Malik Fathi

"Mainz war in der vergangenen Saison bissiger"

Vor seiner Rückkehr nach Berlin am Samstag spricht der Mainzer Mailk Fathi im Interview mit Morgenpost Online über sein Russland-Abenteuer und die FSV-Abgänge.

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Nach Beendigung seines Russland-Abenteuers bei Spartak Moskau ist Malik Fathi (27) zu Beginn dieser Saison wieder fest in die Bundesliga zurückgekehrt. Am Samstag ist der gebürtige Berliner mit dem 1. FSV Mainz 05 bei Hertha BSC zu Gast.

Morgenpost Online: Herr Fathi, Sie kehren mit Mainz ins Olympiastadion zurück – mit welchen Gefühlen?

Malik Fathi: Ich freue mich darauf, trotzdem hätte ich das Spiel gern in einer Situation bestritten, in der beide Mannschaften weiter oben in der Tabelle stehen; speziell natürlich wir Mainzer. So steckt für mich Freude in der Partie, aber auch viel Ernst.

Morgenpost Online: Sie sprechen die Mainzer Probleme an. Warum ist beim selbst ernannten Karnevalsverein gerade Schluss mit Lustig?

Fathi: Spielerisch hat sich bei uns gegenüber der vergangenen Saison nicht viel geändert. Vielleicht waren wir da einen Tick bissiger als jetzt, haben so das Glück erzwungen, das gerade etwas fehlt. Dazu hatten wir natürlich schon heftige Abgänge…

Morgenpost Online: …allen voran Holtby und Schürrle

Fathi: … die das eine oder andere entscheidende Tor für uns erzielt haben. Aber, im Leben wie im Fußball gibt es Phasen des Auf und Ab – die Kunst besteht darin, die negativen Phasen schneller als andere wieder in positive zu verwandeln.

Morgenpost Online: Sehr philosophisch! Im Sommer sah es nach einer Rückkehr zu Hertha BSC aus, die kam letztlich nicht zustande. Wie lange hielt die Enttäuschung darüber an?

Fathi: Es gab eine Phase, da war das so. Aber letztlich fühle ich mich nach zwei Jahren auch in Mainz wohl, das beinhaltet die Lebensqualität der Stadt, aber auch den Verein mit Trainer, Mitspielern und Fans.

Morgenpost Online: Wie nehmen Sie Bundesliga-Rückkehrer Hertha inzwischen aus der Ferne wahr?

Fathi: Als so genannter Hauptstadtklub werden an Hertha andere Ansprüche herangetragen als an Mainz. Hier konnte bei einer anderen Zielsetzung eine andere Strategie verfolgt werden, und in den vergangenen zwei Jahren wurde aus den geringeren Möglichkeiten aber das Maximum herausgeholt. In Berlin sind die Ansprüche höher und entsprechend auch der Druck. Es wurde viel Geld ausgegeben – anscheinend mehr als da war. Da musste irgendwann zwangsläufig ein Gang zurückgeschaltet werden. Jetzt sind beide Vereine langsam miteinander zu vergleichen.

Morgenpost Online: Im fernen Russland, wo Sie für Spartak Moskau spielten, fühlten Sie sich nicht mehr wohl?

Fathi: Russland war sportlich und für mein Leben eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Morgenpost Online: Aber?

Fathi: Ich habe die Sprache gelernt, aber eben auch, wie es im Fußball dort zugeht. Das Niveau der Premjer-Liga ist zwar hoch, aber gegenüber dem deutschen Fußball fehlt es an Konstanz über eine ganze Saison hinweg. Dazu läuft vieles chaotischer ab als hierzulande, nicht so strukturiert.

Morgenpost Online: Was konkret?

Fathi: Man hat einfach immer das Gefühl, dass gewisse Dinge komisch ablaufen, hinter verschlossenen Türen und anders, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Nehmen Sie einen Verein wie Machatschkala: Die trainieren in Moskau und fliegen zu Heimspielen quer durchs Land. Das würde es bei uns nie geben! Das meine ich mit chaotisch.

Morgenpost Online: Hatten Sie, etwa bei Auswärtsspielen in der Bürgerkriegsregion Tschetschenien, das Gefühl, bedroht zu sein?

Fathi: Das nicht. Wir hatten rund um die Spiele ja wenig mit dem Alltag zu tun. Aber komisch ist es schon, mit Polizei vor und hinter dem Bus zum Stadion zu fahren und überall Militär zu sehen.

Morgenpost Online: Da regte sich dann das Heimweh?

Fathi: Ich habe mich in Moskau wohlgefühlt. Trotzdem bedeutet es für mich ein Stück Lebensqualität, in einer Stadt wie Mainz einen Kaffee trinken zu können, ohne dafür drei Stunden im Auto sitzen zu müssen, weil alles ein einziges Verkehrschaos ist. Manches an Moskau vermisse ich, andererseits genieße ich doch sehr die Strukturen unseres Landes.

Morgenpost Online: Sie sind über den Umweg Moskau in Mainz, Ashkan Dejagah bei Ex-Meister Wolfsburg, Patrick Ebert bei Hertha und die Boatengs bei Bayern und AC Mailand – wenn Sie mal auf Ihre Generation der Berliner Talente schauen, wer hat was aus seinen Möglichkeiten gemacht?

Fathi: Zuerst mal freut es mich, dass wir alle so relativ gut untergekommen sind – und Kevin und Jerome sogar sehr gut. Sie haben mich vorhin einen Philosophen genannt, da will ich so antworten: Alles hat seine Gründe, und für mich ist alles genau richtig so gelaufen. Ich bereue nichts. Ich bin froh, den Weg nach Moskau genommen zu haben und jetzt in Mainz zu sein.