Schalke 04

Huntelaars Dreierpack löst längst nicht alle Probleme

Zum ersten Mal traf Klaas-Jan Huntelaar in einem Bundesliga-Spiel dreimal und beruhigte das nervöse Schalker Umfeld. Doch es gibt noch einige offene Baustellen.

Von seinem Arbeitsgerät wollte sich Klaas-Jan Huntelaar nicht mehr trennen. „Der ist für meine Söhne“, sagte der niederländische Torjäger von Schalke 04, als er mit geschulterter Sporttasche, die sich an einer Stelle verdächtig ausbeulte, die Schalker Arena verließ. Dabei grinste er verschmitzt. In der Tasche war der Spielball, der ihn auch in Zukunft an seinen ersten Dreierpack in der Bundesliga erinnern soll.

Huntelaar ging es nach dem 5:1 (1:1) über den 1. FC Köln richtig gut. Erst hatte er dreimal getroffen und so entscheidend geholfen, die Stimmung nach der Auftaktniederlage beim VfB Stuttgart (0:3) in Euphorie zu verwandeln. Anschließend holte er sich dann das verdiente Lob ab. Nach dem Schlusspfiff nahm er vor der Nordtribüne die Ovationen der Fans entgegen. „Sie haben ‚Happy Birthday’ gesungen“, sagte er: „Das fand ich sehr schön.“ Am Tag zuvor war Huntelaar 28 Jahre alt geworden.

Sein Hochgefühl mag auch etwas mit Erleichterung zu tun gehabt haben. „Der Sieg war enorm wichtig“, sagte der Stürmer, dem mit einem Handelfmeter (42. Minute) kurz vor Ende der schwachen ersten Hälfte und kurz nach Wiederanpfiff mit einem Kopfball (47. Minute) die Wende gelungen war, die Mannschaft und Verein nach turbulenten Tagen dringend gebraucht hatten. Die weiteren Treffer erzielten Lewis Holtby (49.), Raul (60.) und erneut Huntelaar (84.).

Ralf Rangnick stimmte die Renaissance seines Teams, das in Stuttgart fast alles schuldig geblieben war, zuversichtlich. „Das Team ist nicht nur grundsätzlich in der Lage, gut Fußball zu spielen, sondern auch Tore zu schießen“, sagte der Trainer, der sich in der vergangenen Woche mit allerlei Kritik und Gerüchten hatte herumschlagen müssen: Wird Jefferson Farfan verkauft? Wird Huntelaar verkauft? Hat Raul überhaupt noch Lust, sich am laufintensiven Spiel zu beteiligen, welches Rangnick propagiert?

Raul wird Heimweh nachgesagt

Mehr oder weniger alle Fragen konnten im Sinne Rangnicks beantwortet werden. Erst erklärte Manager Horst Heldt den schnellen Farfan, Schlüsselspieler in Rangnicks Konzept, für unverkäuflich, dann sagte Huntelaar dem russischen Erstligaklub Rubin Kasan ab. Ob sich Raul mittlerweile mit dem Spiel gegen den Ball, an dem auch er sich verstärkt beteiligen soll, angefreundet hat, darf zwar bezweifelt werden – auch am Samstag schwieg der Spanier, dem Heimweh nachgesagt wird , beharrlich. Doch dass er nach wie vor Spaß am Fußball und an spektakulären Toren hat, stellte er unter Beweis. Rauls Heber aus zehn Metern über den bemitleidenswerten Kölner Torhüter Michael Rensing war ein Kabinettstückchen von besonderer Frechheit. „Das können nicht viele“, lobte Matchwinner Huntelaar.

Die Stürmer profitierten von insgesamt deutlich verbesserten Offensivbemühungen der Mannschaft. „Wenn Huntelaar Bälle in den Strafraum bekommt, hat er bislang in jedem Verein seine Tore gemacht“, erklärte Rangnick, nachdem Huntelaar in der vergangenen Saison eine Durststrecke hatte, als er 1002 Minuten ohne Bundesliga-Tor geblieben war.

Alle Schalker Probleme sind aber längst noch nicht gelöst. Wegen der angespannten finanziellen Situationen wird es möglicherweise noch Veränderungen am Kader geben. Doch auf dem Weg zum schnelleren Fußball sind die Schalker am Samstag einen Schritt voran gekommen. „Es war die beste Hälfte seit langem“, sagte Huntelaar über die zweite Hälfte am Samstag. Und das galt nicht nur für ihn persönlich. om