Fifa-Reform

Blatter setzt auf Zwanziger und Beckenbauer

Durch Korruptionsvorwürfe und Schmiergeldzahlungen ist der Fußball-Weltverband in Verruf geraten. Jetzt kündigte Fifa-Boss Blatter Reformen an - und setzt dabei auf prominente Unterstützung.

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Viele "Task Forces", prominente Unterstützung und ein neuer Blick auf einen Prozess um Schmiergeldzahlungen: Auf diese Weise will Fifa-Präsident Joseph Blatter den Fußball-Weltverband umkrempeln. Nach einer zweitägigen Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees versprach Blatter am Freitag in Zürich, den Kampf gegen Korruption neu aufzunehmen.

Blatter unterstrich dabei seinen Reformwillen und setzt vor allem auf die Unterstützung von DFB-Präsident Theo Zwanziger und Franz Beckenbauer. „Der Fußball-Weltverband ist nicht korrupt, aber vielleicht sind es einige Mitglieder. Ich bin glücklich, dass wir diese Reformen beschließen konnten und nun hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können. Wir wollen nicht in der Vergangenheit schwelgen“, sagte der 75-Jährige.

Vier neue „Task Forces“ werden gegründet. Zwanziger wird die „Task Force Statuten-Kommission“ anführen, Beckenbauer ist Vorsitzender der „Task Force Football 2014“. Dieses Gremium kann Vorschläge erarbeiten für das International Board, das alleine Regeländerungen beschließen darf.

Zur sogenannten „Fifa Task Force Football 2014“ gehören neben dem Vorsitzenden Beckenbauer auch die Legenden Pelé und Bobby Charlton sowie Cafu und Christian Karembeu.

Zudem gründete die Fifa sowohl eine Task Force für mehr Transparenz als auch eine „Task Force Ethik-Kommission“. Damit will Blatter den Weltverband grundsätzlich reformieren, nachdem insbesondere die doppelte Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar wegen massiver Korruptionsvorwürfe ins Zwielicht geraten war.

Überraschend kündigte der Schweizer zudem an, dass der Weltverband den Strafprozess gegen die frühere Vermarktungs-Agentur ISL mit Hilfe externer Ermittler neu aufrollen will.

2008 waren während des Strafprozesses gegen die ISL Schmiergeld-Zahlungen an Funktionäre der FIFA, des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und anderer Verbände in Höhe von 138 Millionen Franken öffentlich geworden. Zu einer Aufklärung kam es indes nie. Das Verfahren wurde eingestellt, nachdem die Begünstigten Rückzahlungen geleistet hatten.

„Der Fall ISL hat schon viel Unruhe verursacht. Heute hat das Exekutivkomitee auf meine Bitte beschlossen, diese Akte zu öffnen. Das ist eine Akte mit rechtlichen Auswirkungen, und wenn Maßnahmen zu ergreifen sind, wird das nicht das Exko tun, sondern eine externe Organisation“, erklärte Blatter.

Damit könnten die Namen von hochrangigen Funktionären publik werden, die von der mittlerweile bankrotten Vermarktungsagentur ISL bestochen worden sein sollen. 2008 waren während des Strafprozesses gegen die ISL Zahlungen an FIFA-Vorstandsmitglieder publik geworden. Diese Zahlungen sollen zwischen 1989 und 2001 über dubiose Kanäle geflossen sein. Damit hatte sich die ISL offenbar lukrative Marketingrechte gesichert. Eine völlige Aufklärung gab es nie. Erste Ergebnisse werden für Dezember erwartet.