Tabellenletzter

In Köln ist der große Knall nur eine Frage der Zeit

Acht Gegentore in zwei Spielen, Platz 18 und ein lustlos wirkender Ex-Kapitän Lukas Podolski: Auf Kölns Trainer Stale Solbakken wartet viel Arbeit.

Am Tag nach dem Desaster prasselte der Regen auf das Geißbockheim nieder. Die Wetterlage am Sonntag passte zur Stimmung beim Fußball-Traditionsklub 1. FC Köln. 1:5 (1:1) bei Schalke 04, 1:8 Tore, null Punkte und letzter Tabellenplatz – Lukas Podolski und Co. liefen sich den Frust aus den Beinen. Die ersten Spieler pickte sich der neue Kölner Coach Stale Solbakken nacheinander raus, um Einzelgespräche zu führen.

Bereits direkt nach dem Schlusspfiff auf Schalke wusste er, wo der Hebel anzusetzen ist. „Für mich ist es eine große Herausforderung, die Spieler wieder mental aufzurichten“, sagte der Norweger und gab einen Einblick in sein Seelenleben: „In mir tobt die Hölle. Und es seid nicht ihr Medien, die für mich schlimm sind. Sondern mein verletzter Stolz.“

Podolski wirkt lustlos

Das Tor zur Hölle hat der Norweger in der Domstadt selbst aufgestoßen – möglicherweise mit der Hilfe von Sportdirektor Volker Finke. Weniger das neue System, das er etablieren will, macht Solbakken aus Sicht der Kritiker angreifbar. Nach der Absetzung von Publikumsliebling Podolski als Kapitän scheint der große Knall nur eine Frage der Zeit. Der 90-malige Nationalspieler wirkte nach seinem Führungstor (12.) am Samstag phasenweise lustlos . Auf die Frage, ob er glaube, dass Podolski auch noch nach dem Ende der Transferfrist in Köln spiele, sagte Solbakken: „Da bin ich mir zu 100 Prozent sicher.“

Was sollte Solbakken auch sagen? Er hat genug damit zu tun, das zerbrochene Porzellan aufzukehren, das in zwei Spielen zerschlagen wurde. Auf Schalke lief es mit einer Defensivtaktik und einem einzigen gelungenen Angriff nahezu eine Halbzeit recht gut – dann brach mit einem fragwürdigen Handelfmeter alles in sich zusammen. Ein Dreierpack von Klaas-Jan Huntelaar (42., 47., 84.), ein herrlicher Treffer von Lewis Holtby (48.) und ein Traumtor von Raul (59.) waren eine Demütigung für die Kölner vor 61.673 Zuschauern in der WM-Arena.

„Natürlich schläft man schlecht nach so einer Niederlage. Aber man darf auch nicht alles über den Haufen werfen“, sagte Zugang Sascha Riether. Solbakken will ein neues Spiel-System einführen , mehr raum- als mannorientiert. „Ich bleibe bei meinem Konzept. Deswegen hat mich Köln gefragt und auch geholt“, sagte er und nimmt die Spieler bewusst in Schutz: „Ich hoffe nicht, dass die Spieler ausgepfiffen werden. Die Fans sollen lieber ’Solbakken raus’ rufen.“

Finke will keine „globalen“ Fragen aufwerfen

Seit dem Aufstieg 2008 ringt der FC sich durch die Bundesliga, auch mit der Rückkehr von Podolski 2009 wurde es nicht besser. Trainer Frank Schaefer, durchaus erfolgreich, hatte in der vergangenen Saison zermürbt aufgegeben. Nicht wenige vermuteten, dass Finke dafür verantwortlich war. Genauso wie bei der Entmachtung von Podolski.

In der Verantwortung steht auch Finke, der sich natürlich hinter seinen Trainer stellt. „Die Situation ist ärgerlich. Es bedarf etwas Zeit, ein verändertes Konzept zum Tragen zu bringen. Natürlich hätten wir gerne eines der ersten beiden Spiele gewonnen“, sagte der ehemalige Bundesliga-Coach in Freiburg und fügte Interpretierbares an: „Für die großen globalen Fragen ist es noch zu früh.“ Das soll wohl heißen: Solbakken kann in der Woche vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (Samstag, 18.30 Uhr), in der die Mannschaft „unter Druck“ (Solbakken) steht, und auch danach weiterarbeiten.

Das Konzept von Schalkes Coach Ralf Rangnick hat auch Zeit benötigt. Vor dem Spiel gegen Köln hatte es fünf Pleiten in Serie gegeben, zum Auftakt ein 0:3 in Stuttgart. „Wir haben danach nicht gerade vor Selbstvertrauen gestrotzt“, sagte Rangnick, der seinen 100. Sieg als Bundesliga-Trainer feierte. „Aber wir haben gezeigt, dass wir Tore schießen können, wenn wir so spielen.“