Handball

Schwenker und Serdarusic droht Regresszahlung

Die SG Flensburg-Handewitt, die 2007 das nun unter Manipulationsverdacht stehende Champions-League-Finale gegen den THW Kiel verlor, erwägt Regeressforderungen gegen den deutschen Handball-Meister sowie deren damalige Verantwortliche, Uwe Schwenker und Noka Serdarusic. Es geht um eine sechsstellige Summe.

Foto: pa/dpa (2)

Ihre müden Helden erwarten sie erst morgen zurück. Torhüter Thierry Omeyer darf den französischen Triumph bei der Handball-Europameisterschaft in Österreich ebenso noch ausgiebig feiern wie Rückraumspieler Daniel Narcisse. Nach durchzechter Nacht in einer Wiener Diskothek stand gestern immerhin noch ein Besuch in Paris an, ehe es am Mittwoch weiter nach Kiel geht.

Der zu erwartende warme Empfang für die beiden französischen Titelträger in Reihen des deutschen Rekordmeisters THW Kiel steht im krassen Gegensatz zu den wieder an Fahrt gewonnenen Manipulationsvorwürfen gegen den Klub und seinen ehemaligen Manager Uwe Schwenker sowie Ex-Trainer Zvonimir Serdarusic. Ende vergangener Woche erhob die Kieler Staatsanwaltschaft Anklage gegen die beiden Hauptbeschuldigten des vermeintlichen Skandals, bei einer Verurteilung drohen ihnen bis zu fünf Jahre Haft. Zudem könnten heftige Regressforderungen sowohl auf die beiden angeblichen Delinquenten als auch auf den Verein zukommen. Es gehe „um eine beträchtliche sechsstellige Summe“, sagte Rechtsanwalt Thomas Summerer am Montag Morgenpost Online.

Der Münchner Sportrechtler vertritt die SG Flensburg-Handewitt, die 2007 das umstrittene Champions-League-Finale gegen den seinerzeit von Manager Schwenker und Trainer Serdarusic betreuten THW verloren hat. „Der THW Kiel hat möglicherweise die Siegprämie eingestrichen, ohne darauf einen Anspruch zu haben. Zudem sind meiner Mandantin Sponsorengelder entgangen“, sagte Summerer zu einer möglichen Schadensersatzklage.

Dem ehemaligen THW-Manager Schwenker werden Betrug und Untreue, Ex-Coach Serdarusic Betrug und Beihilfe zur Untreue vorgeworfen. Neben mindestens neun weiteren Europapokalspielen sollen beide mit Hilfe der Schiedsrichter das Champions-League-Finale 2007 zugunsten des THW Kiel beeinflusst haben. Nach einem 28:28 im Hinspiel siegten die Kieler im Rückspiel in eigener Halle 29:27. Als Gewinner des lukrativsten Vereinswettbewerbs erhielt der THW damals ein Gesamtpreisgeld von 515.000 Euro.

Stichhaltige Indizien auf Manipulation

Er gehe davon aus, „dass die Vorwürfe zutreffen“, sagte Flensburgs Anwalt Summerer und verwies nach Sichtung der Ermittlungsakten auf „stichhaltige Indizien“ für eine mögliche Manipulation des Endspiels 2007.

Neben der Schadenersatzklage aus Flensburg drohen Schwenker, Serdarusic und dem THW auch weitere Regressforderungen vom europäischen Verband EHF, Sponsoren und möglicherweise Fans. Rasch könnte sich die Schadenssumme auf über eine Million Euro belaufen.

Doch noch ist unklar, inwieweit die angebliche Bestechung nachweisbar ist. Im Zentrum der Ermittlungen geht es vor allem um den Verbleib von 152.000 Euro, die rund um das Endspiel 2007 vom Vereinskonto abgebucht worden waren. Laut Schwenker sollen 92.000 Euro an den Kroaten Nenad Volarevic für die Vermittlung des Kreisläufers Igor Anic gezahlt worden sein. Die restlichen 60.000 Euro habe er Serdarusic geliehen, weil dieser in einem finanziellen Engpass gesteckt habe.

Jene Version zweifeln die Strafverfolger allerdings stark an. Sie vermuten, dass das Geld für Spielmanipulationen verwendet wurde. Ob die 5. Große Strafkammer des Kieler Landgerichts die Klage tatsächlich annimmt und ein Verfahren gegen Schwenker und Serdarusic eröffnet, entscheidet sich aber erst in ein bis drei Monaten. In dieser Woche soll die Anklageschrift zunächst an die Beschuldigten und ihre rechtlichen Beistände geschickt werden. Zuvor hatte sich bereits Schwenkers Anwalt Harald Riettiens darüber beschwert, dass sein Mandant von der Anklageerhebung aus den Medien erfahren habe. Gestern entschuldigte sich das Gericht für den Verfahrensfehler.

Kurioserweise ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft in einem anderen Verfahren auch gegen einen Flensburger Protagonisten. Dem SG-Präsidenten Frerich Eilts wird Bestechlichkeit und besonders schwere Untreue vorgeworfen. Eilts soll als früherer Vorstandsvorsitzender der Flensburger Sparkasse einem Makler Immobilien aus Kreditabwicklungsfällen verschafft haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet einen Zusammenhang mit einem Werbevertrag des Immobilienmaklers zugunsten des Flensburger Handballklubs. Eilts wies die Vorwürfe als haltlos zurück.