VfL Wolfsburg

Felix Magaths vergebliche Suche nach der Goldformel

Der Wolfsburger Trainer spricht vom internationalen Fußball, dabei experimentiert er wie nie zuvor – bislang mit wenig Erfolg. Nun wartet Meister Dortmund.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Felix Magath hat eine Menge Waffen im Repertoire: Medizinbälle, Geldstrafen oder – seine Spezialität – die gefürchtete Ein- und wieder Auswechslung eines Spielers in einem Spiel. Nichts jedoch ist so gefürchtet wie sein Sarkasmus. Leider, sagte er jüngst mit Blick auf die 2:3-Niederlage gegen Hertha BSC am vergangenen Wochenende , habe seine Mannschaft im Überschwang des Ausgleichstreffers vergessen, dass der Gegner auch noch ein Tor schießen kann.

Diese vermeintliche und doch offenbar übersehene Selbstverständlichkeit bescherte den Spielern des VfL Wolfsburg in dieser Woche wieder dicke Beine. Trainer Magath setzte auf bewährte Maßnahmen: Knallhartes Training, eine zweistündige Videoanalyse und der Ankündigung, gegebenenfalls die Winterferien der Profis verkürzen zu wollen, um besser vorbereitet in die Rückrunde gehen zu können.

Es ist die altbekannte Klaviatur, die Magath stets in Krisen spielt. Der VfL ist Tabellenzwölfter, vier Punkte entfernt vom Relegationsplatz und sieben Zähler hinter Platz drei. Dort steht derzeit Borussia Dortmund, der amtierende Meister und am Samstag Gegner der Niedersachsen. Während die Borussen nach Startschwierigkeiten wieder oben mitmischen, ist in Wolfsburg das Projekt „Champions-League-Platz“ vorerst ad acta gelegt. „Wir müssen gucken, dass wir nicht noch mehr nach hinten rutschen“, sagte Magath nach dem ernüchternden Auftritt gegen Hertha BSC.

Seine Mannschaft ist ein Muster an Unbeständigkeit: Keine zwei Siege in Folge schaffte sie bislang in dieser Saison, zu deren Ouvertüre der VfL im DFB-Pokal gegen den Viertligisten RB Leipzig ausschied. Vier Siege bei sechs Niederlagen und einem Remis stehen zu Buche. Wie ein Alchemist experimentiert Magath in Sachen Taktik, System und Aufstellung. 28 Spieler hat er bislang in den zwölf Ligaspielen ins Rennen geschickt, das ist mit Abstand Liga-Höchstwert. Der 1. FC Nürnberg und der FC Augsburg sind mit 24 eingesetzten Akteuren auf den Verfolgerrängen, Spitzenreiter Bayern München kommt nur auf 19 Spieler. Doch noch hat der Meistermacher von 2009 nicht die richtige Rezeptur gefunden. Statt Gold im Blick haben die Wolfsburger Blei in den Beinen.

Jetzt trifft den VfL auch noch das Verletzungspech mit Wucht. Thomas Hitzlsperger wurde Freitag am Meniskus operiert und wird lange ausfallen. Auch Stürmer Srdjan Lakic zwickt der Meniskus, er fehlt noch mindestens eine Woche. Ein Einsatz von Torjäger Mario Mandzukic (sieben Saisontreffer), der sich mit einem grippalen Infekt durch die Woche schleppte, ist fraglich. „Wir müssen sehen, in welchem Zustand er ist und wie er sich fühlt. Ich gehe aber davon aus, auf ihn zurückgreifen zu können“, sagte Magath.

Und dann ist da ja noch Aliaksandr Hleb: Den Weißrussen präsentierte Magath im Sommer als Nachfolger von Spielmacher Diego. Da er sich allerdings von einer Knie-Operation erholen musste, ersann Magath ein kompliziertes Vertragskonstrukt: Er lieh den 30-Jährigen bis zum Winter vom FC Barcelona aus, die Spanier zahlen weiter Hlebs Gehalt von rund vier Millionen Euro pro Jahr. Dafür muss Wolfsburg pro Einsatz 100.000 Euro überweisen.

Vor einer Woche, am elften Spieltag, war es das erste Mal so weit: Hleb spielte gegen Hertha bis zur 78. Minute, blieb aber blass. Es war deutlich, dass er noch Fitnessdefizite hat. Nun bleiben Magath noch sechs Spiele, um eine Entscheidung zu treffen: Schickt er Hleb Ende Dezember wieder weg, oder bindet er ihn langfristig? Für den Trainer eine weitreichende Entscheidung: „Es geht nicht darum, ob er uns für Wochen oder Monate weiterhilft. Die Frage ist, ob er Verein in den nächsten Jahren dorthin bringen kann, wo wir gern hinwollen“, sagt Magath. Um die beantworten zu können, müsste Magath ihn allerdings spielen sehen – und das ist bei Hlebs derzeitiger Verfassung ebenso risikoreich wie kostspielig. Um wieder fit zu werden, hat Hleb übrigens mit Tim Lobinger trainiert. Als „Personal Coach“ soll der Stabhochspringer den Fußballer wieder zum Höhenflug verhelfen.