Gladbachs Matchwinner

Hertha kann Reus auch mit Tritten nicht stoppen

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche erzielt Marco Reus beide Tore zum Sieg von Mönchengladbach. Hertha hat weiterhin große Probleme in Heimspielen.

Bürschchen, das machst du mit mir nicht noch einmal, hat sich Herthas Abwehrspieler Maik Franz in der 34. Minute wohl gedacht. Und so grätschte er Marco Reus von Borussia Mönchengladbach auf Höhe der Mittellinie schlimm von hinten in die Beine. Kurz zuvor hatte der Stürmer bei seinem Tor zum 1:0 Franz im Berliner Olympiastadion noch ganz alt aussehen lassen. Doch irgendwie wollte Reus die Lektion nicht verstehen. Ein ums andere Mal entwischte er der Berliner Abwehr, und in der 55. Minute ließ er seinem Treffer noch einen weiteren folgen, den entscheidenden zum 2:1 (1:1)-Endstand.

Es sei müßig, etwas zu diesem Spieler zu sagen. „Außerhalb des Spielfeldes soll Franz ja ein cooler Typ sein. Aber auf dem Spielfeld schaltet er ab“, sagte Reus hernach zur Revanche à la Franz. Und Reus hatte nun wirklich Taten sprechen lassen.

Wie schon in der vergangenen Woche beim 2:1-Sieg gegen Hannover, als er ebenfalls zweimal getroffen hatte, war der 22-Jährige der Mann des Spiels. „Mit seiner Schnelligkeit und seiner Ballgewandtheit ist es fast unmöglich, ihn zu stoppen“, sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl nach dem Spiel mit glänzenden Augen. Gleichzeitig bemühte sich der Manager krampfhaft um mannschaftliche Erklärungen des Gladbacher Erfolges, wohl auch im Wissen, dass zu viel Lobhudelei um den quirligen Reus einhergeht mit endlosen Diskussionen, wann und wohin er wechseln wird. Er sei ein „Verfechter des Mannschaftsgedankens“ und Reus sei „eine Korsettstange, ein wichtiger Spieler, der einfach nur Spaß haben und Fußballspielen“ wolle. „Alles andere ist ihm nicht so wichtig“.

Das zumindest ist die Version des Sportdirektors, der ihn in der derzeitigen Verfassung wohl auch nicht für die 18 Millionen Euro ziehen lassen möchte, für die er angeblich den Verein verlassen kann. „Ich denke, Marco wird auch in der Zukunft ein Spieler von Gladbach sein“, sagte Borussia-Trainer Lucien Favre , der eine gelungene Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte feiern durfte.

Gegen Hertha zeigte Reus sein großes Potenzial. Dabei hatten es die Berliner ihm nicht einfach gemacht. Hertha stand nach stürmischen ersten 30 Minuten tief und kompakt, doch der Nationalspieler fand Räume, wo eigentlich keine sind. Immer wieder sprintete er im richtigen Moment in die sich für Sekundenbruchteile auftuenden Lücken. Beim 1:1 lief er blitzschnell hinter dem Rücken von Franz in den Strafraum und schloss nach einem Zuspiel von Patrick Herrmann eiskalt ab.

Das 2:1 war Nachweis seines großen Selbstvertrauens. Einen hohen Abpraller knallte er aus wenigen Metern dem Berliner Torhüter Thomas Kraft um die Ohren. „Er hatte vor wenigen Wochen ja noch Pech. Jetzt macht er die Dinger alle rein“, sagte Gladbachs Filip Daems zur Vorstellung seines Mannschaftskollegen, der maßgeblichen Anteil daran hat, dass Mönchengladbach vorerst den vierten Platz in der Tabelle einnimmt.

Sechs Plätze dahinter befindet sich Hertha BSC. Die Niederlage sei „unnötig, ja blöd“ gewesen, monierte Franz. „Wir haben ja gesehen, wie es geht.“ Tatsächlich hatten die Berliner anfangs aufgezeigt, wie die Gladbach zu knacken sind. Der Bundesliga-Aufsteiger trat auch für Favre „überraschend aggressiv“ und dominant auf, was sich auch in der Führung durch Adrian Ramos widerspiegelte. Anschließend aber hätten sie sich „den Schneid abkaufen lassen“, schimpfte Herthas Rechtsverteidiger Christian Lell. „Das ist schade für die Fans. So wird das Thema nicht kleiner, sondern größer“, ergänzte der ehemalige Bayern-Spieler. Er meinte damit die Probleme, die die Berliner in Heimspielen aufweisen.

Und seinem Trainer Babbel war anzumerken, dass er das Thema nicht größer machen will. „Ich muss meiner Mannschaft heute ein Kompliment machen“, sagte er. Sie hatte auch nicht schlecht gespielt, doch gegen Reus fanden sie kein Mittel. Da konnte Maik Franz probieren, was er wollte.