Rekordmeister

Bayerns doppeltes Glück – Leichtes Los und fitte Stars

Die beiden Superstars Arjen Robben und Franck Ribery könnten am Sonntag gegen Mönchengladbach spielen. Ob das Duo von Beginn an aufläuft, lässt Trainer Jupp Heynckes noch offen.

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Jupp Heynckes hatte es eilig. Nach der Vormittagseinheit am Freitag wollte sich der Trainer des FC Bayern München die Auslosung der Qualifikation zur Champions League live ansehen. Er fand einen Platz vor einem Fernseher auf dem Vereinsgelände an der Säbener Straße und blickte gebannt auf den Bildschirm. Als der europäische Fußball-Verband Uefa in Nyon dem deutschen Rekordmeister den FC Zürich zuloste , atmete der 66-Jährige durch. Hauptsache nicht Rubin Kasan aus Russland. „Das wäre ein langer Flug gewesen. So haben wir geringe Reisestrapazen“, sagte Heynckes zufrieden.

Das Hinspiel tragen die Bayern am 17. August in München aus, das Rückspiel in Zürich steigt eine Woche später. Der Gewinner zieht in die Gruppenphase ein, die am 13. September beginnt. Das Finale der Champions League wird am 19. Mai 2012 in München gespielt. Es ist der große Traum von Präsident Uli Hoeneß, dass seine Mannschaft dabei ist. Für die Bayern sind die Qualifikations-Partien die ersten Endspiele der Saison. „Wir müssen uns qualifizieren“, sagt Kapitän Philipp Lahm.

Alles andere wäre eine Blamage. Für Zürich spielen die ehemaligen Bundesliga-Profis Ludovic Magnin (VfB Stuttgart) und Amine Chermiti (Hertha BSC). Stars hat die Mannschaft nicht, den Saisonstart gar verpatzt. Nach drei Niederlagen in den ersten drei Partien belegt sie in der Liga den vorletzten Platz. „Das ist ein gutes Los“, sagt Lahm. Kollege Thomas Müller befand: „Wir müssen zwei Spiele machen und fertig – dann sind wir weiter.“

Zunächst konzentriert sich seine Mannschaft aber auf ihren Bundesligaauftakt: Am Sonntag (17.30 Uhr, Sky) geht es gegen Borussia Mönchengladbach. Die Mission Meisterschaft beginnt. Wiedergutmachung für die schwache vergangene Spielzeit ohne Titel. Ein Sieg ist Pflicht. „Wir sind in den vergangenen zwei Jahren immer hinterher gelaufen, hatten von Anfang an einen Riesen Rückstand. Das darf uns einfach nicht wieder passieren. Denn es kostet sehr viel Kraft“, sagt Lahm.

Trainer Heynckes steht in der ersten Begegnung gleich vor einer schweren Frage: Lasse ich meinen Superstar spielen? Oder setze ich Franck Ribery auf die Bank? Der Franzose musste wegen einer Sprunggelenksverletzung einige Tage pausieren. Seit Mitte der Woche trainiert er wieder mit der Mannschaft – und will unbedingt auflaufen. Dem Kader wird der Offensivspieler angehören, sein Einsatz von Beginn an ist aber trotz seines Eifers fraglich.

„Man darf diese Verletzung nicht unterschätzen. Es nützt nichts, wenn er spielt und dadurch einen Rückfall erleiden könnte. Wir werden das mit den Ärzten und den Physiotherapeuten besprechen“, sagt Heynckes. Im modernen Fußball bedeute jeder Tag ohne intensives Training einen Fitness-Verlust, „das weiß Franck auch“. Er habe mit ihm über die Situation gesprochen. Und bei seinen Überlegungen die Qualifikationsspiele zur Königsklasse im Hinterkopf, da soll Ribery auf keinen Fall ausfallen, weil er zu ehrgeizig war und zu früh gespielt hat.

„Diese Spiele sind auch für das Image des Vereins sehr wichtig. Sie sind die ersten Höhepunkte der Saison, und ich hoffe, dass viele weitere folgen werden“, sagt Heynckes. Für Ribery geht es gegen Mönchengladbach um mehr als einen Einsatz. Er will ein Zeichen setzen. Zeigen, dass er fit ist. Von Beginn an. Seine Ziele: eine „große Saison“ spielen, so gut wie Superstar Lionel Messi vom FC Barcelona und Weltfußballer des Jahres werden. „Dafür brauche ich auch eine große Saison mit Bayern. In meinen ersten beiden Jahren konnte ich andeuten, was ich für den Klub leisten kann“, sagt er.

In den vergangenen Spielzeiten hatte Ribery immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, das Offensivduo Ribery/Arjen Robben stand zu selten gemeinsam auf dem Spielfeld. Robben hatte zuletzt ebenfalls Sprunggelenksprobleme, wird Sonntag aber spielen. Da will Ribery in nichts nachstehen. „Wir haben im Training gemerkt, dass die beiden heiß sind“, sagt Torjäger Mario Gomez.

Auch Heynckes lobt Ribery. Das Umfeld sei erstaunt, wie konzentriert er arbeitet. Sogar mit Gipsbein habe der Offensivstar trainiert. Ribery ist anzumerken, wie sehr der Trainerwechsel ihn befreit hat. Als „schwere Zeit“ bezeichnet er die letzten Monate unter Louis van Gaal in der vergangenen Saison. Heynckes hat es innerhalb weniger Wochen geschafft, dass Ribery wieder Lust am Fußball hat. „Das Vertrauensverhältnis ist gegeben“, sagt der Trainer.

Er sieht es als seine Aufgabe, den Charakter eines Spielers zu ergründen. Und dafür zu sorgen, dass Disziplin herrscht. Das funktioniere bislang, ohne dass er besondere Verhaltensregeln eingeführt hat. Es sei noch keiner zu spät gekommen, weder zu einem Training noch zu einer Besprechung. „Manche brauchen mehr Feuer unter dem Dach, andere mehr Zuspruch.“

Bei Ribery hat er die richtige Mischung gefunden. Doch jeder Fußballer ist nur so lange zufrieden, bis er nicht spielen darf. Heynckes will über seinen Einsatz erst am Wochenende entscheiden. Sagt aber schon jetzt: „Wir müssen in der Lage sein, den einen oder anderen Spieler zu ersetzen.“

Beim 3:0 im DFB-Pokal gegen Eintracht Braunschweig am vergangenen Montag gelang es. Thomas Müller spielte rechts, Toni Kroos zentral, links David Alaba. Müller bereite zwei Tore vor und schoss eins selbst. Er wird Sonntag spielen, möglicherweise für Ribery auf der linken Seite. „Wichtig ist, dass die Mannschaft funktioniert“, sagt Heynckes.