Handball

Schwenker weist Manipulationsvorwurf zurück

Kiels früherer Manager Uwe Schwenker wirft der Staatsanwaltschaft vor, ihrer gesetzlichen Pflicht, nicht nur belastende, sondern auch entlastende Umstände zu ermitteln, nicht nachgekommen zu sein. Das Verfahren wegen Manipulationsverdachts des Champions-League-Endspiels 2007 hätte eingestellt werden müssen.

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Der ehemalige Handball-Manager Uwe Schwenker hat nach der Anklageerhebung gegen ihn und Noka Serdarusic schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft Kiel erhoben. In einer von Schwenkers Anwalt Harald Riettiens veröffentlichten Pressemitteilung zu der vermeintlichen Manipulationsaffäre um Rekordmeister THW Kiel werden die Untersuchungsergebnisse, die in der vergangenen Woche zu einer offiziellen Anklage geführt hatten, angezweifelt.

Die Staatsanwaltschaft sei ihrer gesetzlichen Pflicht, nicht nur belastende, sondern auch entlastende Umstände zu ermitteln, „nicht nachgekommen“, heißt es in der Mitteilung: „Wenn sich der Anfangsverdacht nicht bestätigt, so hätte das Verfahren eingestellt werden müssen.“ Die nach elfmonatiger Ermittlungsarbeit vorgelegten Ergebnisse seien „mehr als dürftig“.

Es sei zudem offensichtlich, dass die ermittelnde Behörde das Verfahren nur deshalb nicht eingestellt habe, „weil sie für eine solche Entscheidung die öffentliche Verantwortung nicht übernehmen wollte.“ Statt sich des Vorwurfs eines „Kieler Klüngels“ auszusetzen, habe sie lieber dem Gericht die Verantwortung zugeschoben.

Der Kieler Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer reagierte gelassen auf die Vorwürfe: „Wenn die Verteidigung das zum Anlass nimmt, uns zu attackieren, ist das ihre Sache. Wir werden uns dazu nicht äußern“, sagte Schulze-Ziffer am Dienstag.

Riettines kündigt an, dass sich die Verteidigung im Zwischenverfahren gegenüber dem Landgericht Kiel auch zu weiteren Rechtsfragen umfassend äußern werde. Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft weitere Details bekannt gegeben. Demnach sollen Schwenker und Serdarusic den polnische Schiedsrichtern im Zuge des Champions-League-Finalrückspiels des THW gegen die SG Flensburg-Handewitt im April 2007 einen höheren fünfstelligen Geldbetrag durch einen kroatischen Mittelsmann übergeben haben.

Darin sieht die Staatsanwaltschaft „einen gemeinschaftlichen Betrug der Angeklagten zum Nachteil des europäischen Handball-Verbandes EHF und der SG Flensburg-Handewitt sowie eine Untreue des Angeschuldigten Schwenker zum Nachteil des THW sowie eine Beihilfe dazu durch den Angeschuldigten Serdarusic“. Nach der Meinung von Riettiens hat die Staatsanwaltschaft dafür keine Beweise geliefert. Zumal die Europäische Handball-Föderation EHF bei einer Analyse der Leistung der Referees nichts Auffälliges festgestellt hatte.

EHF stellte nichts Auffälliges fest

Nach der Meinung von Riettiens hat die Staatsanwaltschaft dafür allerdings keine Beweise geliefert. Zumal die Europäische Handball-Föderation EHF bei einer Analyse der Leistung der Referees nichts Auffälliges festgestellt hatte. „Damit hätte die Sache mangels Tatverdacht eingestellt werden müssen, denn einen sogenannten Taterfolg hat es nie gegeben. Ein Versuch des Betrugs wäre durch nichts zu beweisen“, erklärte Riettiens. Schwenker hatte die Zahlung von 92.000 Euro als Honorar für den Spielervermittler Nenad V. deklariert.

Auch beim zweiten Tatkomplex sieht der Anwalt nach Zustellung der Anklage Ergebnislücken. Zwei Tage nach dem Champions-League-Finalrückspiel der Kieler gegen Ciudad Real (25: 31) am 11. Mai 2008 soll ein 40.000-Euro-Darlehen aus dem Vermögen des THW von Schwenker an Serdarusic überwiesen worden sein. Nach Meinung von Riettiens macht eine Zahlung an Schiedsrichter - wie in diesem Fall Serdarusic vorgeworfen wird - nach einem verlorenen Spiel keinen Sinn.

Die 2007 im Finale unterlegenen Flensburger hatten bereits angekündigt, eine Schadensersatzklage zu prüfen. Doch auch die EHF, die nach der offiziellen Anklageerhebung bereits Akteneinsicht gefordert hatte, könnte nun tätig werden.