Super Bowl

Green Bays Rodgers tritt aus Favres großem Schatten

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Oskar Beck

Der überragende Quarterback Aaron Rodgers führt die Green Bay Packers zum Triumph im Super Bowl und hält damit sein Versprechen.

Beim 45. Super-Bowl-Finale hat sich wieder einmal gezeigt, dass Sie nicht alles glauben dürfen, was in der Zeitung steht. In der „Pittsburgh Post Gazette“ stand vor dem Spiel dick und fett: „Auf der Leiter in den siebten Himmel.“

Waren die Sprossen morsch?

Zum siebten Mal wollten die Steelers die höchste Trophäe gewinnen, die der American Football zu vergeben hat, aber stattdessen sind die Green Bay Packers auf Wolke sieben gestiegen. 31:25 ist es am Ende ausgegangen, und der etliche Zentner schwere Defensivklotz B.J. Raji brüllte im Namen aller Sieger durchs Cowboys Stadium in Arlington: „Mann, Mann, ich fühle mich wie auf dem Gipfel der Welt.“

105.000 Zuschauer waren da, darunter George W. Bush sowie halb Hollywood und Zehntausende aus Pittsburgh, doch am Ende waren nur noch die „Cheesecakes“ zu hören. So werden wegen ihrer gelben Kunstkäsewürfel auf dem Kopf die Fans der Packers genannt, und ihren Quarterback hätten sie am liebsten mit Konfetti beworfen und mit Lametta behängt.

Aaron Rodgers ist 27 Jahre alt und in der Blüte seines sportlichen Wirkens. Auf der Tribüne hielten die Leute Papptafeln hoch mit dem Befehl „Go, Pack, go!“ – und das Pack da unten hörte auf Rodgers Kommando. Schnell ging Green Bay solide in Führung, der berüchtigte „Steel Curtain“, der stählerne Vorhang der Steelers, bröckelte unter Rodgers Würfen, dem gelangen drei Pässe zu Touchdowns, kein einziger seiner Bälle wurde abgefangen, und am Ende ließ sich der Star des Abends zum Ritter schlagen, zum „Most Valuable Player“, auf gut Deutsch zum wertvollsten Spieler.

Pittsburghs Troy Polamalu staunte: „Rodgers ist unfassbar akkurat. Er hatte zwei große Pässe in wirklichen Schlüsselmomenten des Spiels.“ Und Hines Ward, der Ballfänger der Steelers, ging lobend noch einen Schritt weiter: „Wir wurden exekutiert.“

Da hielt selbst Ben Roethlisberger nicht mehr Schritt. Zweimal, 2006 und 2009, hatte der als Spielgestalter die Pittsburgher schon zum Super-Bowl-Ruhm geführt, und zwei Touchdowns hat er auch diesmal immerhin handwerklich in die Wege geleitet, aber alles in allem war die Halbzeitshow der Black Eyed Peas mit Sängerin Fergie besser. Nur im dritten Viertel gelang es Roethlisberger, die Packers bedenklich unter Druck zu setzen – aber mit seinem Pass zum vorentscheidenden 28:17 schlug Aaron Rodgers brutal und befreiend dazwischen.

„Unser Laufspiel war schlecht“, meckerte hinterher Trainer Mike McCarthy, „wir haben da alles auf Rodgers’ Schultern geladen:“ Aber der hat es verkraftet, beneidenswert cool.

Und Green Bay tanzt. Der Super-Bowl-Pokal, die Vince-Lombardi-Trophäe, ist wieder dort, wo sie hingehört. Denn Lombardi war anno Tobak die Trainerlegende der Packers – er hat sie zweimal zum Super-Bowl-Sieg geführt, schon vorher NFL-Titel gesammelt wie andere Leute Bierkrüge und dem Städtchen in Wisconsin maßgeblich seinen Zweitnamen verschafft: Titletown USA.

„In Green Bay“, erzählt John Kuhn, der Running Back, „kannst du durch keine Tür gehen, ohne dass dich dahinter Fahnen von großen Meisterschaftssiegen und die Lombardi-Trophäe begrüßen.“

Jetzt kommt noch das Denkmal für Aaron Rodgers dazu. Er ist gewaltig aus dem Schatten seines Vorgängers Brett Favre getreten. Der wurde als Green Bays Quarterback einst zur Legende, und als er ging, hatte es Rodgers nicht leicht. Es gab viele Vorbehalte. Heftig musste er die Verantwortlichen immer wieder beruhigen. Aaron Rodgers: „2005 habe ich gesagt: ‚Nehmt mich, Ihr werdet es nicht bereuen!’ 2008 habe ich versprochen: ‚Ich zahle Euch das Vertrauen zurück!’“ Jetzt haben wir 2011. Aaron Rodgers hat Wort gehalten.