Martin Heuberger trat von einem Fuß auf den anderen und vergrub die rechte Hand in der Tasche seiner schwarzen Hose. Die Geste mag als aufsteigende Nervosität gewertet werden, immerhin erlebt der neue Bundestrainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft am Donnerstag beim Supercup gegen Dänemark (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) seine Premiere. „Und eine gewisse Aufregung kann ich nicht leugnen“, räumte der 47 Jahre alte Nationalcoach auch ein, sagte aber zugleich: „Ich freue mich auf meinen neuen Job und bin froh, dass es endlich losgeht.“

Das Hin- und Hertrippeln war dann also doch mehr der seltsamen Kühle im historischen Rinderstall auf Schloss & Gut Liebenberg geschuldet. Auf dem abgelegenen, aber zugleich auch als Nobel-Hotel ausgebauten Gehöft nördlich von Berlin hatte Heuberger seine Mannen am Sonntag zum Lehrgang zusammengezogen, um sie auf die Herausforderung beim Supercup einzustellen. Mit im Kader dabei sind auch die drei Füchse-Spieler Silvio Heinevetter, Sven-Sören Christophersen und Markus Richwien.

Das Turnier, bei dem neben Deutschland und Dänemark auch Spanien und Schweden teilnehmen, dient der deutschen Auswahl dafür, sich für die EM im Januar einzuspielen, wo es auch um die Olympia-Qualifikation geht. „Nach dem Supercup wissen wir dann, wo wir international stehen“, sagt Heuberger. „Wir müssen jede Minute nutzen, die uns zum Training bleibt, die Platzierung beim Supercup ist da ehrlich gesagt zweitrangig.“

Eine Premiere ist das Vierer-Turnier für Heuberger allemal, neu im Geschäft ist der gebürtige Schutterwalder freilich nicht. Seit 2004 war Heuberger Assistent von Bundestrainer Heiner Brand, im Juli übernahm er dann die Nachfolge des legendären Übungsleiters aus Gummersbach. Ein schweres Erbe. „Aber ich bin ich, und Heiner ist Heiner“, stellt Heuberger klar und will auch gar nicht erst mit seinem prominenten Vorgänger verglichen werden. „Heiner war ein ausgezeichneter Analytiker, von dem ich sehr viel gelernt habe. Aber jetzt muss ich meinen eigenen Stil finden.“

Die eigene Handschrift ist bereits jetzt zu erkennen. So setzt Heuberger neben den handballerischen Fertigkeiten auf eine ausgeprägt starke Physis. In Stefan Kloppe engagierte er einen ehemaligen Bundesligaspieler des SC Magdeburg, der den Auswahlakteuren ein neuartiges Bewegungsprogramm vermittelte: Life Kinetik. Dabei geht es darum, mit speziellen Koordinationsübungen neue Bewegungsreize zu setzen und die Wahrnehmungsfähigkeit zu verbessern. „Die Spieler sollen ihr peripheres Sehen ausbilden, damit sie die Räume besser wahrnehmen. Und ihre Konzentrationsfähigkeit soll gesteigert werden.“

Schon in der Fußball-Bundesliga führte die Anwendung von Life Kinetik zum Erfolg, so etwa beim Deutschen Meister Borussia Dortmund. Heuberger: „Ich halte sehr viel davon, und es macht den Jungs auch viel Spaß.“ Zudem sei es auch mal eine Abwechslung. Auf Bewährtes setzt Heuberger hingegen beim Kader, bei den für den Supercup nominierten 19 Spielern ist kein Länderspielneuling dabei. „Das Wichtigste ist, dass wir wieder Konstanz in die Leistungen bringen, ich sehe absolut Potenzial.“