Remis gegen Hertha

Hannover 96 verpasst Sprung an die Tabellenspitze

Hannover 96 wurde gegen Hertha BSC um den Sieg gebracht. Denn Schiedsrichter Hartmann verwehrte einem regulären Tor kurz vor dem Abpfiff die Anerkennung.

Durch eine fragwürdige Schiedsrichterentscheidung kurz vor Schluss hat Hannover 96 den erstmaligen Sprung an die Tabellenspitze seit 42 Jahren verpasst. Drei Tage nach dem Europapokal-Fest gegen Sevilla kamen die Niedersachsen gegen Aufsteiger Hertha BSC am Sonntag nur zu einem 1:1 (0:1) und blieben damit zum ersten Mal in dieser Saison ohne Sieg.

Mit einem Freistoß-Hammer aus rund 30 Metern erzielte Sergio Pinto (33. Minute) die Führung, Pierre-Michel Lasogga (85.) bestrafte Hannover jedoch für eine zu nachlässige Chancenverwertung.

Der große Aufreger des Spiels passierte allerdings in der 89. Minute: Eine Freistoßflanke von Christian Pander segelte unberührt in das Hertha-Tor und sorgte für unbändigen Jubel auf der Tribüne. Dieser wurde jedoch durch Referee Robert Hartmann beendet, der wohl ein vermeintliches Foul von Ya Konan an Maik Franz geahndet hatte.

„Es ist keine Abseitsposition, es liegt auch kein Foul vor, es war ein reguläres Tor“, sagte 96-Trainer Mirko Slomka , „schade für uns, wir wären Tabellenführer gewesen.“

„Tut mir leid, ein Foul sehe ich da wirklich nicht“, meinte auch Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke und fügte sarkastisch an: „Ya Konan hat 70 Kilo, Maik 110, das kann schon mal passieren.“ Auch Berlins Trainer Markus Babbel kam zu einer ähnlichen Einschätzung: „Wenn man sich die Bilder anschaut, kann man froh sein, dass es kein Gegentor war.“

Vor 41.200 Zuschauern war Hannover das spielerisch bessere Team, verpasste gegen defensiv gut organisierte Berliner allerdings die frühe Entscheidung. Damit liegen die Niedersachsen punktgleich mit Borussia Mönchengladbach wegen des schlechteren Torverhältnisses auf Rang zwei der Tabelle.

In einer lange Zeit zähen Partie konnte Hertha seinen Ruf als Angstgegner von Hannover untermauern, das seit dem Wiederaufstieg 2002 erst dreimal gegen die Hauptstädter gewinnen konnte.

Verdiente Führung

Vier Tage vor dem Rückspiel in der Europa-League-Qualifikation beim FC Sevilla bot Slomka die siegreiche Startelf aus dem ersten Duell (2:1) mit den Spaniern auf. Trotz der kurzen Ruhepause setzte Hannover die Berliner von Beginn unter Druck und kam nach zehn Minuten durch Innenverteidiger Karim Haggui zur einzigen Chance der ersten halben Stunde. Hertha-Keeper Thomas Kraft lenkte den Kopfball jedoch mit einem starken Reflex zur Ecke.

Bei der verdienten Führung des Heimteams sah der frühere Bayern-Schlussmann hingegen schlecht aus. Nachdem Raffael seinen Platz in der schlecht positionierten Mauer verlassen hatte, traf Pinto per Freistoß-Kracher flach in die kurze Ecke. „Wenn ich da eine Mauer stelle, muss sie auch stehenbleiben“, kritisierte Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz.

Aggressive Berliner

Selbst nach dem Rückstand versteckten sich die aggressiv verteidigenden Hauptstädter nicht, kamen jedoch zu selten zum Abschluss. Erst kurz vor der Pause sorgte Raffael für Gefahr vor dem Tor des am Freitag erstmals in den Nationalkader berufenen Ron-Robert Zieler , verzog aus 16 Metern jedoch knapp über die Latte.

Auch in der zweiten Halbzeit konnte Hannover nur selten an die Europapokal-Gala gegen Sevilla anknüpfen. Stattdessen parierte Zieler überragend einen Kopfball von Patrick Ebert (64.) aus kurzer Distanz und bewahrte Hannover zunächst vor dem Ausgleich, den jedoch Lasogga kurz nach seiner Einwechslung besorgte.

Kurz vor dem Abpfiff sorgte dann Schiedsrichter Hartmann für großen Ärger beim Heimteam. „Eine Tätlichkeit war's nicht“, scherzte Franz Beckenbauer beim Pay-TV-Sender Sky.