Champions League

Meister Dortmund kämpft um seine letzte Chance

In der Liga hui, international pfui. Gegen Olympiakos Piräus muss der Deutsche Meister BVB gewinnen, um in einem internationalen Wettbewerb zu überwintern.

Foto: Bongarts/Getty Images/Getty

Das Problem ist belastend. Und es schreit nach einer Lösung. „Das wird das wichtigste Spiel der Saison“, sagt Innenverteidiger Neven Subotic im Hinblick auf Borussia Dortmunds Heimpartie in der Champions League (Dienstag, 20.45 Uhr, Sky) gegen Olympiakos Piräus. „Uns helfen nur noch Siege.“

Nach einer Reihe von Pleiten, Pech und Pannen bei den vorausgegangenen drei Auftritten des Deutschen Meisters soll endlich der Beweis erbracht werden, dass der BVB „auch Europa kann“, wie Jürgen Klopp es ausdrückt.

Das Unentschieden gegen den FC Arsenal (1:1) zum Auftakt der Gruppenphase sowie insbesondere die Niederlagen in Marseille (0:3) und Piräus (1:3) sind wie Stachel im Fleisch des ehrgeizigen Trainers. Er könne es sich jedenfalls nicht erklären, so Klopp, „warum wir in der Champions League nicht das Niveau der Bundesliga erreicht haben “.

Es gehört zu den Kuriositäten der Saison, dass die Dortmunder international bislang ein Schatten ihrer selbst sind. Außer einigen guten Ansätzen ließ die Mannschaft, die in der vergangenen Saison die nationale Konkurrenz regelrecht düpiert hatte und die auch in der aktuellen Spielzeit mittlerweile zu ihrer Form gefunden hat, nicht viel von dem erkennen, was sie üblicherweise auszeichnet.

Unnötige Fehler in der Abwehr

Bemerkenswert unnötige Fehler in der Defensive, ein fast schon fahrlässiger Umgang mit Torchancen und auffällig große Unruhe nach Gegentoren sind – sehr zum Leidwesen von Klopp – derzeit noch die internationalen Merkmale seines Teams. „Unser Champions-League-Gesicht sieht bislang so aus: Wir machen das Spiel und lassen uns hinten die Bälle rein hauen“, sagt Klopp.

Die Dortmunder taten sich in den vergangenen Wochen auch schwer damit, ihren Misserfolg in der Königsklasse aufzuarbeiten. Im Frust wurde berechtigte Kritik und Häme in einen Topf geworfen. Er hätte in den Tagen nach dem Hinspiel in Piräus vor zwei Wochen beispielsweise bewusst keine Zeitung gelesen, sagt Klopp.

Weil er nicht den Respekt verlieren wolle vor Leuten, mit denen er möglicherweise noch lange zusammenarbeiten müsse. Eine Aussage, die erahnen lässt, wie sehr er sich über die Naivität seiner Spieler ärgerte.

Glaube ist ungebrochen

Ein Grund, warum die Dortmunder teilweise dünnhäutig reagierten, lag darin, dass sie sich plötzlich mit Fragen konfrontiert sahen, ob ihre grundlegende Strategie richtig sei. Plötzlich gab es sogar eine völlig unangemessene Diskussion, ob es nicht besser gewesen wäre, im Sommer finanziell mehr zu riskieren und international erfahrene Spieler zu verpflichten.

Dies hätte jedoch bedeutet, dass die Homogenität der Mannschaft gefährdet worden wäre. Sportdirektor Michael Zorc gibt zu: „Natürlich fehlt der Mannschaft noch die Reife. Wo soll sie auch herkommen?“

Aber die Philosophie, den Spielern die nötige Zeit zur Entwicklung zu geben, verteidigt er: „Wir haben bewusst darauf verzichtet, Erfahrung einzukaufen.“ Der Glaube daran, dass die Mannschaft auf Sicht auch international wettbewerbsfähig ist, ist ungebrochen.

Deshalb geht es gegen Piräus nicht nur darum, die Chancen auf das Erreichen des Minimalziels Qualifikation für die Europa League zu verbessern – Platz drei muss dafür erreicht werden. Oder darum, nach dem letzten Strohhalm zu greifen, eventuell doch noch in der Champions League zu überwintern.

Bei nur einem Punkt nach drei Spielen und fünf Zählern Rückstand auf Marseille sowie sechs auf Arsenal, scheint dies ohnehin kaum noch möglich zu sein. „Wir können die Tabelle lesen. Wenn wir gegen Piräus nicht gewinnen, haben wir keine große Chancen mehr, Erster oder Zweiter zu werden“, sagt Zorc.

Es gehe aber auch um die eigene Rehabilitierung, so der Sportdirektor: „Wir wollen in der Champions League endlich auch mal gewinnen und zeigen, dass wir uns dort entwickelt haben.“

Mut in der Bundesliga geholt

Was Mut macht, ist die jüngste Entwicklung in der Bundesliga. 13 Punkte holte das Team in den vergangenen fünf Spielen. Der Sieg über Köln (5:0) sowie das Unentschieden am Samstag in Stuttgart (1:1) nähren die Hoffnung, dass die Mannschaft stabiler geworden ist.

Speziell die Umstellung im defensiven Mittelfeld, wo Sebastian Kehl auch heute wieder gemeinsam mit Sven Bender, dessen Einsatz wegen einer Bänderdehnung noch ungewiss ist, für Sicherheit sorgen soll, hat dem Team gut getan.

Hinzu kommt, dass Shinji Kagawa, die entscheidende Figur in der Offensive aus der vergangenen Hinrunde, immer besser in Form kommt. „Wir sind als Mannschaft wieder gut drauf“, sagt der Japaner. Das Kombinationsspiel kommt dadurch allmählich wieder auf Touren. In Stuttgart boten die Dortmunder ihre bislang wohl beste Saisonleistung. „So können wir auch gegen Piräus bestehen“, glaubt Abwehrspieler Subotic.

An der nötigen Entschlossenheit dürfte es heute auf keinen Fall fehlen, davon ist Trainer Jürgen Klopp überzeugt. „Ich spüre, dass die Mannschaft richtig darauf brennt, es allen Kritikern zu zeigen“, sagt er. Es scheint ihm zudem auch ein persönliches Bedürfnis zu sein.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Dortmund : Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender (Leitner), Kehl - Götze, Kagawa, Perisic (Großkreutz) - Lewandowski. - Trainer: Klopp

Piräus : Costanzo - Torosidis, Mellberg, Papadopoulos, Marcano - Orbaiz, Modesto - Mirallas, Ibagaza, Holebas - Djebbour. - Trainer: Valverde

Schiedsrichter : Wladislaw Besborodow (Russland)