Champions League

Panne, Pech und Pleite für Leverkusen in Valencia

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Die Bayer-Niederlage beim FC Valencia war ebenso unnötig wie ärgerlich. Für Leverkusen lief im Estadio Mestalla fast alles schief, was schieflaufen konnte.

Als seine Mitspieler gegen 0.30 Uhr müde und enttäuscht den Saal "Zeus" im Nobelhotel Las Arenas verließen, unterhielt sich Michael Ballack noch angeregt. Sein Gesprächspartner war Klaus Toppmöller, der Bayer Leverkusen als Trainer zum bislang einzigen Mal ins Finale der Champions League geführt hatte. Von einem Coup wie in der Saison 2001/2002 sind Bayer und Ballack, damals wie heute als Spieler dabei, nicht nur wegen des unnötigen 1:3 (1:1) beim FC Valencia meilenweit entfernt - ein Umstand, der dem Leitwolf schwer im Magen liegt.

"Wir müssen einfach dazulernen. Wir sind in der einen oder anderen Situation einfach zu naiv. Das wird auf diesem Niveau bestraft. Das tut einfach doppelt weh", sagte Ballack. Dem 35-Jährigen fiel es nach dem vergebenen ersten Matchball im Kampf um den Achtelfinal-Einzug nicht ganz leicht, auf das Gute zu verweisen: "Wir können mit unserer Leistung trotzdem ganz zufrieden sein. Alles ist offen."

Panne, Pech und Pleite: Für Bayer lief im Estadio Mestalla fast alles schief, was schieflaufen konnte. Schon nach exakt 10,5 Sekunden hatte Bernd Leno nach seinem haarsträubenden Patzer das 0:1 kassiert, das Jonas erzielte. Die Niederlage war umso bitterer, weil Bayer trotz des zweitschnellsten Gegentores, das je eine Mannschaft in der Königsklasse kassierte, auf Augenhöhe agiert hatte und nach dem Ausgleich durch Stefan Kießling (31.) lange Zeit das bessere Team gewesen war. Die weiteren Gegentreffer durch Soldado (65.) und Adil Rami (75.) waren unnötig.

Schiedsrichter bringen Dutt auf die Palme

Ins düstere Bild passte, dass Schiedsrichter Jonas Eriksson (Schweden) einen regulären Treffer von Andre Schürrle nicht anerkannt hatte und unmittelbar danach dem 1:3 ein Foul gegen Lars Bender vorausging. So waren es die Unparteiischen, die Bayer-Coach Robin Dutt am meisten auf die Palme brachten.

"Solche Dinge kannst du auf so einem Niveau nicht übersehen. Die stellen inzwischen fünf Schiedsrichter um den Platz, und da steht einer fünf Meter daneben. Die übersehen das hier und sehen außerdem eine Abseits-Situation bei Schürrles Tor. Was ist denn hier los?", sagte Dutt sichtlich erregt kurz nach dem Schlusspfiff am "Sky"-Mikrofon.

Wolfgang Holzhäuser war einer der ersten, die mit konsequenter Aufbauarbeit begannen. "Es ist nichts verloren, wir können die Gruppe sogar noch gewinnen", sagte Bayers Geschäftsführer: "Die Mannschaft ist auf jeden Fall stark genug, in der Champions League zu überwintern." Hinter dem kommenden Gegner FC Chelsea hat Bayer auf Rang zwei mit sechs Zählern noch einen Punkt Vorsprung auf Valencia.

Allerdings könnte das letzte Gegentor gegen die Spanier noch schmerzhafte Folgen haben, weil Bayer das Hinspiel nur 2:1 gewonnen hat. "Das tut natürlich weh, weil wir den direkten Vergleich verloren haben", sagte Ballack, der wegen seines Nasenbeinbruchs mit einer 100 Gramm leichten Spezialmaske aus Carbon aufgelaufen war und Kießlings 1:1 vorbereitet hatte.

Ohne Nachhall, da waren sich alle einig, wird der Fauxpas von Bernd Leno bleiben. "Das wirft ihn nicht um", sagte Dutt, und auch Leno selbst war weit davon entfernt, nach seiner unfreiwilligen Torvorlage wie ein Häufchen Elend zu wirken: "So ein Fehler wird mir nicht noch mal passieren. Ich kann daraus nur lernen."

Bevor am 23. November in der Königsklasse mit dem Heimspiel gegen den FC Chelsea die entscheidende Phase anbricht, müssen Leno und seine Teamkollegen im Bundesliga-Alltag beweisen, ob der verkorkste spanische Abend ohne Nachwirkungen geblieben ist: am Sonntag gegen den Hamburger SV und am folgenden Freitag beim 1. FC Kaiserslautern.

( sid/jr )