Verdacht der Brandstiftung

Bayern-Star Breno wegen Fluchtgefahr verhaftet

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Julien Wolff

Foto: AFP

Der brasilianische Abwehrspieler Breno vom FC Bayern München ist wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr am Samstag festgenommen worden - wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung.

An Oktoberfest-Wochenenden ist es in München so laut wie sonst nie. Die Stadt ist voll, und die Bewohner des edlen Vororts Grünwald spüren nach einem Ausflug in die City, wie idyllisch es in ihrem Viertel ist. Doch in diesem Jahr ist alles anders, auch in Grünwald herrscht Unruhe. Die Bewohner sind in Aufruhr, fragen sich: Hat neben ihnen ein Brandstifter gelebt? Ein Krimineller? Was ist in der Nacht zum Dienstag in Brenos Villa passiert?

Das angemietete Haus des brasilianischen Verteidigers vom FC Bayern München war unter mysteriösen Umständen abgebrannt, Schätzungen zufolge entstand ein Schaden von rund 1,5 Millionen Euro. Und nun sitzt Breno in Untersuchungshaft.

Drei Brandherde im Haus

Am Sonnabendvormittag hat das Amtsgericht München diese für den 21-Jährigen angeordnet. Das gab die Staatsanwaltschaft München I bekannt. Es bestehe der dringende Tatverdacht der Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Die Polizei vermutet offenbar, dass sich Breno absetzen wollte. Sie hatte sein Verhalten genau studiert. Laut „Bild.de“ verhörte sie Breno am Sonnabend zwei Stunden im Präsidium, gegen 14.30 Uhr fuhr sie ihn im silbernen BMW weg. Der Brasilianer saß auf der Rückbank und zog sich eine Kapuze über den Kopf. Gegen 15.20 Uhr – kurz vor Bundesligaanpfiff – erreichten die Beamten mit Breno die Justizvollzugsanstalt Stadelheim. Die Polizisten drückten ihn nach unten, damit niemand Breno erkennt. Vier Polizisten sperrten den Eingang ab. „Wir werden weiter ermitteln“, sagte ein Beamter.

Breno wird verdächtigt, das Feuer in seinem Haus vorsätzlich gelegt zu haben. Die „Abendzeitung“ berichtet, dass der Profi in der besagten Nacht 1,5 Promille Alkohol im Blut hatte. Das soll eine Atem-Prüfung ergeben haben. Zudem soll es mehrere Brandherde im Haus gegeben haben. Breno müsse der Staatsanwaltschaft zufolge nun erst einmal in U-Haft bleiben. Allerdings könnte er – etwa gegen die Zahlung einer Kaution – wieder auf freien Fuß kommen.

Offenbar hatten Polizisten Breno am Freitag vernommen und das Verhör am Sonnabend fortgesetzt. Zuerst sollen sie in einem Hotel mit ihm gesprochen haben, in dem Breno derzeit wohnt. Noch am Freitagabend sollen sie ihn auf die Wache gebracht haben. Offenbar übernachtete Breno in der Psychiatrie des Max-Planck-Instituts, sein privater Wagen wurde zur Spurensicherung aus der Hotel-Tiefgarage entfernt. Es wirkt alles wie in einem Sonntagabend-Krimi.

Der FC Bayern äußerte sich vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen (nach Redaktionsschluss) nicht zum schwebenden Verfahren. Der Klub hatte bislang klar gemacht, dass er sich hinter seinen Spieler stellen wolle. „Ich möchte da nicht spekulieren. Ich habe keine Fakten. Ich bin nicht dabei gewesen“, sagte Trainer Jupp Heynckes, und in einer Mitteilung des Klubs heißt es: „Überrascht sind wir von der neuen Situation, dass nunmehr gegen Breno ermittelt werden soll. Da der FC Bayern keine weiteren Informationen dazu besitzt, können wir uns dazu nicht äußern.“

Laut „Münchner Merkur“ war Breno im Max-Planck-Institut, nachdem der Verein ihm nahegelegt hatte, sich in psychiatrische Behandlung zu begeben. Ihn plagen offenbar Zweifel, ob er nach mehreren Knieoperationen wieder Fußball spielen kann. Dies soll er am Montag – also wenige Stunden vor dem Brand – geäußert haben. In München kursieren zahlreiche Gerüchte über den Profi. Von Selbstmordgedanken ist die Rede, Eheproblemen und Finanznöten.

Feuerwehrmann wundert sich

In dem Fall gibt es bislang tatsächlich mehr Fragen als Fakten. Das Feuer soll im Gästezimmer ausgebrochen sein. Breno hielt sich da in dem angemieteten Haus auf. Die Frau und die drei Kinder des Südamerikaners waren trotz nachtschlafender Zeit nicht in der Villa anwesend. Der Abwehrspieler flüchtete mit seinen zwei Hunden aus dem Haus und lief zu Nachbarn, Anwohner riefen die Feuerwehr. Breno erlitt eine leichte Rauchvergiftung. Eine Nachbarin sagte „Bild.de“: „Breno hat bei mir geklingelt und machte einen verwirrten Eindruck. Er stotterte ‚Haus kaputt, ich muss aufs Klo.'“ Brenos Frau, mittlerweile eingetroffen, wollte in das brennende Haus laufen, um Sachen zu retten, die Feuerwehr musste sie zurückhalten. Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger traf Breno am Tag nach dem Feuer in der Klinik. Sein Landsmann und Nachbar Rafinha, ebenfalls Teil der Bayern-Verteidigung, besuchte Breno auch. Er war in der Brandnacht sogar zur verbrannten Villa geeilt.

In den vergangenen Tagen brachten Ermittler mit einer Drehleiter einen Spezialsuchhund in den ersten Stock des zerstörten Gebäudes, die Treppen sind nicht mehr zu benutzen. Die Männer suchten in den Trümmern nach Spuren, möglicherweise nach Brandbeschleunigern, defekten Kabeln oder Leitungen. Am Haus fanden sie offenbar auch einen Grill. Ein endgültiges Gutachten wird in zwei bis drei Wochen erwartet. „Ich bin seit 20 Jahren bei der Feuerwehr. Aber so etwas habe ich bei einem Einfamilienhaus noch nicht gesehen“, sagte Feuerwehrkommandant Thomas Lix.

Breno steht seit 2008 bei den Bayern unter Vertrag, wechselte damals für rund zwölf Millionen Euro vom FC Sao Paulo an die Isar. Der junge Mann galt als kommender Star in der Bayern-Abwehr, konnte die hohen Erwartungen aber nicht einmal ansatzweise erfüllen. Anfang 2010 lieh ihn der Rekordmeister an den 1. FC Nürnberg aus. Auch in Franken wurde Breno nicht glücklich. Nach nur acht Partien riss er sich das Kreuzband. Zurück in München musste Breno erneut am Knie und am Sprunggelenk operiert werden. In dieser Saison kam er noch nicht zum Einsatz, sein Marktwert fiel laut „transfermarkt.de“ auf 5,5 Millionen Euro.

Doch nun muss der Brasilianer nicht nur um seine Sportkarriere bangen.