Zwei umstrittene Platzverweise, zwei Elfmeter und jede Menge Zündstoff – Peter Sippel schlüpfte in die Rolle des Hauptdarstellers. Die schwache Vorstellung des Schiedsrichters erhitzte beim 1:2 (0:1 ) des FC Schalke 04 gegen den 1. FC Kaiserslautern die Gemüter. Noch lange nach dem Schlusspfiff wurde nicht über Taktik und Tore, sondern über den Unparteiischen aus München diskutiert.

„Auch der Schiri konnte uns heute nicht stoppen“, kommentierte der erleichterte Gäste-Coach Marco Kurz den verdienten Auswärtssieg seiner Mannschaft, der nur durch die Fehlentscheidung des Referees kurzfristig in Gefahr geraten war.

Schon in der ersten Schlüsselszene des Spiels bewies Sippel wenig Fingerspitzengefühl. Das Foul von Schalke-Schlussmann Ralf Fährmann (28.) an Dorge Kouemaha wertete er als Notbremse und ahndete es sowohl mit einem Elfmeter als auch mit einer Roten Karte .

Die deshalb aufkommende Wut der heimischen Fans animierte den Schiedsrichter offenbar zu einer Konzessionsentscheidung: Beim Zweikampf von Kaiserslauterns Abwehrspieler Rodnei (61.) gegen Jurado entschied er erneut auf Strafstoß und Platzverweis. Das empfand selbst Schalke-Coach Huub Stevens als zweifelhaft: „In dieser Situation war es noch lächerlicher, einen Elfmeter und eine Rote Karte zu geben.“

Die Torschützen Christian Tiffert (30./Foulelfmeter), Klaas-Jan Huntelaar (62./Foulelfmeter) und Dorge Kouemaha (72.) mussten sich deshalb mit Nebenrollen begnügen. Stattdessen stand der Schiedsrichter im Rampenlicht.

Auch nach der Sichtung der TV-Bilder wähnte sich Sippel in beiden Fällen im Recht: „Das hätte die Regel gebeugt, wenn ich bei Fährmann nicht auf Rot entschieden hätte.“ Die Strafe für Rodnei hielt er ebenfalls für angemessen: „Der Abwehrspieler kümmert sich um alles, nur nicht um den Ball.“ Trotzig stellte er sich der Kritik: „Es gibt immer Vorwürfe gegen Schiedsrichter, da schmerzt nichts mehr.“

Merk beworfen

Der frühere Schiedsrichter Markus Merk bewertete die Leistung von Sippel allerdings negativ: „Er hatte insgesamt große Probleme mit der Spielleitung“, meinte der Sky-Experte. Neben dem Referee auf dem Platz avancierte auch Merk zum Buhmann der Fans .

Auf seinem Weg zur TV-Diskussionsrunde vor der Schalker Südtribüne bekam er in der Halbzeit derbe Schmähgesänge zu hören und wurde mit Bierbechern und sogar einer Billardkugel beworfen.

Noch immer macht ihn der königsblaue Anhang für die verpatzte Meisterschaft vor zehn Jahren verantwortlich. Im Meisterschaftsfinale 2001 hatte Merk am letzten Spieltag in Hamburg kurz vor Abpfiff auf indirekten Freistoß für den FC Bayern entschieden. Durch das anschließende 1:1 schob sich der Rekordmeister noch an Schalke vorbei.

"Ein Rückschlag"

Angesichts der vielen Nebengeräusche spielten die rein sportlichen Aspekte der Partie eine nur untergeordnete Rolle. Dabei vergab der FC Schalke immerhin die große Chance, auf Rang zwei vorzurücken und zum ersten Verfolger des scheinbar übermächtigen Tabellenführers aus München aufzusteigen.

„Für uns ist es ein Rückschlag“, klagte der neue Trainer Stevens , der nach zuvor zwei Pflichtspielsiegen die erste Schlappe seit seinem Dienstantritt Ende September hinnehmen musste.

Ähnlich wie der niederländische Fußball-Lehrer gab sich auch Manager Horst Heldt selbstkritisch und suchte die Schuld für die Niederlage nicht bei anderen: „Der Schiri hat es nicht entschieden, wir haben es entschieden.“

dpa/fb