Fussball-Bundesliga

Leverkusen besiegt Werder erst ohne Ballack

Kurz nach der Auswechslung von Michael Ballack schießt Bayer Leverkusen in der letzten Partie des zweiten Spieltags den Siegtreffer gegen Werder Bremen.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Michael Ballack ließ sich nichts anmerken: Zufrieden lächelnd tauschte der frühere Nationalmannschafts-Kapitän nach dem 1:0 (0:0)-Sieg von Vizemeister Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen sein Trikot mit Claudio Pizzaro, legte gelöst lachend und locker plaudernd seinen Arm um die Schultern von Trainer Robin Dutt - doch in seinem tiefsten Innern dürfte Ballack sich als tragische Figur gefühlt haben. Denn ausgerechnet rund zwei Minuten nach der Auswechselung des in seinem

250. Bundesliga-Spiel kaum effektiven „Capitano“ kamen die Rheinländer durch Michal Kadlec auf Vorlage ihres für „Balle“ aufs Feld gekommenen Spielführers Simon Rolfes zum ersten Saisonsieg (85.) und verhinderten damit einen kompletten Fehlstart in die neue Saison.

„Michael hat selbst um seine Auswechslung gebeten und hat sie sich auch verdient nach seiner ordentlichen Leistung. Wir haben die Situation insgesamt auch perfekt gelöst: Ballack hat vieles im Spiel vorbereitet und Rolfes das Tor. Für unsere Mannschaft war der Sieg wichtig, denn mit einem Erfolg im Rücken arbeitet es sich leichter“, meinte Dutt vor allem mit Blick auf die knifflige Situation in Bezug auf Einsätze von Ballack und Rolfes.

Auf Bremer Seite trauerte Trainer Thomas Schaaf acht Tage nach dem 2:0-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern einem aus seiner Sicht möglichen Erfolg hinterher: „Wir haben nicht an uns und an einen Sieg geglaubt. Wenn wir entschlossener nach vorne gespielt hätten, wäre mehr für uns drin gewesen.“

Leverkusen verhinderte eine nach der 0:2-Auftaktniederlage beim FSV Mainz 05 und dem vorherigen Pokal-K.o. bei Dynamo Dresden (3:4 n.V.) durch Kadlecs erstes Saisontor die dritte Pflichtspielniederlage in Folge und damit den schlechtesten Saisonstart seit dem Bundesliga-Aufstieg 1979 vermieden. Sein Debüt bei Bayer feierte der neue Torwart Bernd Leno, der vom VfB Stuttgart unter der Woche ausgeliehen und kaum geprüft wurde.

Ballack bestritt vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena sein 250. Bundesliga-Spiel und erhielt für die Startformation von Trainer Robin Dutt den Vorzug gegenüber Kapitän Rolfes. Allerdings konnte der Ex-Nationalmannschaftskapitän dem Spiel der Rheinländer keine Linie verleihen. In der ersten Halbzeit wurden mäßige 29 Ballkontakte und nur 20 Prozent gewonnene Zweikämpfe verzeichnet. „Balle“, der das Bayer-Team als Spielführer aufs Feld führte, war an keinem einzigen Torschuss seiner Mannschaft beteiligt und ging sieben Minuten vor dem Abpfiff im Austausch gegen Rolfes vom Platz.

Dem Spiel der Hausherren fehlten häufig die Überraschungsmomente. Zu selten wurde das noch aus der vergangenen Saison gewohnte Tempospiel aufgezogen - die jüngsten Niederlagen, darunter der 3:4-Pokal-K.o. in Dresden, haben offenbar das Selbstvertrauen erschüttert.

Die Aufmerksamkeit bei Bayer zog auch Leno in seinem Premierenspiel auf sich. Allerdings konnte sich der Ersatz des verletzten Nationaltorwarts Rene Adler kaum auszeichnen. Die Gastgeber bestimmten zwar optisch das Geschehen, hatten aber Probleme, Gefahr vor dem gegnerischen Tor heraufzubeschwören. Werder stand in der Abwehr gut, Clemens Fritz machte ein ordentliches Spiel auf der Sechserposition.

Die beste Chance in der ersten Hälfte besaß der Bremer Lennart Thy, der in 35. Minute völlig freistehend den Ball aus drei Metern über das Tor setzte. Er spielte zusammen mit dem Doppel-Torschützen gegen Kaiserslautern, dem Schweden Markus Rosenberg , in der Spitze bei den Werderanern. Der Peruaner Claudio Pizarro stand nach langer Verletzungspause wieder im Kader und wurde in der 62. Minute eingewechselt.

In der 13. Minute besaß Bayer die erste gute Gelegenheit durch einen 16-m-Schuss von Renato Augusto, den Werder-Schlussmann Tim Wiese glänzend parierte und zur Ecke abwehrte. Zwei Minuten später versuchte es Sidney Sam auf Zuspiel von Andre Schürrle aus der Distanz, aber auch sein Schuss verfehlt knapp das Tor. Wenige Sekunden vor der Pause scheiterte Stefan Kießling erneut auf Vorlage von Schürrle an Wiese. Schürrle (65.) vergab eine weitere Chance. Wiese bewies bei einem Freistoß von Kadlec (77.) erneut seine Klasse, war aber acht Minuten später beim nächsten Versuch des Tschechen machtlos.