Autobiografie

Lahm macht Ex-DFB-Teamchef Völler lächerlich

Unter Teamchef Völler war es so, "als würden ein paar Kumpels miteinander in die Ferien fahren", schreibt Lahm in seinem Buch, das immer höhere Wellen schlägt.

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Welches Buch derzeit auf dem Nachttisch von Joachim Löw liegt, ist nicht bekannt. Die brisante Biografie von Philipp Lahm ("Der feine Unterschied") dürfte für den Bundestrainer aber nicht als beruhigende Gute-Nacht-Lektüre taugen.

Spätestens mit der Nominierung für den Länderspiel-Doppelpack gegen Österreich und Polen an diesem Freitag schwappt die Aufregung um Lahms Lästereien über Trainingsmethoden von Rudi Völler bis Jürgen Klinsmann auch zur Nationalmannschaft über.

DFB verschafft sich Überblick

Lahm hatte am Donnerstag beim FC Bayern München trainingsfrei und hält den richtigen "Zeitpunkt, über mein Buch zu reden", ohnehin nicht für gekommen. In den Handel geht das 265 Seiten dicke Werk am Montag, offiziell vorgestellt wird es erst am 25. September – im Münchner Volkstheater.

Konkrete Statements oder gar Disziplinarandrohungen gibt es nach der Veröffentlichung erster Passagen aus Lahms launiger Fußball-Literatur weder von Löw noch von höherer Verbandsstelle. Der DFB kündigte für den späten Donnerstagnachmittag eine offizielle Erklärung zu Lahms Buch an. Ob Lahm Sanktionen drohen, blieb zunächst noch offen.

Um Kapitänsbinde fürchten?

Längst beschäftigt sich aber die höchste DFB-Hierarchieebene intensiv mit dem Schriftstück des Nationalmannschaftskapitäns. Nach dpa-Informationen könnte noch vor der Kaderbenennung ein Urteil gesprochen werden. Da Lahm in seinem Werk auch Interna aus dem EM-Jahr 2008 preisgibt, muss der 27-Jährige möglicherweise um seine Kapitänsbinde fürchten.

Nach der Kritik an fast allen Trainern seiner bisherigen Karriere geht Lahm in seiner Autobiografie zumindest auf Schmusekurs zu Bundestrainer Joachim Löw.

"Jogi Löw erweist sich schon bei den ersten Trainingseinheiten als gewiefter Taktiker. Es ist interessant, was er über jede einzelne Position zu sagen weiß, vor allem für einen Spieler, dem bisher kein Trainer Anregungen gegeben hat, wie er die Position des linken Verteidigers vielleicht interpretieren könnte", schreibt Lahm.

Lockeres Training

Die neuesten Auszügen des Buches, die die "Bild"-Zeitung veröffentlicht, dagegen sind eine weitere Breitseite gegen Rudi Völler . Laut Lahm war die deutsche Nationalmannschaft unter dem damaligen DFB-Teamchef Völler im Jahr 2004 nicht mehr als ein zusammengewürfelter Haufen von Freizeitkickern.

"Das Training läuft erstaunlich locker ab. Wir laufen ein, zwei Runden um den Platz, um uns warm zu machen, machen ein bisschen Stretching, spielen Kreis, üben Flanken und Torschüsse und fangen nachher ein kleines Spiel an. Mir kommt das so vor, als würden ein paar Kumpels miteinander in die Ferien fahren, um Fußball zu spielen", schreibt Lahm, den Völler 2004 zum Nationalspieler machte.

Pro Tag sei nur eine Stunde trainiert worden, danach hätten sich die Nationalspieler auf ihre Zimmer verzogen. "Ich glaube, dass damals viele Playstations geglüht haben", so Lahm.

Taktische Besprechungen oder Videoanalysen habe es unter Völler nicht gegeben. "Das Einzige, worüber wir reden, sind Fehler, die dem Bundestrainer aufgefallen waren. Da einigt man sich dann darauf, dass man sie in Zukunft nicht mehr machen will", kritisiert Lahm den damaligen DFB-Teamchef.