Rekordmeister

Bayerns Befreiungsschlag hat einige Makel

Die Münchner feiern in Wolfsburg zwar den ersten Saisonsieg, überzeugend ist ihr Auftritt – vor allem in der Offensive – allerdings erneut nicht.

Die Fans verstanden den ersten Saisonsieg als Aufforderung, eine Party zu veranstalten. Rund 2000 Anhänger des FC Bayern München verwandelten das Training an der Säbener Straße Sonntagvormittag in ein Sommerfest. Bei 31 Grad und Sonnenschein klatschten sie der Mannschaft Beifall, als sie auf den Rasen lief. Kinder kühlten sich an der Sprinkleranlage ab, Väter saßen im Biergarten auf dem Vereinsgelände, Mütter sonnten sich auf dem Rasen am Spielfeldrand und aßen Currywurst mit Pommes Frites. Und mittendrin schwitzen die Stars um Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, Trainer Jupp Heynckes ließ sie Basketball spielen. Fußball, Fast Food, Familienausflug – die Stimmung war bestens.

Das 1:0 (0:0) beim VfL Wolfsburg am Tag zuvor war für Mannschaft und Fans eine Befreiung gewesen, rechtzeitig vor dem ersten Qualifikationsspiel zur Champions League gegen den FC Zürich am Mittwoch. Nach der Auftaktniederlage in der Fußball-Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach hätte ein Unentschieden eine herbe Enttäuschung bedeutet. „Es wäre ganz schön was los gewesen, wenn wir nicht gewonnen hätten“, sagte Mittelfeldspieler Toni Kroos, und Torwart Manuel Neuer gab zu: „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.“

Es war allerdings eine Befreiung mit Makeln, weil die Bayern spielerisch wieder nicht überzeugten. Nach 90 Minuten hatte es 0:0 gestanden, erst in der Nachspielzeit traf Luiz Gustavo zum Sieg. Vorher hatte Schiedsrichter Knut Kircher ein Tor des Wolfsburgers Patrick Helmes zu Unrecht nicht anerkannt.

Einige finden, dass die Art und Weise des Sieges typisch für die Münchner war und sprechen vom „Bayern-Dusel“ . Wolfsburgs Profi Hasan Salihamidzic, der neun Jahren für den Rekordmeister spielte, sagte: „Die Bayern sind in der Kabine und wissen nicht, wie sie gewonnen haben.“

Die Sieger sehen es natürlich positiver. Hauptsache gewonnen. „Das ist der FC Bayern. Bis zum Ende kämpfen, bis zum Ende dran glauben. Bis der Schiedsrichter abpfeift“, betonte Nationalspieler Schweinsteiger. Sportdirektor Christian Nerlinger hatte sich während der Partie nach eigener Aussage schon mit einem Unentschieden abgefunden. Er sieht die drei Punkte als Belohnung für „die Siegermentalität“, die gegen Gladbach noch gefehlt hatte. Er gab dennoch zu: „Es war keine Glanzleistung.“

Offensiv zu wenig Ideen

Dem FC Bayern fehlten in der Offensive erneut die Ideen. Und das Duo Arjen Robben/Franck Ribery konnte wieder einmal nicht zusammenspielen. Diesmal fehlte Robben wegen Rücken- und Adduktorenschmerzen, gegen Zürich kann er aber wohl auflaufen. Für ihn rückte Thomas Müller auf die rechte Außenbahn und spielte längst nicht so stark wie gewohnt. Mario Gomez war als einzige Spitze unauffällig. „Die Qualität ist da. Wir müssen ruhig bleiben und noch stärker werden“, sagte Torschütze Gustavo.

Im Hinspiel gegen Zürich in der Münchner Arena am Mittwoch hofft er auf einen deutlichen Sieg. Die Schweizer sind für die Bayern der Türsteher der Königsklasse: Sind sie an ihm erst vorbei, kann es ein langer Aufenthalt werden, hoffen sie zumindest. Bis zum 19. Mai 2012 wollen sie im Klub der Großen bleiben, an diesem Tag steigt das Finale der Champions League, ausgerechnet in München.


"Selbstvertrauen für Zürich"

„Nach der Niederlage gegen Mönchengladbach hat sich jeder einen Kopf gemacht. Aber jetzt haben wir ein gutes Gefühl und Selbstvertrauen für das Spiel gegen Zürich“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Die Chancen auf einen guten Saisonstart seien noch gut. Auch, weil Meister Borussia Dortmund überraschend bei der TSG Hoffenheim verlor . Und weil sich die Münchner Abwehr diesmal weniger Fehler leistete, zumindest keine mit schwerwiegenden Folgen.

Beim Spiel nach vorn zeigt sich Trainer Jupp Heynckes wie Gustavo geduldig. Er sei ein offensiv denkender Trainer, aber es brauche eben alles seine Zeit. Mit der Mannschaft habe er zuletzt intensiv an der Defensive gearbeitet, vielleicht sei die Offensive da ein wenig vernachlässigt worden. „Wir müssen die Chancen besser nutzen, auch wenn wir nur wenige bekommen“, so Heynckes. Auch Lahm fordert ein dynamischeres Angriffspiel: „Wir müssen schneller umschalten und schneller nach vorn spielen.“

Hoffnung macht ihnen, dass Ribery nach überstandener Sprunggelenksverletzung in Wolfsburg von Beginn an und aggressiv spielte. Auch der Franzose ist noch nicht in Topform, zeigte aber wie zuvor im Training einen enormen Willen. Genauso der kroatische Stürmer Ivica Olic, den Heynckes erstmals nach neun Monaten Verletzungspause wieder einwechselte. „Ich freue mich für ihn“, sagte der Trainer.

Er liebt den internationalen Vergleich und brennt wie seine Spieler auf die Partie gegen Zürich. „Wir müssen zwei Spiele machen und fertig. Dann sind wir weiter“, sagte Thomas Müller. Die Bayern-Fans würden am Mittwoch zu gern die nächste Party feiern, diesmal im Stadion.

Mitarbeit: Frank Schacht