"Auszeit"

Verglichen mit Katar ist der HSV eine Trainer-Oase

Beim HSV wechseln die Trainer schneller, als das Einwohneramt die Meldebescheinigung bearbeiten kann. Noch schlimmer ist es aber in Katar.

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Statistiker haben mal errechnet, dass die durchschnittliche Verweildauer eines Trainers in der Fußball-Bundesliga rund 13 Monate beträgt. Die Experten unter Ihnen werden nun einwerfen, dass es beim HSV nun wirklich nicht mal annährend so ist.

Da wechseln die Trainer ja schneller, als das Einwohneramt die Meldebescheinigung bearbeiten kann. Stimmt auch, aber wir reden ja vom Normalfall. Also, lassen wir die 13 Monate noch mal kurz auf uns wirken und gedenken fortan der Trainer in Katar.

Den Koffer besser gar nicht erst auspacken

Wer nämlich die Nationalmannschaft des kleinen Wüstenstaates unter seinen Fittichen hat, der sollte seinen Koffer besser gar nicht erst auspacken. Dort wurde jetzt bereits der dritte Trainer in diesem Jahr präsentiert.

Wie jeder jetzt bestimmt merkt, nimmt sich die Bundesliga im Vergleich dazu wie eine Oase aus. Und aus Sicht all der verflossenen Trainer des HSV muss ihnen ihr Arbeitsplatz in Hamburg im Rückblick wie ein Schlaraffenland vorkommen.

Doch zurück zu Katar, wo zwei nicht ganz so überzeugende Auftritte gegen Vietnam zur Entlassung des Trainers Milovan Rajevac geführt haben. Der für den Schleuderstuhl zuständige Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani sagte. „Wir haben den Vertrag aufgelöst, weil es Zeit ist voranzuschreiten.“ Das liegt natürlich auf der Hand, schließlich war der alte Trainer auch schon seit Ende Februar da.

Der Neue passt zudem bestens ins Zeitarbeiterraster, es ist Sebastiao Lazaroni. Der 60 Jahre alte Brasilianer hat schon 22 Klubs als Trainer abgegrast. Klar vernehmbar war deswegen der Aufschrei in Neustadt/Wied. Dort wohnt Rudi Gutendorf.

Der hat mit 54 Trainerstationen zwar noch ein Monopol. Weil die Kataris ihm aber fortwährend neue Konkurrenten hinterherschicken, fürchtet er um sein Geschäftsmodell als prominentester Wandervogel. Dabei hat er vor der eigenen Haustür schon genug zu tun – der HSV macht ihm seit jeher das Leben schwer.