Fussball-Bundesliga

Kraft rettet Hertha einen Punkt – Tuchel verzweifelt

Mainz kann nicht mehr gewinnen. In Berlin blieben die Rheinhessen im achten Spiel in Folge sieglos. Trainer Thomas Tuchel zeigte erste Anzeichen von Verzweiflung.

Thomas Tuchel war der Verzweiflung nahe. Der Frust saß beim Trainer des FSV Mainz 05 nach dem 0:0 bei Hertha BSC Berlin so tief, dass der Fußball-Intellektuelle kurzzeitig sogar von seiner Überzeugung abrückte. „Ich würde auch mal eine schlechte Leistung in Kauf nehmen, wenn wir dadurch gewinnen würden“, sagte der Coach. In Berlin hatten es die einstigen Himmelsstürmer zum achten Mal in Serie nicht geschafft.

Es kam zwar viel Lob von allen Seiten, doch der Befreiungsschlag war den Mainzern verwehrt geblieben. Die Rheinhessen haben nur noch einen hauchdünnen Vorsprung auf die Abstiegsränge. „Meine Gefühlslage ist schwer zu beschreiben“, sagte Tuchel: „Auf der einen Seite bin ich zufrieden. Wir waren dominant bei den Zweikämpfen, im Passspiel und in der Raumaufteilung. Auf der anderen Seite ärgere ich mich darüber, dass es wieder nicht zum Sieg gereicht hat.“

Zwei hundertprozentige Torchancen und 14 Torschüsse zählte der in der vergangenen Saison noch so umjubelte Jung-Trainer aufseiten seiner Mannschaft. „So eine Leistung reicht eigentlich aus, um in Berlin zu gewinnen“, klagte der Coach. Doch im Abschluss scheiterten seine Mannen immer wieder an sich selbst oder am einzig starken Berliner, Torwart Thomas Kraft. „Unser Team hätte heute auf jeden Fall gewinnen müssen“, stellte auch der Mainzer Präsident Harald Strutz klar.

Die größte Chance der Gäste besaß Andreas Ivanschitz (58.), der aus kurzer Distanz den Ball an Herthas Keeper nicht vorbeibrachte. „Den hätte ich wohl machen müssen“, sagte der Österreicher selbstkritisch. Dass es am Ende wieder nicht zum Sieg reichte, „nagt schon etwas an uns“, gab Ivanschitz zu. Den Trainer wollte der Mittelfeldspieler auf keinen Fall infrage stellen. „Er ist unverändert, stellt uns vor jedem Spiel gut ein. Die Mannschaft ist intakt. Wir sind ja auch heute wieder mit sehr viel Selbstvertrauen aufgetreten.“

Am Ende flüchtete sich Tuchel sogar ein wenig in Galgenhumor. „Wir sollten es als gutes Zeichen werten, dass wir die Partie nicht noch in der Schlussphase verloren haben“, sagte der 38-Jährige. Sein Team hatte zuletzt gegen Nürnberg, Dortmund und Augsburg in der Schlussphase jeweils Tore kassiert und Punkte liegen gelassen. Und auch in Berlin sah es fast danach aus, als Raffael kurz vor Ende per Drehschuss die beste Chance der Hertha vergab. „Das wäre aber des Guten zu viel gewesen“, sagte sogar Herthas Trainer Markus Babbel.

Babbels Elf zeigte wie schon im ersten Heimspiel gegen Nürnberg (0:1) und in der Vorwoche bei der Lehrstunde in München (0:4) eine erschreckend schwache Leistung und kommt allmählich der Abstiegszone bedrohlich nahe. Kein Mut, keine Ideen, keine Torchancen - die 47.000 Zuschauer quittierten die klägliche Vorstellung früh mit Pfiffen. „Am Ende können wir mit dem Punkt zufrieden sein“, sagte der Hertha-Coach, der sich die Schwankungen seiner Elf auch nicht so richtig erklären konnte. „Auffällig ist, dass wir dann oft schlecht spielen, wenn wir als Favorit ins Spiel gehen.“

Insbesondere im Spielaufbau verrieten die Berliner große Schwächen. Auch die Hereinnahme von Fabian Lustenberger für Peter Niemeyer im defensiven Mittelfeld brachte nicht den gewünschten Effekt. „Wir können uns bei Kraft und der guten Innenverteidigung bedanken, dass wir am Ende hier einen Punkt geholt haben“, sagte Babbel. Der Torhüter selbst konnte mit dem vielen Lob nicht so richtig was anfangen: „Ich habe zwar zwei, drei Bälle gehalten, bin aber trotzdem nicht zufrieden.“