligisten Eintracht Trier so, der 1:0 führte, ehe er in der Verlängerung mit 1:2 beigeben musste.

Der Hamburger Sieg der Moral schloss auch Härte gegen sich selbst ein. Die nämlich bewies Paolo Guerrero. Noch auf dem Platz wurde beim Peruaner eine Platzwunde am Auge genäht. „Er ist ein harter Krieger, er kann das ab“, meinte Trainer Fink. Der Hamburger Freude über das Remis begegneten die Leverkusener mit Unzufriedenheit. „Wir müssen das Einmaleins des Fußballs wieder anwenden“, nörgelte Michael Ballack, der wegen eines Nasenbeinbruchs mit Karbon-Maske spielte.

Ballack sprach von Schlafmützigkeit, fehlendem Glaube an die eigene Stärke, von nicht erfüllten Erwartungen: „Platz acht, neun - das ist natürlich nicht unser Anspruch.“ Der Capitano nahm sich den HSV gar zum Vorbild. Keine Schönspielerei mehr, stattdessen Ackern, Fußball arbeiten, sich in die Zweikämpfe werfen – eben wie die Hamburger das in der zweiten Halbzeit taten.

( dpa/jr )