"Lage der Liga"

Philipp Lahm hat sich als Opportunist geoutet

Die Veröffentlichung seiner Biografie hat viel Ärger erzeugt. Das wollte Lahm eigentlich nicht und dreht sich nun in den Wind, der ihm entgegen weht.

Es war die Woche des Philipp Lahm. Fraglos. Seine Autobiografie hat er geschrieben. Mit 27. Ganz schön früh, sagen Kritiker. Andererseits hat auch Teeniestar Justin Bieber gerade seine Lebensgeschichte zu Papier gebracht. Und der ist erst 17. Warum also nicht auch Lahm?

Vielleicht, weil eigentlich nicht viel drinsteht in dem Buch. Staunend beobachtete Lahm daher den Medienorkan, der über ihn nach den Vorabdrucken in „Bild“ hinwegtobte. Lahm kritisiert fast jeden seiner Ex-Trainer – besonders Völler und Klinsmann bekommen ihr Fett weg. Dafür erfahren die aktuellen Vorgesetzten in der lahmschen Traineranalyse Bewunderung (Löw) oder bleiben außen vor (Heynckes).

Es sei nie seine Absicht gewesen, Krach zu schlagen, sagte Lahm nun, warf sich vor Völler und Klinsmann in den Staub und argumentierte in bester Sarrazin-Manier: Die Auszüge aus den Vorabdrucken seien verkürzt dargestellt. Nur wer das ganze Buch lese, könne urteilen: „Man muss da schon wie ein Goldsucher an die Lektüre herangehen, um diese Passagen herauszufiltern.“

Wie gesagt, viel drin steht nicht. Findet selbst der Autor. Und so sind es nicht Lahms Thesen, sondern vielmehr sein Verhalten, das Bundestrainer Löw an seinem Kapitän zweifeln lassen muss – ganz abgesehen von der Frage, was Lahm in Zukunft in die Öffentlichkeit tragen wird.

Lahm hat sich als Opportunist geoutet. Eine Böe ins Gesicht genügte, dass er seine vermutlich richtigen Beobachtungen aufgab und stattdessen von Missverständnissen sprach. Mehr noch: Lahm stellt sogar den eigenen Medienpartner an den Pranger, mit dessen Hilfe er den Verkauf seiner Prosa massiv angekurbelt hat. Dass Europas größte Boulevardzeitung nicht die banalen Schwänke aus der Jugendzeit abdruckt, musste Lahm wissen. Dafür ist er eben doch schon 27. Und nicht 17.

Die Woche gehörte Lahm. Geholfen hat sie ihm nicht.